Revolution des Laufschuhs?

http://idw-online.de/pages/de/news294802Über einen Tweet von Achim Achilles bin ich auf eine amerikanische Studie gestoßen, die behauptet, dass die derzeit üblichen Laufschuhe nicht gut für die Gelenke sein sollen, da sie im Fersenbereich zu hoch sind und oft Stützelemente haben, deren langfristigen Nutzen für den Fuß wohl nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei. Es wird sogar behauptet, dass Stöckelschuhe besser für die Gelenke wären, als Laufschuhe. Von dieser Aussage halte ich überhaupt nichts, da die orthopädischen Folgen des Tragens von High Heels bekannt sind und sich u.a. die Wadenmuskulatur verkürzt.

Bei der Studie liefen 68 Probanten auf einem Laufband. Barfuß wären die Belastungen für die Gelenke geringer gewesen, als mit Laufschuhen. Ich bin von dieser Studie nicht ganz überzeugt, denn zum einen ist so ein Laufband gefedert. Zum anderen wurde bei der Studie wahrscheinlich nicht jeder Laufstil berücksichtigt. Wer nämlich die Kraft nach oben verschwendet, anstatt nach vorne, kommt natürlich auch stärker auf. Zudem bezweifle ich, dass es für meine Gelenke besser sei, wenn ich mit meinem hohen Gewicht barfuß auf Asphalt laufe, anstatt mit Laufschuhen. Auf einer Wiese mag dies vielleicht zutreffen, aber ich laufe meistens auf hartem Untergrund.

Eines ist jedoch Fakt. Viele Freizeitläufer setzen mit der Ferse zuerst auf, was auch die extreme Belastung verursacht. Die Körpermasse setzt punktuell auf. Profiläufer laufen dagegen über den Vorfuß, was deutlich gelenkschonenender ist (da der Fuß dabei selbst federt) und den Fuß fordert. Auf Grund dieser Tatsache haben Sportwissenschaftler aus Magdeburg einen angeblich revolutionären Aufbau eines Laufschuhs entwickelt. Hauptmerkmal ist der fehlende Fersenabsatz. Dadurch soll verhindert werden, dass man mit der Ferse hart aufsetzt. Man wird quasi gezwungen, über den Vorfuß zu laufen. So revolutionär finde ich diesen Aufbau allerdings nicht, da ich mich gleich an die Schuhe von MTB erinnert fühlte.

Ich halte von dieser Studie nicht all zu viel. Dass Barfußlaufen gut ist, wusste man schon vorher. Doch die Behauptung, dass es besser wäre, als mit Laufschuhen zu laufen, finde ich zu einfach formuliert. Man muss bei solch einer Aussage nämlich auch die Gegebenheiten (Körpergewicht, Laufuntergrund, Laufstil) berücksichtigen, denn dann kann das Ergebnis durchaus unterschiedlich aussehen. Ich persönlich finde es wichtiger, den Laufstil zu optimieren und bei Übergewicht abzunehmen, anstatt auf Dämpfung und Stütze zu vertrauen. Der Fuß darf meiner Meinung nach nicht völlig geschont werden, sondern muss auch gefordert werden, damit die Bänder und Sehnen belastbar bleiben und nicht verkümmern. Herr Prof. Dr. Brüggemann (Leiter des Instituts für Biomechanik an der Deutschen Sporthochschule in Köln) hat mich diesbezüglich voll überzeugt. Sein entwickeltes NikeFree-Konzept ist als zusätzliches Training für die Füße gedacht, um diese zu stärken und Pronation und Verletzungen zu verringern. Ob jedoch dieses neue Schuhkonzept der Sportwissenschaftler aus Magdeburg die einzig wahre und perfekte Lösung ist, wage ich zu bezweifeln.

12 Kommentare zu “Revolution des Laufschuhs?

  1. ultraistgut

    Das habe ich hier

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,670241,00.html

    gelesen, sagt für mich eher nichts.

    Ich selbst habe – als ich mit dem Laufen anfing – einen normalen Tennis-Schuh getragen und ganz bald feststellen müssen, dass er mir beim Laufen nicht gut tut. Seitdem es Laufschuhe mit Dämpfung gibt, trage ich sie, aus meiner Erfahrung, ohne Schaden davon zu tragen.

    Ich gehe so oft wie möglich Barfuß , mal auf den Fers 😎 en, auf den Spitzen, auf den Innen- und Außenseiten, damit die Fuß-Muskulatur gestärkt wird, aber auf gedämpftes Schuh-Material möchte ich nicht verzichten, bin keine Fersenläuferin und relativ leicht.

    Und wenn ich mir vorstelle, wie viele schwere Menschen laufend unterwegs sind, dann kann ich mir einen Schuh ohne schon gar nicht vorstellen, dazu sind erstens die Menschen zu schwer und zum zweiten der Fuß viel zu zivilisiert.

  2. marcus

    Man muss fairerweise sagen, dass die Autoren der Studie nicht diese eindeutigen Aussagen treffen, wie sie dann in der Tagespresse (und demnächst wahrscheinlich auch in den ganzen Läufer-Bravos) durchgekaut werden. Dem SPON-Leser nur keine komplizierten Sachverhalte nahebringen. Immer schön schwarz-weiß.

    Wie die Autoren selbst angeben, ist das Messverfahren zur Gelenkbelastung noch sehr jung und unausgeprobt und die Ergebnisse wurden dadurch ziemlich beeinflusst.
    Auch interessant war, dass sich die Schrittlänge in beiden Bedingungen verändert hatte.

    Was ich am Methoden-Setting nicht verstanden habe, wieso alle mit Neutral-Schuhen gelaufen sind. So sind viele Überpronierer und vielleicht auch ein paar seltene Supinierer in Neutralschuhen gelaufen. Wieso? Kann sich das jemand erklären?

    Aus der Studie nehme ich folgendes mit: Nicht alle sollten in Neutralschuhen laufen. Es ist besser barfuss zu laufen als in den falschen Laufschuhen.
    Einmal die Woche ein Lauf-ABC ins Training einbauen, damit die Fussmuskulatur direkt angesprochen wird und in kleinen Übungen das Vorfuss- und Mittelfusslaufen geübt wird.

  3. Brennr Autor des Beitrags

    @ultraistgut: Ich fand die gestrige Entwicklung ganz interessant. Erst den Tweet von Achim entdeckt und danach tauchte die Studie immer mehr in den Online-Magazinen auf. Gestern Abend wurde dann noch bei RTL über diese Studie berichtet (natürlich total auf „sensationell und revolutionär“ gemacht 🙄 ). Und vorhin in der Mittagspause kam auf es auch noch auf n-tv. Eine Studie, die meines Erachtens etwas zu oberflächlich durchgeführt wurde und dessen Ergebnis nun als der Wahrheit letzter Schluss verkündet wird. 😐

    Ich sehe das ähnlich wie Du. Zusätzliche Stärkungsübungen und auf den totalen Fersenlauf verzichten, dann passt das. Mit meinem Gewicht könnte ich mir ein längeres Laufen auf hartem Untergrund echt nicht vorstellen. Warum taten mir wohl früher beim Fußball immer nur dann die Knie weh, wenn ich mit meinen ungedämpften Fußballschuhen mal auf einem Hartplatz spielen musste und auf Rasen nicht? Eben. 😉

  4. Brennr Autor des Beitrags

    @marcus: Da gebe ich Dir Recht. Die Presse hat die Ergebnisse der Studie sicher nur plump wiedergegeben. Die Schrittlänge war beim Barfußlaufen bestimmt kürzer, vermute ich mal. So schützt sich der Körper selbst vor hohen Belastungen. Neutralschuhe haben sie vielleicht deshalb genommen, damit sie es besser mit dem Barfußlaufen (also auch ohne Stütze) vergleichen können. Und Deinem Tipp mit dem Lauf-ABC kann ich nur zustimmen. 🙂

  5. Evchen

    MIr fehlt die läuferische Erfahrung, um mich dazu wirklich kompetent auszulassen. Interessant finde ich es schon und nehme das, was ich verstanden habe jetzt mal einfach als Rechtfertigung für meinen nächsten Schuhkauf: „Schatz, ich muß ein neues Paar Schuhe haben! Du weißt doch, wie wichtig es ist, immer mal wieder die Schuhe zu wechseln und ich laufe soooo oft in diesen völlig verkehrten Laufschuhen. Da muß ich mal mit den hohen Absätzen gegensteuern; nicht daß sich noch meine Gelenke bemerkbar machen! *schreck*“ *rofl*

  6. marcus

    @Brennr: Du vermutest richtig. 6 Prozent längere Schritte mit Schuhen. Aber wieso „vermuten“? Du hast doch oben die Studie verlinkt. Auch gelesen oder wenigstens überflogen?

  7. Brennr Autor des Beitrags

    @marcus: Mein Englisch ist leider inzwischen nicht mehr ganz so toll, so dass ich mir nicht sicher war, ob ich es richtig verstanden habe. 😉

  8. Chris

    Ach, der Vorfußlauf, das Mysterium. Wie auch immer das funktionieren soll. Wahrscheinlich erst ab 18km/h. Bei meinen Mindergeschwindigkeiten droht immer höchste Stolpergefahr.
    Wenn ein Bericht mit: Wissenschaftler haben herausgefunden… neue Studien besagen u.ä. beginnt, stellen sich mir schon die Nackenhaare auf. Mittlerweile ist leider oft viel Käse dabei.

  9. Brennr Autor des Beitrags

    @Chris: Ich glaube auch, dass der richtige Vorfußlauf nur bei sehr hohem Tempo möglich und für mich Normalo nicht möglich ist. Aber es gibt noch etwas dazwischen; der Mittelfußlauf. Der kommt bei mir bei schnellerem Tempo von alleine und fühlt sich auch gut an.
    Was die Studien anbelangt, so bin ich inzwischen auch recht skeptisch. Vor allem, wenn sie innerhalb kürzester Zeit so sehr gepriesen werden.

  10. Gerd

    Bei meinem Gewicht, bin ich froh, dass es gedämpfte Schuhe gibt.
    Wäre dies nicht der Fall, ich würde bestimmt nicht mehr Laufen!

  11. RunningDan

    Ich habe den Artikel auch gelesen und war erst einmal etwas konfus. Da die verschiedenen Laufschuhhersteller nicht umsonst neue Technologien und andere Innovationen einführen und diese auch ausgiebig testen, bin ich auch voll davon überzeugt, dass die derzeitigen Laufschuhe absolut top sind und stimme dem Achilles-Bericht nicht wirklich zu. Letztendlich wird man in Zukunft sehen, ob er Recht hat und die aktuellen Modelle geändert werden oder nicht. Lassen wir uns überraschen.
    Gruß, Daniel.

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