Orthopädisch-biomechanische Funktionsdiagnostik

LaufstilanalyseVor fast exakt drei Jahren hatte ich davon berichtet, dass im Rahmen des Nike Running Media Events am Institut für Biomechanik und Orthopädie an der DSHS Köln eine Funktionsdiagnostik an mir vorgenommen wurde. Die Ergebnisse wollte ich zeitnah präsentieren, was ich jedoch vergessen hatte. Zufällig stieß ich nun auf meinem Rechner auf diese Daten, welche ich nun nachreiche.

Da an allen Teilnehmern eine Diagostik durchgeführt wurde, war die Zeit begrenzt und man konnte nicht ins Detail gehen bzw. Messungen wiederholen. Dennoch fühlte ich mich in diesem Moment wie ein Spitzenläufer, bei dem Wissenschaftler das Optimum herausholen möchten.

Dynamische Druckverteilungsmessung
dynamische DruckverteilungsmessungZunächst musste ich über eine räumlich und zeitlich hoch auflösenden Drucksensorplattform (1-4 Sensoren/cm², 100-400Hz) gehen. Diese zeichnete die Druckverteilung meines Fußes bei der gehenden Abrollbewegung auf. „Da sich der Fuß in der Dynamik aufgrund der muskulären Sicherung anders verhält als im Stand, ist diese Messung statischen Untersuchungen deutlich überlegen. Es werden Druck und Druckverteilung unter dem Fuß, die Funktion der einzelnen Fußsegmente, zeitliche und geometrische Parameter, sowie der Verlauf der Ganglinie beurteilt. Die Daten können zur Anfertigung individueller Einlagen herangezogen werden.“ (Quelle: IBO)

Hochgeschwindikeits-Videographie mit elektronischer Rückfußvermessung
Anschließend lief ich barfuß auf dem Laufband, wobei ich gefilmt wurde. Allerdings nicht mit normalen Kameras. „Mit zeitlich hoch auflösenden Videokameras (100-1000 Bilder/s) können im Vergleich zu einer normalen Videoaufnahme (25 Bilder/s) Bewegungen im Gehen und Laufen qualitativ sehr genau beurteilt werden. Der Stützkontakt eines Fußes im Lauf dauert ca. 300ms, so dass bei einer normalen Videoaufnahme nur ca. 8 Einzelbilder zur Verfügung stehen. Es werden die Bewegungen des Beckens, der Hüft-, Knie- und Sprunggelenke und des Fußes zweidimensional beurteilt.“ (Quelle: IBO)

3D-Fußscan
3D-FußscanDanach wurden meine Füße dreidimensional eingescannt. Hierzu musste ich barfuß in einem Kasten stehen, in dem der Scan durchgeführt wurde. „Der 3D-Oberflächenscan für den Fuß und Unterschenkel mit 12 hoch auflösenden Videokameras und 6 Lasern ermöglicht die dreidimensionale Rekonstruktion der gesamten Fußoberfläche, die Vermessung des Fußes und die Analyse der Fußform im belasteten und unbelasteten Zustand. Die Daten liegen digital vor und bilden die Grundlage für die Fertigung individueller Einlagen bis hin zu Schuhleisten.“ (Quelle: IBO)

Es bestand auch noch die Möglichkeit eines Ganzkörper-Scans, dessen Vorbereitung jedoch etwas zu zeitaufwendig gewesen wäre. Schade, wäre interessant gewesen, vor allem bzgl. Körpergeometrie, Körperstatik und Körperhaltung. Andererseits aber auch vielleicht ganz gut so. Problemzonen werden dabei nämlich gnadenlos bloßgestellt und ich wog damals noch 10-15 Kilogramm mehr (wie man im Video gut erkennen kann).

3D-Bewegungsanalyse im Gehen/Laufen
3D-BewegungsanalyseAbschluss der Laufstilanalyse war das Scannen meines Laufstils mit Lasern. Hierfür bekam ich an den Beinen und Füßen kleine Kugeln angeklebt, die das Laserlicht reflektierten. „Mit 12 räumlich und zeitlich hoch auflösenden Infrarot-Kameras (500 Bilder/s) und zwei in den Laborboden integrierten Kraftmessplattformen werden die Bewegungen der unteren Extremität im Gehen/Laufen dreidimensional quantifiziert. Erst die Verbindung von kinematischen (Gelenkwinkel) und kinetischen Daten (Gelenkmomente, Kräfte) macht es möglich, Belastungen an den Hüft-, Knie- und Sprunggelenken abzuschätzen und die dynamische Beinachse zu beurteilen. Der Proband wird mit retroreflektierenden Markern ausgestattet und anthropometrisch vermessen. Es können Asymmetrien und Normabweichungen in der Bewegung sowie verschiedene Bedingungen wie z.B. barfuß vs. Schuh, Schuh A vs. Schuh B oder auch die Wirkung von orthopädischen Hilfsmitteln wie z.B. Einlagen analysiert werden. Die Analyse kann durch eine Diagnostik der Muskelaktivität ausgewählter Muskeln der unteren Extremität mittels Oberflächen-Elektromyographie (EMG) erweitert werden.“ (Quelle: IBO)

Fazit:
Die durchgeführte Funktionsdiagnostik war super interessant und machte richtig Spaß. Für eine Auswertung der Ergebnisse blieb leider keine Zeit, so dass ich mit den Daten nicht all zu viel anzufangen weiß. Dennoch fand ich es klasse mal einen Einblick zu bekommen, wie Profisportler analysiert werden, um ihren Bewegungsablauf zu optimieren. Ich bin überzeugt, dass man dadurch einiges rausholen kann.

2 Kommentare zu “Orthopädisch-biomechanische Funktionsdiagnostik

  1. Laufhannes

    Klingt vom Ansatz richtig spannend. Schade natürlich, dass die Auswertung fehlt. Ich frage mich aber vor allem, ob man bei einer solchen Analyse wirklich tiefgreifende Erkenntnisse macht.

    Das Ausmessen für Einlagen ist natürlich schön, falls man welche braucht. Aber ansonsten? Eine Laufstilanalyse sollte ein guter Trainer auch mit dem Auge machen können. Selbstverständlich nicht in dieser Detailliertheit, aber bringt die einem wirklich etwas?

  2. Chris

    …ja, das ist dann wirklich die Gretchenfrage: Bringt einem das weiter? Viele Bildchen, viele Grafiken, die auf dem Compi vergessen werden. Sicher allemal interessant, was man so alles messen kann! :mrgreen:

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