Test: Brooks PureCadence

Brooks PureCadence (Quelle: brooksrunning.de)Vor vier Wochen bekam ich von Brooks den PureCadence aus der neuen PureProject-Serie zum Testen. Leider kam ich aufgrund der krankheitsbedingten dreiwöchigen Laufpause erst jetzt dazu, den Schuh auszuprobieren. Doch das Warten hat sich gelohnt. Ich bin von dem guten Laufgefühl überrascht und möchte meine ersten Eindrücke kurz zusammenfassen.

+ Passform
Bisher war ich immer von der Passform meiner Brooks-Schuhe begeistert. Dies ist auch beim PureCadence der Fall. Reinschlüpfen, loslaufen, wohlfühlen. Die Ferse sitzt stabil und der Spann ist durch das Nav-Band gut umschlossen.

+ Dämpfung
Ich kenne das Dämpfungssystem DNA bereits vom Adrenaline GTS 11, doch beim PureCadence kommt es meines Erachtens noch wirkungsvoller zum Einsatz. In Kombination mit der dünnen BioMoGo-Mittelsohle bietet es ausreichend Dämpfung und Energierückfuhr.

+ Gewicht
Als ich den Schuh aus dem Karton nahm, fiel mir sofort das geringe Gewicht auf. Dies macht sich natürlich auch beim Laufen positiv bemerkbar. Man spürt ihn kaum und er macht Lust auf höheres Tempo.

+ Sprengung
Die Sprengung ist erfreulich gering, wodurch der Abrollvorgang sehr natürlich verläuft.

+ Stütze
Der PureCadence hat ein internes PDRB®, das helfen soll, Überpronation zu vermeiden. Ehrlich gesagt, konnte ich keine Stütze wahrnehmen. Doch beim Laufen hatte ich nicht das Gefühl, als würde ich eine Stütze benötigen. Normalerweise brauche ich eine leichte bis mittlere Stütze. Das interne PDRB® arbeitet demnach so unauffällig, dass man es gar nicht spürt. Ein besseres Urteil kann eine Stütze nicht bekommen.

+ Laufgefühl
All die bisher genannten Punkte führen zu einem genialen Laufgefühl. Der PureCadence läuft sich leicht, dynamisch und direkt, ohne dass der Komfort darunter leiden muss. Er macht einfach Spaß und ist sowohl für normale, als auch schnelle Einheiten bestens geeignet.

+ Optik
Was das Design bzw. die Optik anbelangt, so ist das natürlich immer Geschmackssache. Ich persönlich finde dies beim PureCadence sehr gelungen. Er sieht nicht geöwhnlich aus und die Kombination aus Anthrazit und giftigem Grün passt super.

– Zehenspalt
Im Zehenbereich hat es neben dem großen Zeh einen Spalt, der für mehr Flexibilität sorgen soll. Der große Zeh soll dadurch unabhängig fungieren und das Abstoßen soll effizienter erfolgen. Klingt logisch, doch irgendwie habe ich beim Laufen nicht das Gefühl, dass dieser Effekt tatsächlich eintritt. Selbst wenn ich den Schuh in die Hand nehme und die Sohle am großen Zeh bewege, ist da nicht wirklich viel von unabhängiger Flexibilität. Vielleicht funktioniert das ja beim Laufen tatsächlich ein wenig und ich nehme es nur nicht bewusst wahr. Vielleicht auch nicht. Aber selbst dann würde es sich nicht negativ auswirken, wodurch dies dann auch nicht wirklich ein Kritikpunkt ist. Dennoch ist meines Erachtens der Spalt zu weit an der Fußinnenseite, denn der große Zeh liegt bei mir zum Teil auf dem Spalt. Und so kann der gewünschte Effekt eh nicht voll eintreten.

– Zehenprobleme
Hä? Hatte ich zuvor nicht von super Passform geschrieben? Ja, habe ich. Doch ich habe bekannterweise das Problem, dass mein rechter Fuß eine halbe Nummer größer ist und eigentlich US 13.5 benötigt. Leider wird diese Größe fast nie angeboten, sodass ich mich für US 14 entscheiden muss. Für den größeren Fuß ist das noch ok, doch der kleinere linke Fuß muss darunter leiden. Ich habe im Zehenbereich einfach zu viel Platz. Bei normalen Laufschuhen geht das noch halbwegs, doch beim PureCadence ist das schon kritisch. Warum? Er ist so konstruiert, dass die Zehen mehr arbeiten müssen. Da diese aber im linken Schuh nicht so positioniert sind, wie sie eigentlich sein sollen, fühlt sich sich das etwas unangenehm an und die Zehen können nicht richtig greifen. Schade, dass es in den Größen keine halbe Nummern gibt bzw. dass man die Schuhe nicht für links und rechts unterschiedlich groß erwerben kann. Schließlich haben viele dieses Problem.

– Verarbeitung
Mir ist aufgefallen, dass bei dem schwarzen Bereich der Mittelsohle an manchen Stellen noch Kleberreste zu sehen sind. Bei hellen Mittelsohlen fällt das nicht großartig auf, aber bei einer schwarzen Mittelsohle leider schon. Nicht extrem und auch kein großer Kritikpunkt, aber ich möchte dies dennoch erwähnen. Der Rest vom Schuh ist gut verabeitet.

Fazit:
Der PureCadence ist echt gelungener Schuh, der richtig Spaß macht. Er ist nicht ganz so minimalistisch, wie die Pure-Serie angeprießen wird, allerdings ist er von den vier verschiedenen Modellen dasjenige mit der meisten Unterstützung. So ist er für Läufer mit leichter bis mittlerer Überpronation absolut tauglich für das alltägliche Training. Selbst für Wettkämpfe kann ich ihn mir sehr gut vorstellen. In das direkte Laufgefühl habe ich mich regelrecht verliebt. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Preis: 120€ UVP

Nachtrag:
Ich bin nun auch einmal schnelles Tempo gelaufen und mit dem linken Fuß (der kleinere) hatte ich leider ein wenig Probleme. Wenn der Schuh etwas zu groß ist, dann wird das unangenehm. Ich bräuchte den Schuh links eine halbe bis ganze Nummer kleiner. Dann würde er echt Spaß machen. Aber so kann ich die schnellen Einheiten nicht vollends genießen und werde wohl nur noch maximal mittelschnelle Einheiten laufen. Das Problem ist, dass die Zehen nicht richtig greifen können, da das Abrollen des Schuhs nicht ganz dem Abrollen des Fußes entspricht. Die Zehen befinden sich nicht ganz an der richtigen Position. Schwierig zu erklären.

Bilder:
Brooks PureCadence Brooks PureCadence Brooks PureCadence
Brooks PureCadence Brooks PureCadence Brooks PureCadence
Brooks PureCadence Brooks PureCadence Brooks PureCadence

7 Kommentare zu “Test: Brooks PureCadence

  1. Din

    Schöne Zusammenfassung der wichtigsten Details. Die Passform meines Connects finde ich auch sehr gut, vor allem im Mittelfußbereich und um die Ferse.

    Ich hätte noch eine Frage – konntest du den Cadence schon auf einer längeren Strecke ausprobieren (also weiter als 25km?). Meinst du, dass er ein Ersatz für einen stabileren Schuh wie dem Glycerin sein könnte, um beispielsweose einen Marathon damit zu laufen?

  2. Sebastian

    Tut mir leid, aber für mich ist das ganze Brooks Pure-Project eine geschickte Werbemasche, um sich an den „Minimallaufschuhtrend“ ranzuschmeissen. „Wir wollen das natürliche Laufen fördern“, und dann stellen sie so ein Schaumstoffufo hin?

    „…eine intensive Verbindung mit der Umgebung eingehen. Den Boden unter den Füßen spüren, mehr mit dem eigenen Körper verbunden sein und jeden einzelnen Schritt verfolgen.“ (Zitat: Brooks Pure-Project Produktseite)
    Hmja… wenn ich wirklich den Boden unter meinen Füßen spüren will, laufe ich ohne Schuhe oder in Vibrams, o.ä.
    Fakt ist, und da stimme ich mit den Brooks-Leuten überein: Es gibt kein richtig oder falsch; und es gibt zig verschiedene Lauftypen. Und wenn ich „floaten“ will, wie Brooks das so schön nennt, dann bin ich mit den Dingern sicher richtig.

  3. Brennr Autor des Beitrags

    @Din: Nein, ich konnte bisher noch keine langen Läufe damit laufen. Ob er für einen Marathon tauglich ist, kommt auch auf den Läufertyp an. Ich gehöre zu den schweren Läufern und für einen Marathon wäre er mir dann doch zu „wenig“.

    @Sebastian: Ich habe ja im Fazit angedeutet, dass er nicht so minimalistisch ist, wie angeprießen. Dennoch unterscheidet er sich schon von normalen Laufschuhen. Vergleichbar mit Vibrams oder Nike Free ist er jedoch nicht. Dafür kann man mit ihm aber ohne Probleme auf der Straße laufen. Das würde ich mit Vibrams nicht tun. Er ist einfach alltagstauglicher und nicht ein Schuh nur für Waldwege oder kurze Trainingseinheiten. Die Brooks-Werbung verspricht da vielleicht ein wenig zu viel, aber im Vergleich zu den meisten anderen Laufschuhen läuft es damit deutlich natürlicher.

  4. Christian

    Ich kenn das Problem mit den unterschiedlichen Fußgrößen und ich hab noch Glück, bei mir ist es nur ein knapper halber Zentimeter, was aber schon ordentlich Probleme in Laufschuhen mach kann, v.a. bergab 😆
    Schöner und aufschlussreicher Testbericht, Danke. Ansonsten muss ich mich Sebastian anschließen, und mit FiveFingers kann man auch Marathonstrecken und darüber hinaus bewältigen 😎

    Salut

  5. Andreas

    Ich nutze den Cadence und den Flow nun seit 2 Monaten und 1,5 Monaten und habe durch diese Schuhe endlich Achillessehnenprobleme in den Griff bekommen. Das Laufen macht wieder Spaß. Ich habe den Cadence auch schon auf Strecken über 30 km getragen und bin uneingeschränkt zufrieden. Eine gewisse Eingewöhnungszeit halte ich aber für notwendig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: