DämmerMarathon immer teurer

© ioannis kounadeas - Fotolia.comDer Mannheimer „DämmerMarathon“ hat vor kurzem die Online-Anmeldung für 2011 freigeschaltet. Da dieser quasi vor meiner Haustür liegt, überlegte ich mir mich anzumelden. Doch als ich die Startgebühr sah, war ich doch sehr verärgert. Der Veranstalter hat die Preise nochmals deutlich angehoben. Ich habe dann mal recherchiert und die Staffelung der Startgelder von 2009-2011 analysiert. Die Höhe des Startgeldes orientierte sich dabei immer an drei Buchungszeiträumen (31.12., 31.03., 20.04.). Der Lauf ist immer Mitte/Ende Mai.

Marathon31.12.31.03.20.04.
200930 €47 €52 €
201038 € (+26%)45 € (-4,4%)55 € (+5,8%)
201142 € (+10,5%)49 € (+8,9%)59 € (+7,3%)

Halbmarathon31.12.31.03.20.04.
200919 €25 €33 €
201028 € (+47,4%)33 € (+32%)38 € (+15,2%)
201132 € (+14,3%)37 € (+12,1%)42 € (+10,5%)

Auf meine Nachfrage, worin diese Preiserhöhung begründet ist, argumentierte der Veranstalter, dass durch den Wechsel des Zeitmessungsystems (kein ChampionChip mehr, sondern Einwegmessband) die Chipleihgebühr entfällt und dass die Rücktrittsversicherung nun beim Startgeld bereits enthalten sei. Diese Begründung ist für mich jedoch weder akzeptabel noch nachvollziehbar, denn:

1. Chipleihgebühr:
Der ChampionChip ist Standard bei großen Laufveranstaltungen, den man gegen Gebühr (5€) ausleihen kann. Da ich aber öfter an solchen Veranstaltungen teilnehme, habe ich ihn mir gekauft. Nun kommt plötzlich dieses Einwegteil zum Einsatz, dessen Kosten mit Sicherheit in die Startgebühr einbezogen werden. Da dieses Teil sicher nicht kostenlos für den Veranstalter ist, muss der Teilnehmer dafür aufkommen. Sprich: Jeder Teilnehmer (und nicht nur die Ausleiher wie früher beim ChampionChip) muss zahlen. Zudem verursacht dieses Einwegteil unnötig Müll.

2. Rücktrittsversicherung:
Der Veranstalter wirbt damit, dass die Rücktrittsversicherung bereits inklusive und somit eine Mehrleistung im Vergleich zu den Vorjahren ist. Aber auch hier muss ich als Starter zahlen, ob ich will oder nicht. Es sollte jedem Läufer selbst überlassen sein, ob er diese Rücktrittsversicherung benötigt oder nicht. Stattdessen wird sie einem aufgezwungen. Sind wir Läufer etwa nicht mehr mündig und können nicht selbst entscheiden?

Der Veranstalter zwingt den Teilnehmern Leistungen auf, die er eventuell nicht benötigt. Des Weiteren stellt er grundlos das Zeitnahmesystem um. Jeder Teilnehmer, der dieses Jahr beim Mannheim Marathon den ChampionChip gekauft hat um auch in den Folgejahren keine Leihgebühr zahlen zu müssen, wird sich jetzt ärgern. Die Kosten werden mittels höheren Startgebühren auf die Teilnehmer abgewälzt. Die fallenden Teilnehmerzahlen haben meiner Meinung u.a. nach folgende Ursachen: steigende Startgebühr, zu viele Wertungen (M, HM, Handbike, Inliner, Duo, Team,..) und Kritikresistenz. Es ist schade, dass die Veranstalter zu viel Energie darin verschwenden, größer und außergewöhnlicher als die Laufveranstaltungen in der Umgebung zu sein, anstatt einfach einen guten Marathon und Halbmarathon anzubieten. Denn nur die Zufriedenheit der Läufer lässt eine Laufveranstaltung wie den Mannheim Marathon am Leben. Leider muss ich im Internet feststellen, dass diese immer mehr abnimmt. Darin liegt der Hund begraben. Schade, denn der Lauf in den Sonnenuntergang hat eigentlich großes Potenzial. Allerdings müssten die Veranstalter hierfür besser mit Kritik umgehen können und auch mal die Vorschläge der Teilnehmer beherzigen.

In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob dieses Problem mit den steigenden Startgeldern nur in Mannheim existiert oder deutschlandweit zu beobachten ist. Wie sind eure Erfahrungen? Sind die steigen Startgebühren schuld an den sinkenden Teilnehmerzahlen oder hat dies andere Gründe?

7 Kommentare zu “DämmerMarathon immer teurer

  1. Simon

    Ich ärgere mich auch immer öfter, wenn ich mir die Startgelder bei Laufveranstaltungen ansehe, wobei ich meist noch mehr die Luft anhalten muss, wenn ich sehe, wie niedrig die Gebühren bei frühen Anmeldungen sind und dann schön stetig ansteigen.

    Klar kann man sich früh auf ein großes Ziel vorbereiten, aber manchmal möchte man eben auch spontan mitlaufen.
    Der Bonner Drei-Brücken-Lauf kommt z.B. völlig ohne Startgebühren aus und bittet stattdessen um Spenden. Eine sehr schöne Sache, wie ich finde, denn dann muss ich auch nicht völlig überflüssige (und meist mehr als hässliche) Laufshirts und sinnfreie Startbeutelinhalte finanzieren.

    Die verschiedenen Veranstalter haben sicher damit zu kämpfen, dass die Konkurrenz immer größer und die Menge an Wettkämpfen entsprechend unübersichtlicher werden. Dabei auf Masse zu setzen, ist mit Sicherheit das falsche Mittel. Lieber einen anständigen Lauf über 1-2 feste Strecken organisieren, als, wie bereits oben erwähnt, auch noch für jede „Nische“ einen Wettkampf anbieten zu wollen.

    Zum Chip & Co.:
    Ich bin froh, dass meine Lokalläufe Bonn Marathon, Köln Marathon, Brücken- und Nachtlauf in Köln weiter auf den Championchip setzen. Sogar der kleine Kölner Nikolauslauf setzt das System ein.

  2. RunningDan

    Das sind natürlich keine schönen News, dass die Preise jedes Jahr steigen und die Mehrleistungen wie Rücktrittsversicherung für viele Läufer nicht wirklich Sinn machen.
    Gruß, Daniel.

  3. Andreas

    Ich stimme dir vollkommen zu: viel Zeitmess-Müll, für den man da als Chip-Besitzer mitzahlen muss… Soweit ich weiß, sind beim hiesigen Berlin-Marathon die Preise ebenfalls stetig gestiegen. Dagegen ist der DämmerMarathon spottbillig 😉

  4. Supermario

    Ich denke, die Veranstalter haben erkannt, dass sich mit der „Laufwelle“ der letzten Jahre ordentlich Geld verdienen läßt. Es gehört doch heute bei uns Mitdreißigern schon fast zum guten Ton, mindestens einen großen Marathon gefinisht zu haben. 😉 Und dafür ist man dann eben auch bereit, richtig tief in die Tasche zu greifen.

    Aber es geht auch anders! Startgebühr beim Kölner Brückenlauf 2010 waren 21,00 Euro. Neben den allgemeinen Leistungen gab es dafür noch ein sehr gutes Funktionsshirt dazu. Echt cooles Teil und allein mit Sicherheit schon das volle Geld wert. Das ist Klasse!

    Wenn man günstig laufen will, sollte man sich lieber auf die kleineren Laufevents konzentrieren. Ansonsten wird’s eben teuer. 😥

  5. Chris

    Mit den Preisen, bzw. dem „Wert“ der Preise ist das immer so eine Sache: Wenn man einmal miterlebt hat, was es für eine solche Mammut-Veranstaltung alles braucht, dann finde ich, wir kommen mit solchen Preisen noch gut weg. Bei uns ist der Greifenseelauf (heute) in Uster mit rund 13’000 Teilnehmenden einer der grössten Läufe in der Schweiz. Für das Startgeld von 47 CHF erhält man einen top-organisierten Lauf. Auch das geht aber nur mit hunderten von Fronarbeiterinnen und Fronarbeitern, die mitmachen. Hut ab vor soviel Engagement!

  6. Christiane

    So, ich hätte viel zu sagen gehabt, vergaß aber mal wieder den Spamschutz, und nun ist mein Beitrag weg. Lieber Christian, kann man das nicht anders handlen ❓

  7. Yogi

    Hallo Christian,
    leider gibt es diesen Trend überall, aber die Läufer stimmen mit den Füßen ab. Wer halt solche Läuferscharen wie in Berlin braucht bzw. haben will, der muß auch bereit sein dafür richtig in die Tasche zu greifen.
    Aber es gibt immer noch genügend kleine feine und sehr familär organisierte Marathonläufe in Deutschland und da findest du mich eher. Auch deshalb berichte ich gerne darüber.
    Grüße aus Oberhausen, Yogi

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