Indoor Trailrunning – ein Widerspruch in sich?

Ecco Indoortrail (Quelle: indoortrail.de)Am kommenden Wochenende findet in den Dortmunder Westfalenhallen der „ECCO Indoor Trail“ statt. Dabei wird, wie der Veranstaltungsname bereits vermuten lässt, Trailrunning in der Halle ermöglicht. Hierfür werden Hindernisse wie Baumstämme, Steilkurven, Strohballen, Sandgruben und Schlammbecken aufgebaut. Was sich zunächst interessant anhört, ist bei genauerem Betrachten etwas fragwürdig.

„Indoor Trail“ – klingt für mich irgendwie paradox. Unter Trailrunning habe ich bisher etwas anderes verstanden. Laufen in und mit Rücksicht auf die Natur. So habe ich das bisher gesehen. Dass Trailrunning inzwischen immer mehr kommerzialisiert wird, ist nicht zu übersehen. Der Soulrunner hat hierzu auf seiner Seite einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben. Das Angebot an speziellen Trail-Schuhen nimmt kontinuierlich zu und mittlerweile gibt es auch ein Hochglanz(!)-Magazin. Plötzlich ist Trailrunning total angesagt und alle wollen den Markt abschöpfen. Diese Entwicklung habe ich zwar mit kritischen Augen verfolgt, aber mir war auch klar, dass es solche Trends immer geben wird, auf den die Hersteller aufspringen (siehe z. B. auch „Natural Running“).

Was mich jedoch bei dieser Veranstaltung stört, ist die Tatsache, dass sie meiner Meinung nach nichts mehr mit dem eigentlichen Trailrunning gemein hat. Es wird mit viel Aufwand ein künstliches Gelände mit Hindernissen für eine einmalige Veranstaltung erstellt. Der für den Aufbau entstehende CO²-Ausstoß hat sicherlich nichts mit der Naturverbundenheit bzw. dem Grundgedanken des Trailrunnings zu tun.

Außerdem verstehe ich das Konzept des Veranstalters nicht so ganz. „Der ECCO INDOOR TRAIL ist eine Weiterentwicklung unseres Konzeptes, das Thema Trailrunning in die Städte zu tragen.“ Worin besteht der Sinn, Trailrunning in die Stadt zu bringen? Gehört Trailrunning nicht in die Natur? Ein Stadtmarathon wird ja schließlich auch nicht im Wald oder Gebirge ausgetragen. Aber in der Stadt lässt sich wohl mehr Geld verdienen…

Ok, das Ganze ist für die Zuschauer sicher interessant, da sie die Läufer unmittelbar vor sich haben und den ganzen Lauf verfolgen können. Für die Läufer selbst ist es sicher auch ganz nett, wenn sie aufgrund der zu laufenden Runden öfter von ihren Fans angefeuert werden. Alles schön und gut, aber letztendlich ist dies nur ein Spaßlauf mit künstlichen Hindernissen. Die Bezeichnung Trailrunning ist völlig fehl am Platz. Ich finde, der Begriff wird aus Marketinggründen immer öfter zu sehr missbraucht.

Ich bin hin und hergerissen, was diese Veranstaltung anbelangt. Einerseits soll meiner Meinung nach jeder laufen wie er will. Andererseits finde ich es nicht gut, wenn man das Ganze unter dem Deckmantel „Trailrunning“ vermarktet, womit es eigentlich nichts zu tun hat. Ich hoffe nur, dass Neulinge nach dem „Indoor Trail“ nicht achtlos in die Natur stürmen und Tiere stören bzw. Pflanzen zerstören. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich der Veranstalter in der Pflicht sehen würde, die Teilnehmer darauf hinzuweisen, dass die Natur zu achten ist. Indoor ist nunmal nicht Outdoor.

13 Kommentare zu “Indoor Trailrunning – ein Widerspruch in sich?

  1. Eddy

    Hallo Christian, auch mir erschließt sich nicht, warum ein Trail jetzt in eine Halle verlegt werden soll – wenn man die kommerziellen Aspekte nicht berücksichtigt. Erstens werde ich bei solchen Veranstaltungen nicht teilnehmen, und zweitens auch nicht zusehen…

  2. Markus

    Hallo, ich verstehe eure Einwände, auch mir geht dieser Hype ums Trailrunning etwas auf die Nerven… meine „Haus-Laufstrecken“ führen hier alle durch Wiesen, Wald, Straßen, unbefestigte Wege etc…
    Ich werde aber trotzdem mit einer kleinen Gruppe von Läufern teilnehmen, wir sehen so ein Event eher als Spaßlauf in einer Tradition wie den Urbanathlon oder den Strongman. Ich gebe euch aber recht, das der Name „Trail“ für ein Hallenevent ziemlich unglücklich gewählt ist und wohl eher als Marketinggag zu verstehen ist…

  3. Markus

    Servus Christian.
    Namen sind doch Schall und Rauch. Egal wie du das ganze nennst, sieh doch den Spaß an der Sache. Sicher hast du Recht, wenn du sagst, dass die Umweltfaktoren nicht 100% ökologisch betrachtet werden. Allerdings habe ich auh stark meinen Zweifel daran, dass sich jeder „Trailrunner“ immer an die Regeln hält. Ich befürchte hier ein Abrutschen in die Richtung „Querfeldeinläufer“ nach dem Motto „Härter, matschiger, wilder“.
    Was Trailrunning für jeden Einzelnen ist, muss schlussendlich jeder für sich selbst beschließen. Für mich ist es schlicht und einfach: Laufen abseits der Straße. Obwohl ich auch extra als Trailrunningschuhe bezeichnete Schuhe besitze, kann man dort auch gut mit den normalen Schuhen laufen. Unterschied: Die Trailrunningschuhe haben einfach mehr Profil, was natürlich im Matsch auch schnell zum Nachteil werden kann. Was ich auch feststellen konnte, ist, dass die Mischung des Kunststoffes anscheinend doch irgendwie anders ist. Irgendwie weniger rutschig…
    Mir persönlich gefällt die Idee des „ECCO Indor Trails“. Aber ich sehe auch nicht unbedingt die Notwendigkeit dabei zu sein, da ich eine solche Strecke auch vor der Haustüre habe. Wer ein wenig die Augen aufmacht findet solche Strecken auch vor seiner Tür. Solange man dann auf Wegen bleibt finde ich die Sache einfach ok.

  4. Martin

    Mir geht es exakt wie dir, sinnlose Energieverschwendung für den Versuch einen weiteren Kommerzkanal für Läufer zu erschliessen.
    Bleibt zu hoffen, dass dies nicht gelingt.
    Danke für deinen guten Beträge

  5. Maria

    Ich sehe das Ganze auch sehr zwiegespalten… einerseits hört es sich nach einem Lauf mit Spaß und Herausforderung an, andererseits ist es doch recht seltsam einen „Trail“ in einer Halle zu laufen… Ich denke, ich würde es auch ausprobieren, wenn die Halle in der Nähe wäre – allerdings nicht mit dem Gedanken einen Trail zu laufen, sondern eher spielen zu gehen 😉

  6. Rarámuri

    Was ist das Problem. Hunderte von Läufern haben beim Strongman-Run teilgenommen, bei dem ebenfalls künstliche Hindernisse erstellt wurden. Diesen Lauf hätte man, mit guter Streckplanung, sicherlich auch mit natürlichen Hindernissen auf die Beine stellen können, ohne unnötigen CO²-Ausstoß.

    Und wie schon in anderen Beiträgen gesagt, was zu Geld gemacht werden kann, wird zu Geld gemacht. Würdest Du als Unternehmer genauso machen und immer wieder neue Möglichkeiten suchen Geld zu verdienen.

    Und Deine Anspielung zum TRAIl-Magazin finde ich ebenfalls nicht passend. Persönlich finde ich dieses Magazin gelungen und endlich mal eine Abwechslung im Markt der Laufmagazine.

  7. Brennr Autor des Beitrags

    @Eddy: Tja, die kommerziellen Aspekte sind wohl ausschlaggebend. Anders kann iche s mir auch nicht erklären.

    @Markus: Du musst Dich für Deine Teilnahme nicht rechtfertigen. Ist absolut ok. Ich wollte niemanden damit ein schlechtes Gewissen machen. Mir geht es auch hauptsächlich um die Bezeichnung „Trail“.

    @Markus: Ich sehe schon den Spaß an der Sache. Für manche mag das sicherlich sehr reizvoll sein. Auch ich habe ja am StrongmanRun teilgenommen. Allerdings verstehe ich unter „abseits der Straße“ nicht „in der Halle“. Wie Du sagst, Augen aufmachen hilft.

    @Martin: Es scheint gelungen zu sein. Zumindest spricht der Veranstalter bereits von einer Neuauflage in 2013.

    @Maria: Da denken wir recht ähnlich. 🙂

    @Rarámuri: Der Vergleich mit dem StrongmanRun liegt auf dem ersten Blick nahe. Auf dem zweiten Blick gesehen, hinkt dieser Vergleich jedoch ein wenig.
    1. Der StrongmanRun findet im Freien statt.
    2. Die Hindernisse waren (in Weeze zumindest) größtenteils bereits vorhanden (Hangar, Baggersee, Schlammlöcher, Sandberg,..).
    3. Der StrongmanRun bezeichnet sich nicht als Trailrun, sondern als harter Spaßlauf.
    Die Kommerzialisierung ist das eine, der Missbrauch von Bezeichnungen jedoch das andere.
    Mag sein, dass das Trail-Magazin inhaltlich gelungen ist. Gegensätzliches habe ich auch nicht behauptet. Was ich nur etwas widersprüchlich finde, ist die Aufmachung. Unter Trail verstehe ich Natur bzw. Naturverbundenheit. Dickes Hochglanzpapier wie bei Mode- und Klatschzeitschriften finde da irgendwie sehr unpassend.

  8. Rarámuri

    Ok Christian, mit Deiner Argumentation hast Du recht. Aber wie bereits erwähnt, wird immer alles missbraucht und ausgeschlachtet, was das dem Geldverdienen dient.

    Zum Beispiel beim Barfusslaufen. Es gibt keine ‚Barfussschuhe‘, wie auch, entweder Barfuss oder mit Schuhen. Das habe ich auch erst später realisiert, als ich mich mehr mit dem Thema beschäftigt hatte. Doch mit dem Begriff Barfussschuh verkauft der Hersteller mehr und besser als mit dem Begriff ‚Minimalschuh‘.

    Unser fachgesimpel ob nun ein Begriff so genutzt werden sollte oder nicht, ist im Bezug auf Sport und Spass mehr Zeit- und Energieverschwendung. es gibt sicherlich genug Themen – auch im Sport – die es Wert sind diskutiert zu werden.

  9. Brennr Autor des Beitrags

    @Daddi: Schau Dir bitte den Kommentar 7 (von mir) an, was ich Rarámuri bzgl. Vergleich mit StrongmanRun geantwortet habe. Man kann die beiden Veranstaltungen nicht einfach so gleichstellen, denn da gibt es schon einige Unterschiede. Vor allem das, was ich am IndoorTrail kritisiere.

  10. Marco

    Da sieht man mal wieder das die offene Wahrheit oder Meinung eines einzelnen nicht gefragtb ist.
    Warum wird Christian hier teilweise angegangen wenn er seine Meinung schreibt.
    Ich verstehe das nicht mehr.
    Am eigenen Leib erfahre ich gerade das die offene Meinung nicht gefragt ist, schon garnicht wenn man gegen etwas was in der breiten Öffentlichkeit Sympatie findet schreibt.
    Bleib wie du bist und schreib weiter deine Meinung Chriastian.
    So liebe ich den Blog hier.

    LG
    Marco

  11. E. Laub

    Ich finde diese Veranstaltung super Geil und echt mal etwas gelungends.
    Natürlich müssen einige gewisse Spassbremsen wie Christian erst mal alles runter machen, das liegt in ihrer Natur.
    Die ganzen Begründungen die er hier anbringt sind doch nur an den Haaren herbei gezogen und interessiert auch keinen echten Läufer weil auch nix mit dem Laufsport zu tun hat.

  12. Brennr Autor des Beitrags

    @Marco: Danke Marco, werde ich machen. 🙂

    @E. Laub: Wieso bin ich eine Spaßbremse, wenn ich die Veranstaltung aus einem anderen Blickwinkel betrachte? Für mich ist es nunmal ein wenig paradox, dass die Natur in die Halle geholt wird und es dann auch noch Trailrunning genannt wird. Wenn ich über Stock und Stein laufen möchte, dann gehe ich in die Natur. Dort ist bereits alles vorhanden. Stattdessen wird ein unökologischer Aufwand betrieben, nur um mit dem Trend Geld zu verdienen. Ich habe von einer Laufveranstaltung gehört, die zum Ausgleich der CO2-Bilanz Bäume pflanzen möchte. Dies wäre doch auch für den IndoorTrail eine Überlegung wert, oder? Allerdings wäre dann der Gewinn für die Veranstalter nicht mehr so hoch… Ich möchte keinem den Spaß nehmen, sondern möchte nur das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zeigen und zum Nachdenken bzgl. der Sinnhaftigkeit anregen. Von mir aus kannst Du gerne nächstes Mal wieder daran teilnehmen. Ich verurteile Dich deswegen nicht. Mein Appell richtet sich in erster Linie an die Veranstalter.

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