Apr 25

Saucony ProGrid Mirage 3 (Quelle: saucony.de)Den Saucony ProGrid Mirage hatte ich schon lange im Visier. Bereits die beiden Vorgängerversionen ließen jedes Mal meine Füße kribbeln, wenn ich sie im Laden in der Hand hatte. Die Vorschusslorbeeren waren enorm, denn ich hatte nur Positives von diesem leicht gestützten Lightweight-Schuh gehört. Nun durften meine Füße endlich ihre eigenen Erfahrungen machen, daher war die Vorfreude groß.

Design
Saucony ProGrid Mirage 3Ich öffne den Schuhkarton und sofort sticht die auffällige Farbkombination ins Auge. Weiße Zwischensohle, knallrotes Obermaterial mit schwarzen Klebestreifen und als i-Tüpfelchen neongelbe Schnürsenkel. Dezent ist anders, aber wer will das schon? Ein schneller Schuh muss auch schnell aussehen. Und der Mirage 3 verspricht dahingehend einiges. Wer es dezenter mag, es gibt ihn auch noch in weiß/blau.

Gewicht
Die Optik reicht natürlich nicht aus, damit ein Schuh schnell ist. Ein geringes Gewicht ist hierfür dagegen unabdingbar, zumal sich der Mirage 3 in die Kategorie „Lightweight“ einordnet. Doch auch in diesem Punkt gibt er sich keine Blöße. Im Vergleich zum Großteil der Konkurrenz wiegt der Mirage 3 deutlich weniger (247 g bei US 9). Das liegt einerseits am geringen Gewicht der Zwischensohle (ProGrid LITE), andererseits aber auch an der speziellen Pronationsstütze. Anstatt härteres und somit auch schwereres Zwischensohlenmaterial zu verwenden, kommt eine leichte „Brücke“ (Supportive TPU Arc) zum Einsatz, wodurch einige Gramm eingespart wurden. Auch die Klebestreifen (FlexFilm) sorgen für eine Gewichtsoptimierung, da weniger Material verarbeitet werden musste. Das alles macht den Mirage 3 angenehm leicht, was man sofort spürt, wenn man ihn an hat.

Passform
Saucony ProGrid Mirage 3Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich die Passform. Ein Laufschuh muss passen, man muss sich darin wohlfühlen. Fehlender Halt oder störende Nähte sind alles andere als förderlich, um sich auf den Lauf konzentrieren zu können. Doch der Mirage hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Ferse wird vom leicht gepolsterten Innenmaterial (HydroFlow) gut umschlossen, ohne zu drücken. Selbst bei hohem Tempo rutscht hier nichts. Auch der Mittelfuß hat einen guten Halt. Die Klebestreifen (FlexFilm) auf dem Obermaterial unterstützen dies. Lediglich im Zehenbereich fühle ich mich nicht 100%ig wohl. Ich muss etwas enger schnüren, um festen Halt zu haben. Dies führt allerdings dazu, dass das Obermaterial an manchen Stellen Falten schlägt und leicht auf den Fuß drückt. Dies hat wahrscheinlich individuelle Gründe, denn meine Füße sind unterschiedlich groß und ich muss mich bei der Größenwahl am größeren Fuß orientieren. Hinzu kommt, dass die Hersteller ab US 13 keine halben Größen mehr anbieten. So muss ich US 14 wählen, obwohl für den größeren Fuß US 13.5 ausreichend wäre. Dadurch fühlt sich der kleinere Fuß (US 13) im Schuh ein wenig verloren. Da dies aber wohl ein individuelles Problem ist, muss das nicht unbedingt ein Kritikpunkt am Schuh an sich sein. Dennoch hatte ich schon Laufschuhe an, bei denen die Passform im Vorfußbereich besser war.

Sprengung / Dynamik / Dämpfung
Kommen wir nun zu den wichtigsten Punkten, die einen Laufschuh schnell machen. Zum einen wäre da die Sprengung (Höhenunterschied der Sohle zwischen Ferse und Vorfuß), die beim Mirage 3 mit 4mm sehr gering ist. Dadurch wird der Fuß „gezwungen“, weniger mit der Ferse aufzukommen, wodurch der Abrollvorgang dynamischer wird. Unterstützt wird das Ganze noch durch eine relativ straffe Dämpfung, die nicht zu viel Energie schluckt. Allerdings könnte sie für manche zu wenig komfortabel bzw. zu hart sein. Mit meinen 86 Kg zähle ich zu den schweren Läufern und für mich kommt der Mirage 3 daher maximal bis zur Halbmarathondistanz in Frage. Leichtere Läufer oder Mittel- bzw. Vorfußläufer können dagegen auch einen Marathon damit angehen. Aufgrund der straffen Dämpfung erhält der Fuß viel Feedback von der Straße, was einem auch das Gefühl gibt, schnell zu sein.

Stabilität
Saucony ProGrid Mirage 3Wie anfangs erwähnt, gehört der Mirage 3 zu den leicht gestützten Lightweight-Schuhen. Die in der Mittelsohle eingebaute „Brücke“ stützt bei Bedarf den Fuß. Sie verhält sich recht unauffällig, wodurch der Mirage 3 auch für Normalpronierer in Frage kommt. Wird die Fußmuskulatur jedoch bei zunehmender Laufdauer müde, verhindert die Brücke das Einknicken nach innen. Im Vergleich z.B. zum Asics DS-Trainer oder Adidas Tempo bietet der Mirage 3 jedoch etwas weniger Stützfunktionalität.

Außensohle
Der Saucony ProGrid Mirage 3 ist für die Straße gemacht. Der Aufbau der Außensohle bestätigt dies. Keine groben Elemente, sondern alles flach gehalten und mit abriebfestem Karbongummi (XT-900) versehen. Auf Asphalt hat der Schuh einen super Grip, doch auf Schotter kann man beim Abstoßen schon mal ein wenig wegrutschen.

Fazit
Saucony ProGrid Mirage 3Der Saucony ProGrid Mirage 3 konnte meine hohen Erwartungen zum Großteil erfüllen. Er ist ein schneller, leichter, dynamischer Schuh, der auf der Straße das Tempo liebt. Bei zunehmender Distanz bietet er zudem eine dezente Stabilität, sofern nötig. Die straffe Dämpfung macht den Mirage 3 zwar dynamisch und direkt, allerdings ein wenig auf Kosten des Komforts. Mittelschwere bis Schwere Läufer sollten sich dessen bewusst sein. Wenn man ihn jedoch richtig einordnet und auf der jeweils geeigneten Distanz einsetzt, kann man mit dem Mirage viel Spaß haben und ordentlich Tempo machen. Lediglich die Passform im Vorfußbereich ist mir negativ aufgefallen. Für mich persönlich oben etwas zu weit. Aber das kann von Fuß zu Fuß ganz anders aussehen und einen Laufschuh sollte man eh nicht blind kaufen. Preislich befindet sich der Mirage für einen guten Lightweight-Schuh mit 125€ noch im normalen Bereich.

Test: Saucony ProGrid Mirage 3
1 Stimme, 5.00 durchschnittliche Bewertung (91% Ergebnis)

7 Kommentare zu “Test: Saucony ProGrid Mirage 3”

  1. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Jan schreibt:Reply to this comment

    Hallo Christian,
    mal wieder ein toller Testbericht, danke dafür!

    Der Mirage 3 steht auch ganz weit oben auf meiner (Geburtstags)Wunschliste. Momentan laufe ich allerdings noch den Vorgänger. Ein Schuh zum verlieben. Ich komme ausgezeichnet mit ihm zurecht und es macht einfach Spaß ihn zu laufen. Bei mir sitzt er auch im Vorfußbereich perfekt, sodass er für mich zu DEM Trainings- / Wettkampfschuh wird.

    Ich werde mit dem Mirage am Sonntag beim Hermannslauf starten. Mal sehen wie es meinen Füßen nach den 31km geht. Die ersten Trainingsläufe (<25km) habe ich allerdings unbeschadet überstanden. Naja, man wird es sehen ;-)

    Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich den 3er auch endlich laufen kann :-)

    schöne Grüße
    Jan

  2. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Chris schreibt:Reply to this comment

    Bin heute den Mirage bei einem Intervall-Training gelaufen. Ist ein toller Schuh, besonders auf Asphalt spielt er seine Trümpfe aus. Passform perfekt. Leichte Finken. Eben – um schnell zu laufen.
    Wer aber nur immer Laufschuhe mit grosser Sprengung läuft, muss mit dem Mirage vorsichtig trainieren. Die 4mm sind fast nichts mehr… Aber eben toll zu laufen. :mrgreen:

  3. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Brennr schreibt:Reply to this comment

    @Jan: Die Sache mit der Passform ist natürlich subjektiv. Schön, dass Dir der Vorgänger so gut passt. Und, wie war der Hermannslauf?

    @Chris: Oh ja, die geringe Sprengung darf man nicht unterschätzen. Da muss man sich vorsichtig herantasten, wenn die Füße das nicht gewohnt sind. Aber es lohnt sich.

  4. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Ruben schreibt:Reply to this comment

    Also wir beide sind beinahe in der gleichen Gewichtsklasse und ich habe meinen Mirage auch bei meinem ersten Ultra getragen (54km) und auch das ging ganz gut… von daher wage ich die These, dass auch die den Schuhe bis zur Marathondistanz tragen könntest

  5. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Brennr schreibt:Reply to this comment

    @Ruben: Das kann gut sein. Ist natürlich eine individuelle Sache. Je nachdem, wie gut der Laufstil ist bzw. wie trainiert die Muskulatur und Bänder sind, kommt man mit einer strafferen Dämpfung auch auf langen Distanzen klar.

  6. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Andreas schreibt:Reply to this comment

    Ich laufe immer noch den Vor-Vorgänger (der Vorgänger steht aber schon im Karton bereit), bin aber nach wie vor begeistert!

    Habe den Schuh auch bei einem Halbmarathon getragen, bei einem Marathon wäre ich aber vorsichtig. Ich glaube, da kommt es weniger auf das Gewicht (bin eher leichter) als auf die Füße an (musste meinen „Laufapparat“ schon über mehrere Wochen an den Mirage gewöhnen).

  7. 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Andreas schreibt:Reply to this comment

    Ich habe den Mirage 3 jetzt auch seit ein paar Wochen und komme bestens damit zurecht. Ich hatte bei den ersten Läufen etwas Probleme mit der Stütze, die für meinen Laufstil etwas zu stark ist, aber nach dem Einlaufen ging es dann sehr gut. Den Mirage 2 hatte ich bei meinem ersten Marathon im letzten Jahr im Einsatz und hatte null Probleme. Die geringe Sprengung ist für Fersenläufer sicher etwas heikel. Ich komme nie mit der Ferse auf, insofern hatte ich auch diesbezüglich keinen Stress. Ich habe mir übrigens zeitgleich den Virrata geholt, den ich fast noch besser finde.

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