Erfahrungsbericht: Leistungsdiagnostik

Leistungsdiagnostik - Spiroergometrie & LaktatmessungIch laufe mittlerweile seit über fünf Jahren und eine Leistungsdiagnostik hat mich schon immer interessiert. Man hört und liest viel davon. Doch macht sie auch Sinn? Bringt sie tatsächlich etwas? Dies wollte ich besonders im Hinblick auf meinen geplanten Marathon persönlich in Erfahrung bringen und habe dann im Frühjahr eine Spiroergometrie und Laktatmessung an mir vornehmen lassen. Die Erlebnisse möchte ich nun zusammen mit den Ergebnissen präsentieren, die ich inzwischen auch eine Weile in der Praxis anwenden konnte. Zudem habe ich auch meine Zielzeit für den Marathon danach ausgerichtet und dementsprechend trainiert.

Welcher Anbieter?
Zunächst musste ich in Erfahrung bringen, wo man so etwas machen lassen kann. Anbieter gibt es einige, vor allem für die normale Laktatmessung. Doch mich interessierte auch die Spiroergometrie und so schränkte sich die Auswahl deutlich ein. Hinzu kam, dass ich die Untersuchung auf einem Laufband vornehmen lassen wollte und nicht auf einem Fahrrrad. Dies war mir wichtig. Es blieben somit nicht mehr all zu viele Anbieter übrig. Einer von ihnen war eine Gemeinschaftspraxis für Kardiologie in Heidelberg. Diese bieten zusätzlich eine sportkardiologische Untersuchung an. Ich schaute mir deren Interpräsenz (www.sportkardio.de) an und die Lebensläufe der Ärzte. Dies wirkte auf mich alles sehr seriös und kompetent, sodass ich mich für diesen Anbieter entschied.

Vorgespräch
Bereits bei der Terminplanung wurde ich gefragt, ob ich zur Zeit irgendwelche Medikamente einnehme oder ob Herzerkrankungen in der Familie bekannt seien. Glücklicherweise konnte ich einen Termin an dem Tag ausmachen, an dem ich Urlaub hatte. Somit hatte ich im Vorfeld keinen Stress, was laut Dr. Suska wichtig für die Untersuchung sei. Außerdem sollte ich einen Tag zuvor nicht trainieren, damit ich ausgeruht bin. Herr Dr. Suska nahm sich sehr viel Zeit und erklärte mir, was der Sinn einer Leistungsdianostik ist und worin der Unterschied zwischen Spiroergometrie und Laktatmessung besteht (hierzu später mehr). Er fragte zudem meinen aktuellen Leistungszustand (wie oft ich trainiere und welche Zeiten ich gelaufen bin) ab und wollte von mir wissen, welche sportlichen Ziele ich für dieses Jahr habe und mit welcher Absicht ich die Leistungsdiagnostik machen möchte (Leistungs-Check, Trainingsoptimierung, Analyse Leistungsschwankungen,..). Dies beantwortete ich ganz klar mit Trainingsoptimierung. Anschließend unterhielten wir uns über eventuelle Herzerkrankungen in meiner Familie, um die Risiken für die Untersuchung abzuklären. Nachdem alles besprochen war und meine offenen Fragen ausführlich beantwortet wurden, stand zunächst ein Ruhe-EGK an.

Ruhe-EKG
Leistungsdiagnostik - Ruhe-EKGIn einem kleinen Behandlungsraum musste ich mich oberkörperfrei auf eine Liege legen und bekam mehrere kleine Pads für die Messung angelegt. Die Ermittlungs des Ruhepulses nimmt man normalerweise morgens im Bett direkt nach dem Aufwachen vor, da noch keine Belastung stattgefunden hat. Mittels Garmin-Uhr und Pulsgurt kam ich schon öfter auf 34-36 bpm, was schon verdammt niedrig ist. Beim Ruhe-EKG war ich zwar nicht völlig ausgeruht, dennoch kam mit 40 bpm ein erstaunlich guter Wert heraus. Herr Dr. Suska war auch mit den restlichen Werten zufrieden, sodass wir nun zur eigentlichen Leistungsdiagnostik voranschreiten konnten.

Spiroergometrie / Laktatmessung
Hierzu mussten wir ein paar Etagen im Ärzte-Gebäude hoch, aber zum Glück gab es einen Fahrstuhl. Dies ist nicht unwichtig, damit die Werte aufgrund der Belastung durch das Treppensteigen nicht verfälscht werden. Bevor es dann losging, musste ich noch eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass der Arzt nicht für eventuelle Schäden haftet. Das ist aber ganz normal. Herr Dr. Suska erklärte mir dann, dass der Vorteil der Spiroergometrie ist, dass man auf diese Weise unerklärliche Leistungsschwankungen gut ausfindig machen kann, sowie den optimalen Fettverbrennungsbereich ermitteln kann. Die Laktatmessung würde im Hinblick auf eine reine Trainingsoptimierung meist ausreichen. Es ist jedoch zu beachten, dass beide Methoden einen gewissen Toleranzbereich haben, was die Messgenauigkeit betrifft. Wichtig ist jedoch, dass ein Läufer die Diagnostik auf dem Laufband durchführen sollte, da die Belastung auf dem Fahrrad eine andere ist. Zwar wäre ein Feldtest (im Freien, z.B. auf der Laufbahn) eventuell noch besser, doch dies ist nicht immer praktikabel.
Leistungsdiagnostik - Sensoren anlegenIn einer kleinen Umkleidekabine zog ich mich um. Anschließend bekam ich für die Messung auf Brust und Rücken kleine Saugnäpfe mit Kabeln angebracht. Als letztes war die Maske für die Atemgasmessung dran. Hierfür gab es verschiedene Aufsätze, denn diese muss optimal passen, damit sie dicht bleibt und somit korrekt die Daten erfassen kann. Als erstes musste ich einen kurzen Hyperventilationstest machen. Danach erklärte mir Herr Dr. Suska noch kurz den Ablauf (Steigerung der Geschwindigkeit alle drei Minuten um 2 km/h), piekste mir noch in den Finger für die Laktatmessung und gab mir einen kleinen Tupfer mit Heparin, den ich auf die Stelle drücken sollte. Anschließend ging es los.
Das Laufband setzte sich bei 1,5% Steigung (um u.a. den fehlenden Fahrtwind zu simulieren) zunächst mit 6 km/h in Bewegung, die ich logischerweise ging. Nach drei Minuten stoppte das Band und Herr Dr. Suska entnahm einen Tropfen Blut für die Laktatmessung. Gleich darauf ging es mit 8 km/h weiter. Bis 12 km/h war das alles kein Problem. Auch mit der Maske kam ich bis dahin gut klar, obwohl ich zuvor Bedenken hatte, dass ich eventuell Panik bekommen könnte. Die fünfte Stufe mit 14 km/h war zwar dann schon etwas knackiger, aber nicht die Geschwindigkeit, sondern das Atmen durch die Maske bereitete mir ein wenig Probleme. Ich musste mich konzentrieren.
Leistungsdiagnostik - EndeDie nächste Stufe war dann übel. Ganze drei Minuten bei 16 km/h. Hier spürte ich auch deutlich die eingestellte Steigung am Laufband, welche ich als ein wenig zu viel für einen Ausgleich zum Laufen im Freien empfand. Vielleicht fiel es mir auch einfach schwer, das Tempo zu halten. Herr Dr. Suska feuerte mich an und beobachtete parallel meinen Laufstil. Ich wollte die drei Minuten packen, wobei ich jederzeit hätte abbrechen können. Das Atmen unter der Maske fiel mir schwer und mir wurde langsam schwindelig. Dann waren die drei Minuten endlich vorbei und ich hätte mir am liebsten die Maske vom Gesicht gerissen. Zunächst musste jedoch das Laktat gemessen werden. Als nächstes wären 18 km/h dran gewesen, aber Herr Dr. Suska meinte, dass dies nicht nötig wäre. Alles weitere wäre jetzt nur noch „aus Spaß“. Ob ich die drei Minuten gepackt hätte, weiß ich nicht. Ich bezweifle es jedoch. Er nahm mir die Maske ab und ich pumpte wie ein Maikäfer. Gegen Ende der drei Minuten bei 16 km/h wurde ich doch ein wenig panisch. Die Maske war dann plötzlich beengend und unangenehm. Egal, ich hatte es überstanden. Ich bekam eine Flasche Wasser und ein Handtuch. Nachdem ich mich wieder erholt hatte, gingen wir in den angrenzenden Raum, um die Ergebnisse zu besprechen.

Auswertung & Nachgespräch
Leistungsdiagnostik - Auswertung & NachbesprechungHerr Dr. Suska druckte zunächst die Ergebnisse bzw. Daten aus. Anschließend erstellte er mit einem speziellen Lineal manuell die Verlaufskurven. Dabei wurde anhand der Laktatkonzentration die 4 mmol/l Grenze ermittelt, besser bekannt als anaerobe Schwelle. Diese liegt bei mir bei 12,3 km/h bzw. 157 bpm. Meine individuelle anaeroben Schwelle (IANS) liegt bei 12 km/h bzw. 155 bpm und 3,7 mmol/l. Dies ist laut Herrn Dr. Suska meine realistische Marathongeschwindigkeit, was sich auch mit den Marathonzeitrechnern deckt, die auf Basis meiner aktuellen 10km- und HM-Zeiten ein maximal mögliches Durchschnittstempo von 5 min/km vorhersagen.
Etwas überraschend fand ich das Ergebnis meines Maximalpulses, denn dieser liegt bei gerade einmal 170 bpm. Zwar hatte ich einen solch relativ niedrigen Wert bereits vermutet, aber es schien mir doch ungewöhnlich. Ein gutes Beispiel, dass die Faustformel „225 minus Alter“ sehr pauschal ist und in manchen Fällen (wie z.B. bei mir) nicht einmal ansatzweise zutrifft.
Das maximale Atemvolumen im Hyperventilationstest beträgt 229 l/min, was 144% des Soll-Wertes entspricht. Meine Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max) liegt bei 4,7 l/min bzw. 54 ml/kg/min und mein maximales Atemminutenvolumen bei 168 l/min. Diese sind auf mein Geschlecht, Alter und Gewicht bezogen überdurchschnittlich gute Werte. Der Respiatorische Quotient lag bei 1,21. Das bedeutet, dass ich beim Test meinen Körper bis zur aktuell individuellen Leistungsgrenze führen konnte.
Auf Basis dieser Werte bekam ich von Herrn Dr. Suska die empfohlenen Trainingsbereiche genannt. Diese unterteilte er in extensiver, intensiver und hochintensiver Dauerlauf. Als Orientierung bekam ich sowohl die Pulswerte, als auch das Tempo, wonach ich fortan effizient trainieren konnte.

Fazit:
Die Leistungsdiagnostik war nicht nur eine spannende Sache, sondern lieferte auch hilfreiche Daten, um das Lauftraining optimal zu gestalten. Man sollte sich jedoch ein wenig mit der Materie auseinandersetzen, damit man die Ergebnisse auch verstehen kann. Hierzu bekam ich von Herrn Dr. Suska das Buch „Ausdauertraining mit System“, was eigentlich alle Fragen auf verständliche Weise beantwortet. Ok, die Kosten für eine Leistungsdiagnostik sind erst einmal etwas abschreckend, aber laut Herrn Dr. Suska ist eine (teure) Spiroergometrie nicht immer zwingend erforderlich. Diese macht meist Sinn, wenn man im Training keine Fortschritte macht oder gesundheitliche Probleme vermutet und diese aufspüren möchte. Im Normalfall reicht daher eine Laktatmessung völlig aus. Und dies ist nicht nur für ambitionierte Läufer interessant, sondern gerade auch für Laufanfänger, damit diese ihre individuellen Trainingsbereiche kennen. Damit trainiert man nicht nur effizienter und macht schneller Fortschritte, sondern beugt auch Verletzungen aufgrund einer Überbelastung vor. So oder so ist eine Leistungsdiagnostik eine sinnvolle Sache. Und wer aus dem Rhein-Neckar-Kreis kommt, dem kann ich Sportkardio Heidelberg nur empfehlen, da die Ärzte sehr kompetent und freundlich sind.

Bilder:

3 Kommentare zu “Erfahrungsbericht: Leistungsdiagnostik

  1. Andreas

    Ich habe vor einigen Jahren auch mal eine Leistungsdiagnostik inkl. Spiroergometrie machen lassen und kann deine Einschätzung bestätigen: Es ist wirklich sehr sinnvoll für (ambitionierte) Läufer, solch eine Untersuchung machen zu lassen. Zum einen, um Werte für das optimale Training zu bekommen und zum anderen, um Gesundheitsrisiken auszuschließen.

    Witziges Detail am Rande: Deine Werte sind nahezu deckungsgleich mit meinen 😀

  2. Din

    Das erinnert mich daran, dass ich auch seit einiger Zeit eine machen lassen wollte. Ich habe aber meine Spiroergometrie in nicht sonderlich guter Erinnerung. Bei mir ist auch diese Maske das Problem. Kommt mir vor, als würde ich einen Asthmaanfall bekommen… Aber es ist trotzdem super interessant, so dann auch anschließend seine Trainingspläne zu erstellen. Meinen zweiten Marathon konnte ich so vor Jahren unglaublich locker laufen und mich auch ordentlich verbessern. Vielleicht sollte ich es nun echt noch einmal probieren.

  3. Daniel

    Hi Christian,

    sehr gut beschrieben. Ähnlich erging es mir auch, kann leider nicht mehr laufen wegen dem Knie. Von daher geht „nur“ noch Rad. Zum Thema von oben „Welcher Anbieter?“ habe ich mal die Tage auf meinem Blog eine aktuelle Übersicht der Institute in Deutschland erstellt. Wer, was und vor allem wo…
    http://www.speed-ville.de/uebersicht-leistungsdiagnostik-bikefitting-institute/

    Die machen die Diagnostiken grdsl. für Läufer (Marathon, HM etc), Radfahrer und Triathleten…

    Ggf. eine gute Ergänzung zum Artikel..

    Beste Grüße,
    Daniel

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