Test: LED LENSER H7R.2

LED LENSER H7R.2 (Quelle: zweibrueder.com)Der Winter ist die Lieblingsjahreszeit des Schweinehundes. Es ist kalt, nass und dunkel. Die Motivation kann da ganz schnell in den Keller fallen. Für viele bedeutet das unter der Woche, entweder im Dunkeln laufen, ab auf’s Laufband oder gar nicht laufen. Letzteres fällt flach und das Laufband ist nicht jedermanns Sache (sofern sich diese Möglichkeit überhaupt bietet). Doch mit einer guten Stirnlampe kann auch das Laufen bei Nacht richtig Spaß machen.

Mit der Tikka XP² von Petzl habe ich zwar schon einmal ein gutes Einsteigermodell getestet, doch mit der H7R.2 von LED LENSER aus dem Hause „Zweibrüder“ möchte ich nun eine Stirnlampe vorstellen, die vor allem für Läufer gedacht ist, die öfter (und auch bei völliger) Dunkelheit unterwegs sind. Die Daten versprachen im Vorfeld viel, doch wurde sie den Erwartungen gerecht?

Daten
LED: Xtreme Power LED
Gewicht (inkl. Batterie): 165 g
Arbeitstemperaturbereich: -30 bis +50 Grad(°C)
Lichtstrom max. (Power/Boost): 200/300 lm*
Batterien: Lithium Ionen Akku
Energietank: 5,2 Wh**
Leuchtdauer min. (Power): 14 h***
Leuchtdauer max. (Low power): 60 h***
Leuchtweite max. (Boost): 160m*
Spritzwassergeschützt: IPX 4
Smart Light Technologie: SLT 2

* Lichtstrom (Lumen) bzw. maximale Leuchtweite (Meter) gemessen in der jeweiligen, in der Tabelle angegebenen Einstellung beim Einschalten mit vollständig aufgeladenen Akkus (H7R.2) bzw. einem Satz frischer Alkaline- Batterien. Es handelt sich um durchschnittliche Werte, welche im Einzelfall je nach Chip und Batterien/Akkus um +/- 15 % abweichen können.
** Rechnerischer Wert der Kapazität in Wattstunden (Wh). Dieser gilt für die im Auslieferungszustand des jeweiligen Artikels enthaltene(n) Batterien bzw. Akkus in vollständig aufgeladenem Zustand.
*** Durchschnittliche Leuchtdauer in der jeweiligen, in der Tabelle angegebenen Einstellung bis zu einem Lichtstrom von 1 Lumen.

Stromversorgung
LED LENSER H7R.2Die H7R.2 kann sowohl mit dem mitgelieferten Akku-Pack, als auch mit vier handelsüblichen AA-Batterien betrieben werden. Das Aufladen des Akku-Packs erfolgt über eine USB-Schnittstelle am Batteriefach. Ein kompletter Ladevorgang dauert ca. 3-4 Stunden. Ein grünes Licht zeigt an, wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist. Der Betrieb mit dem Akku-Pack ist nicht nur leistungsstärker, sondern auch umweltfreundlicher. Dennoch hat man die Möglichkeit, auf normale Batterien zurückzugreifen, wenn der Akku leer ist und man keine Steckdose zur Verfügung hat oder die Zeit zum Laden nicht vorhanden ist. Der Akku hält allerdings sehr lange.
Die H7R.2 zeigt kurz nach dem Einschalten an, ob die Energiereserven ausreichend sind. Ist dies der Fall, leuchtet der Drehknopf am Batteriefach kurz grün. Leuchtet er rot, sollte man auf Batterien zurückgreifen oder keinen langen Lauf machen. Während des Laufens signalisiert ein ganz kurzes Blinken des Lichtkegels, dass die Stromreserven so langsam zu Ende gehen. Dabei werden die Abstände bis zum erneuten Blinken immer kürzer, bis die Stirnlampe letztendlich aus ist. Tipp: Gleich wieder anmachen, jedoch im Eco-Modus lassen. So ist man nicht völlig blind und man wird zumindest noch gesehen.

Tragekomfort
LED LENSER H7R.2Ich war sehr gespannt, wie sich die H7R.2 trägt, da sich die Leuchteinheit vorne und die Stromversorgung hinten befindet. Auch wenn das Gewicht etwas höher als z.B. das der Tikka XP² von Petzl ist, sorgt die Verteilung dazu, dass sie nicht so kopflastig ist. Auf einer Mütze sitzt sie richtig gut und verrutscht nicht. Selbst bei längeren Läufen musste ich nichts korrigieren. Ohne Mütze ist der Halt jedoch nicht ganz so gut, da das Batteriefach auf der Innenseite keinen Gummi- oder Schaumstoffaufsatz hat (die Lampe vorne dagegen schon). Hinzu kommt, dass das Einstellen des Bandes etwas schwieriger ist, als gedacht. Läufer mit einem großen Kopfumfang haben das Problem, dass die Kabelverbindung zwischen Lampeneinheit und Batteriefach trotz Spiralisierung unter Spannung steht und beim Tragen ohne Mütze gerne mal zum leichten Verrutschen neigt. Kann, muss aber nicht. Insgesamt bin ich jedoch positiv überrascht, was den Tragekomfort betrifft.

Bedienung
LED LENSER H7R.2Die Stirnlampe lässt sich, was die Grundfunktionen betrifft, leicht bedienen. Der Neigungswinkel der Lampe lässt sich mehrstufig verstellen. Ein Klick auf den Knopf oberhalb der Lampe aktiviert den Eco-Modus. Klickt man kurz darauf ein weiteres Mal, erhält man die volle Leuchtkraft (welche kann man am hinteren Drehrad allerdings auch verringern kann). Dieser „Easy-Low“-Modus ist voreingestellt. Es gibt aber auch noch zwei weitere Modi, die man aktivieren kann. Beim „Easy-Power“-Modus ist die Reihenfolge umgekehrt. Beim „Signal“-Modus gibt es nach einmaligem Klicken volle Leuchtkraft und nach dem zweiten Klicken ein Blinklicht (dessen Blinkabstände mit dem Drehrad ändern kann). Durch Drehen des Rings an der Lampe selbst kann man stufenlos zwischen einem breiten Lichtkegel und einem Spot wählen. Anfangs war der Ring etwas schwerfällig, aber mit der Zeit geht es leichter. Drückt man 3 Sekunden auf den Knopf, erhält man kurzzeitig den Boost-Modus, welcher sich auch wieder von alleine deaktiviert. Klickt man auf das hintere Drehrad, leuchtet dieses rot (bzw. blinkt rot, bei 2x Klicken).
Es gibt zudem noch zwei Energie-Modi. Im „Energy Saving“-Modus verliert die Lampe mit der Zeit immer mehr an Lichtleistung, bis sie dann komplett ausgeht. Im „Constant Current“-Modus versucht die Lampe eine bestimmte Helligkeit konstant beizubehalten. Dafür erfolgt dann später ein abrupteres Ausschalten.

Leuchtkraft / -kegel
LED LENSER H7R.2Meine Erwartungshaltung bzgl. der Leuchtkraft war aufgrund der angeprießenen Lumen-Zahl recht groß. Doch die H7R.2 enttäuschte nicht. Im Gegenteil. Im normalen Modus macht die Lampe die Nacht zum Tag. Zumindest was den Bereich innerhalb des Leuchtkegels betrifft. Außerhalb davon bleibt es dunkel und es gibt auch keinen fließenden Übergang. Der Leuchtkegel sieht so zwar beeindruckend aus, aber es ist schon etwas schade, dass es eine harte Grenze gibt. Das Blickfeld ist dadurch recht eingeschränkt. Der Spot ist extrem hell und leuchtet sehr weit, jedoch nutzte bzw. benötigte ich ihn eher selten. Der breite Lichtkegel ist für die meisten Situationen völlig ausreichend und macht beim Laufen am meisten Sinn.
Der Eco-Modus ist meines Erachtens von Nutzen, wenn man z.B. bei Dämmerung gesehen werden möchte und man den Weg noch halbwegs gut sieht. Die Leuchtkraft ist zwar deutlich schwächer, spart aber auch Akku bzw. Batterie. Je nach Umgebung und Witterungsbedingung kann der Eco-Modus auch bei voller Dunkelheit ausreichen.

Preis
Die H7R.2 von LED LENSER hat eine UVP von 79,95 EUR. Das ist mehr als doppelt so viel, wie z.B. die „normalen“ Stirnlampen ohne separates Batteriefach kosten.

Fazit
Für manche schreckt der etwas hohe Preis vielleicht ein wenig ab. Allerdings kann man die H7R.2 nicht mit Einstiegsstirnlampen vergleichen, denn man bekommt für das Geld auch deutlich mehr. Die Leuchtkraft ist enorm, der Tagekomfort sehr gut und die Ausstattung bzw. Funktionen sind mehr als ausreichend. Wer auch im Winter bzw. generell bei Dunkelheit oft läuft, für den ist die H7R.2 eine sehr empfehlenswerte Wahl. Nicht nur, dass man damit viel mehr sieht, nein, auch die Motivation steigt und das Laufen bei Dunkelheit macht deutlich mehr Spaß!

PS: Leider konnte ich die Leuchtkraft der Stirnlampe nicht so recht mit meiner Kamera festhalten. Aber ich kann versichern, sie macht verdammt hell.

Dieses Produkt wurde mir vom Hersteller zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Der Testbericht wurde von mir verfasst und gibt meine persönliche und unabhängige Meinung wieder. Auf den Inhalt und das Testurteil hat der Hersteller keinerlei Einfluss.

11 Kommentare zu “Test: LED LENSER H7R.2

  1. Chris

    Ich bin kein großer Freund von hellen Lampen, weder auf dem Rad noch in Laufschuhen. Es kann zwar recht angenehm sein, etwas von seinem Umfeld zu sehen, aber man zerstört den Zauber der Nacht. Gerade im Dämmerlicht werden die Sinne geschult und die Trittsicherheit geschult. Ok, nicht optimal für einen Tempolauf, aber dafür ist man im Winter auf der Bahn wohl sowieso besser aufgehoben. Am meisten ärgert mich aber, dass man sein Umfeld mit den hellen Lampen stört. Gerade auf relativ geraden Wegen blendet man entgegenkommenden Verkehr sehr stark. Pro Funzellicht!

    1. Sacha Vorbeck

      Kann ich nachvollziehen. Dann sollte diese Lampe gut zu dir passen, weil man die Helligkeit stufenlos einstellen kann.

  2. Brennr Autor des Beitrags

    @Chris: Ich bin hauptsächlich auf dem freien Feld unterwegs, wo ich mit meinem Licht niemanden störe. Kommt dennoch mal jemand entgegen, drehe ich den Kopf auf die Seite oder wechsle in den Low-Modus. Da ich mich in der Vergangenheit schon mehrfach „vertreten“ hatte und ich mich zum Glück nicht verletzte, kann ich gerne auf die Schulung meiner Trittsicherheit verzichten (zumal ich eh nicht verstehe, was man da schulen kann, wenn man nichts sieht). Laufe ich mal durchs Ort, wechsle ich in den Low-Modus. und verstelle den Neigungswinkel nach unten. Somit werde ich gesehen, aber ich blende niemanden. Man sollte halt mitdenken, wenn man so eine Lampe auf dem Kopf hat. Schließlich fährt man ja auch nicht mit dem Auto mit Fernlicht durch die Stadt. 😉

  3. Marco

    Vielen Dank für den guten und ausführlichen Bericht.

    Ich selbst habe die erste Generation dieser Stirnlampe, also die H7R. Ich bin wirklich sehr zufrieden, da die Lampe wirklich ein verdammt helles Licht abgibt, in deren Lichtkegel man wirklich alles vom Weg sieht.

    Die Vorteile der zweiten Generation sind zwar deutlich, aber glücklicherweise nicht so gravierend, dass ich jetzt unbedingt wechseln muss. Außerdem ist ja der Frühling auch nicht mehr so weit weg und damit verschwinden auch so langsam die Dunkelläufe 😎

  4. Ruslan

    Ich habe mir für die 19,99€ in Media Markt eine Noname-Stirnlampe mit einem eingebauten Cree LED geholt. Die Lampe ist hell, da sieht man wirklich alles. Benutzen kann man sie allerdings – so wie auch die H7R.2 – außerhalb von geschlossenen Ortschaften und wenn man nicht mit der Gruppe unterwegs ist, damit keiner geblendet wird.

    Vorteile gegenüber H7R.2: 1) Preis; 2) Gewicht (3x AAA-Batterien); 3) Tragekomfort – man braucht keine Mütze, da auch oben ein Band verläuft und das Batteriefach hinten fehlt.

    Nachteil: nicht umweltfreundlich, da Batterien häufig gewechselt werden müssen.

    Für ein paar Läufe im Winter aber reicht das schon.

  5. MagicMike2311

    @Chris Sicher gibt es Pro und Contra und mich nerven auch die oft viel zu hoch eingestellten Fahradleuchten, aber ich muß auch immer wieder feststellen, dass mein altes Funzellicht mir so manchen Stolperer verursacht hat, der auch leicht zu einer Verletzung führen kann. Daher vonmir ein klares Pro für helles Licht. Da kann ich Christian nur beipflichten.

  6. Ruslan

    @MagicMike2311 Ich verstehe, was Du damit sagen willst. Ich war ein paar Mal mit dieser Lampe beim ziemlich stärken Regen unterwegs – es gab keine Probleme. Ich gehe aber davon aus, dass H7R.2 sicherer unter solchen Bedingungen ist. Ist mir ja auch egal. Ich benutze die Lampe ohnehin nicht so oft – wann ich mit der Gruppe laufe, muss ich halt Trittsicherheit trainieren

  7. Steffen

    Ich habe eine Lucido- Stirnlampe (jetzt Mammut) seit ca. 10 Jahren. Das Problem ist die fehlende Fokussiermöglichkeit des mittigen Strahlers, so dass beim Langlauf in der Dunkelheit (auf einer bekannten Strecke) nur ein kleiner Kegel ausgeleuchtet wird. Das ist z. T. gefährlich, so dass ich mir jetzt eine neue Lampe zulegen will, die H7R2 kommt da in die engere Wahl. Ein, beim Joggen recht gravierender Nachteil gegenüberder „alten“ Lucido ist der fehlende Rückstrahler am Batteriefach. Das sollte technisch doch kein Problem sein!

  8. Ruslan

    Ich bin in diesem Winter ohne Stirnlampe ausgekommen. Ich habe aber meinen Laufstil grundlegend verändert – jetzt rolle ich über die Fußaußenkante ab statt den ganzen Fuß auf den Boden aufzusetzen. Als Folge bleibt mein Fuß auf Unebenheiten stabil und knickt nicht mehr um, so dass ich die Lampe nicht mehr unbedingt benötige.

    Ich werde es aber niemandem empfehlen, mit der Gangart im Erwachsenenalter zu experimentieren, solange man keine Verletzungen in Kauf nehmen möchte. Die Veränderungen der Bewegungsabläufe machen eine Anpassung des Bewegungsapparats notwendig. Dies gestaltet sich als äußerst schwierig, solange die Wachstumsphase abgeschlossen ist. Um zu erreichen, dass keine orthopädischen Einlagen mehr als medizinisch notwendig betrachtet und verschrieben werden, braucht man also einen langen Atem.

    Habe in diesem Jahr den ersten Crosslauf absolviert 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: