Test: Asics Gel-DS Racer 9

Asics Gel-DS Racer 9Der Asics Gel-DS Racer schwirrte schon ewig in meinem Kopf herum. Ein Wettkampfschuh mit leichter bis mittlerer Stütze – diese Kombination findet man nicht oft. Fast alle Schuhe dieser Kategorie sind neutral. Dennoch hatte ich mich bisher nie an diesen Schuh herangetraut. Ein Wettkampfschuh? Ich bin doch eher ein durchschnittlicher Läufer und außerdem wohl zu schwer für so ein Leichtgewicht. Doch nun konnte ich den Versuch wagen und habe bei Zalando bestellt. Ja, dort gibt es nicht nur Stöckelschuhe, sondern auch ein recht großes Angebot an Laufschuhen und Laufbekleidung. Das Bestellen war kinderleicht und nach wenigen Tagen klingelte auch bei uns der Postbote. Mein Schreien kam allerdings erst abends, nachdem ich Feierabend hatte und von meinen Kids das Paket bekam. 😉

Design
Die Optik sagt bereits alles aus. Ich bin schnell wie der Blitz! Das neongelbe Obermaterial ist nicht zu übersehen. Dazu ein organgefarbenes Asics-Logo an der Seite und blaues Innenfutter & blaue Schnürsenkel. Mit diesem Schuh fällt man definitiv auf.

Passform
Ich habe von Asics den DS-Trainer 16 und erwartete beim DS-Racer 9 eine ähnliche Passform. Weit gefehlt! Der Racer ist deutlich enger (vor allem im Mittel- und Vorfußbereich), ohne unangenehm zu drücken. So muss in meinen Augen ein Wettkampfschuh sein. Wie eine zweite Haut, ohne zu viel Platz und zu viel Komfort. Die Breite der Zunge reicht allerdings gerade noch so, dass der Rist komplett von den Schnürsenkeln geschützt ist. Auch muss man beim Schnüren darauf achten, dass die Zunge an der Seite nicht umknickt und dadurch eine Druckstelle verursacht. Wenn man dies berücksichtigt, sitzt der Schuh bombenfest.

Dämpfung
Meine Befürchtung war, dass die Dämpfung für mein Gewicht (86-87kg) nicht ausreichen würde. Doch bereits nach den ersten Metern verflogen die Zweifel. Das Gel-Dämpfungselement im Fersenbereich sorgt dafür, dass man trotz flacher Sohle nicht zu hart aufkommt. Somit ist der Racer nicht nur für Vor- bzw. Mittelfußläufer geeignet. Im Vorfußbereich ist die Dämpfung etwas straffer, was aber für einen Wettkampfschuh normal ist. Dennoch könnte ich mir vorstellen, den Schuh trotz meines relativ hohen Läufergewichts auch auf der Halbmarathondistanz zu tragen. Da wäre für mich dann aber auch die Grenze.

Stabilität
Die bereits anfangs erwähnte Stütze ist recht unauffällig. Das liegt vor allem daran, dass der Bereich mit dem härteren Zwischensohlenmaterial nicht sehr weit nach innen geht. Die Stützfunktionalität ist daher irgendwo zwischen leicht und mittel. Für mich ideal. Ich hatte selbst am Ende eines 10km-Wettkampfes keinerlei Probleme. Leichte und mittelschwere Neutralläufer könnten den Racer für die Marathondistanz in Betracht ziehen, da für sie die leichte Stütze gerade auf den letzten 10 Kilometern hilfreich sein könnte, wenn die Muskulatur müde wird. Ansonsten sitzt der Schuh bombenfest und der Halt ist perfekt. Schnelle Kurven sind somit kein Problem.

Dynamik
Plankstadter Straßenfestlauf (Quelle: Birgit Schillinger / Laufreport.de)Eines der Hauptkriterien für einen Wettkampfschuh ist die Dynamik. Mit gerade einmal 269 Gramm bei Schuhgröße US 14 bringt der Gel-DS Racer 9 gewichtsmäßig schon mal beste Voraussetzungen mit. Aber auch der Rest kann überzeugen. Der Aufbau ist flach und man bewegt sich nahe am Boden. Das Feedback des Straße ist sehr gut zu spüren, ohne dass dabei die Dämpfung zu wenig wäre. Die geringe Sprengung sorgt für ein dynamisches Abrollen. Der Abdruck im Vorfußbereich erfolgt direkt und ohne spürbaren Energieverlust. Als Fersenläufer kann ich mir ein langsames Laufen mit diesem Schuh nicht vorstellen. Man wird automatisch zu einem dynamischeren Laufstil aufgefordert. Und wie anfangs erwähnt, möchte man dies ja bei einem Wettkampf.

Sohle
Die Außensohle ist verdammt griffig auf Asphalt. Aber auch nur da. Selbst kurze Schotterabschnitte können bereits kritisch und ungemütlich werden, da im Vorfußbereich einige kleine Löcher sind, die für eine gute Belüftung sorgen sollen. Das tun sie tatsächlich, aber kleine Steine bleiben darin schnell klemmen und drücken auf die Fußsohle. Daher ist der Racer 9 abseits der Straße nur bedingt oder gar nicht geeignet. Aber er heißt ja auch Racer und nicht Offroader. Durch diese Löcher gelangen aber auch Staub und Dreck. Und bei Regen werden die Füße auch ganz schnell von unten nass.

Preis
Mit einer UVP von 120 EUR bewegt sich der Asics Gel-DS Racer 9 im normalen Preisbereich für diesen Typ von Wettkampfschuh. Die Konkurrenzmodelle (siehe Fazit) kosten ähnlich viel. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut in Ordnung. Ein Blick in die Zalando-Kategorie „Sale“ kann sich mit etwas Glück lohnen.

Fazit
Der Asics Gel-DS Racer 9 ist ein echter Wettkampfschuh, der auch von Normalos gelaufen werden kann. Seine leichte Stütze macht ihn zudem für Überpronierer interessant. Wie bereits erwähnt, gibt es in dieser Kategorie nicht viele Alternativen. Spontan fällt mir dazu der Brooks Racer ST 5 ein, der allerdings etwas weicher gedämpft ist. Oder der Saucony ProGrid Fastwitch 6, der mir zu hart ist. Für mich ist der Racer 9 der goldene Mittelweg und der perfekte Schuh für Straßenläufe bis 10 Kilometer. Eventuell wäre er auch noch für einen Halbmarathon geeignet, was jedoch auf einen Versuch ankäme. Der Racer 9 ist leicht, direkt, dynamisch, schnell und hat bzgl. Dämpfung ausreichend Reserven. Für Läufer mit breitem Fuß könnte er jedoch etwas zu eng sein. Außerdem ist zu beachten, dass der Racer 9 aufgrund der Lüftungslöcher in der Sohle keine kleinen Steine und kein nassen Straßen mag. Was im Sommer auf Asphalt wohltuend für die Füße ist, kann abseits der Straße oder bei Regen etwas unangenehm werden. Aber so ist eben ein reiner Wettkampfschuh, gemacht für schnelles Laufen auf der Straße. Wehe wenn er losgelassen! 🙂

PS: Das Laufshirt „Nike Performance Miler (volt)“ passt optisch perfekt zum Schuh. 😎

11 Kommentare zu “Test: Asics Gel-DS Racer 9

  1. MagicMike2311

    Da bleibe ich doch lieber beim RacerST5. Der macht von 5km bis Marathon alles mit, fällt auch im Gelände nicht aus dem Rahmen und macht auch bei Nässe eine gute Figur. Danke für den Test

  2. Flo

    Ich benutze den Racer VII seit Jahren beim Wettkampf und nur da. Der macht auch einen HM problemlos mit, auch ich wiege +80kg. Trau dich! 🙂

  3. Culli

    Ein super Wettkampfschuh!
    Habe jetzt schon mein zweites Paar! Am am Wochenende bin ich diesen zum ersten mal auf der Marathondistanz gelaufen und hatte absolut keine Probleme!

  4. Brennr Autor des Beitrags

    @MagicMike2311: Ich gebe zu, der RacerST5 ist diesbzgl. etwas unkomplizierter. Doch auf den kurzen Distanzen bei trockenem Asphalt hat der Asics die Nase vorne. Ist halt ein spezieller Schuh. Der Brooks hat da mehr Allrounder-Fähigkeiten.

    @Flo: Ok, dann werde ich mich nächstes Frühjahr in Mannheim trauen. 🙂

    @Culli: Das glaube ich Dir gerne. Kommt allerdings auf das Gewicht und den Laufstil an. Bei Dir scheint beides zu passen. 😉

  5. Din

    Auch wenn es wahrscheinlich nicht mein Modell wäre, las sich das Review sehr interessant. Ich laufe auf kurzen Distanzen ohne Stütze.

    Ich denke, dass es in erster Linie wichtig ist, dass der Schuh zu einem und den Laufgewohnheiten passt. Ob man dafür laut Produktinformation zu leicht oder zu schwer, zu groß oder klein ist. Auch wenn ich keine super schnelle Läuferin bin, fühle ich mich beispielsweise im T7 Racer sehr wohl und gehe mit dem PureConnect und Free als WK Schuhe vielleicht eher unkonventionelle Wege.

  6. Wiesel

    Hallo zusammen,

    ich sehe das Thema Körpergewicht und Wettkampfschuh v. a. bei schweren und langsameren (oft auch schlechter trainierten) Läufern als Problem. Dann kommt nämlich zum höheren und schnelleren Verschleiß des Schuhs auch die orthopädische Problematik dazu. Wer regelmäßig trainiert und Wettkämpfe läuft und v. a. nicht stark überproniert ist da schon eher auf der sichereren Seite. Auch wenn die Marken das oft anders sehen finde ich bis 90 kg noch relativ unkritisch so lange sich das Gewicht nicht auf 1,60 m drängt 😉 Oberhalb wird mit jedem weiteren Kilogramm die Luft eben dünner und die Eignung des Schuhs schlechter. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ggf. auch langfristig Probleme gibt steigt dann spürbar an (vergleichbar wie bei vielen Hobbyläufern die Verletzungsanfälligkeit oberhalb der 100 Wochenkilometer). Wer wie Brennr die 10 km in Richtung 40 min. läuft gehört meiner Meinung nach definitiv schon zur Zielgruppe die zumindest auf kürzeren Distanzen über Wettkampfschuhe nachdenken sollte.

    Im Sommer habe ich mit Matthias Marquardt einen Artikel zu dem Thema „Laufschuhe für schwere Läufer“ erstellt. Zu finden unter folgendem Link: http://www.laufschuhkauf.de/2013/08/faq-welche-laufschuhe-fuer-schwere-laeufer/ Hier aber bitte beachten, dass es sich v. a. um das Thema übergewichtige Läufer dreht.

    Mit laufenden Grüßen Wiesel

  7. Wiesel

    @ Brennr Ende Mai in Mannheim ist es dann schwül, die Luft pollenverseucht aber es ist trocken 🙂

    Teste den Schuh aber lieber erstmal auf einem Halbmarathon. Ich für meinen Fall laufe zwar mit Schuhen wie Mizuno Universe oder Ronin meine Wettkämpfe bis HM aber im Marathon (unter 03:00 std.) dann doch lieber mehr Schuh (Aero, Flow o. ä.).

    Mit laufenden Grüßen Wiesel

  8. Ruslan

    Ich war letzte Woche auf der Suche nach passenden Laufschuhen für Tempoeinheiten und habe ziemlich viele unterschiedlichen Schuhe anprobiert, unter anderem auch Asics Gel DS Racer. Gute Schuhe, gekauft habe ich allerdings Asics Gel Lyte 33 3. Sie sind noch leichter als DS Racer und außerdem sehr sehr flexibel, man fühlt sie kaum an den Füßen, sie schränken keine Bewegungen ein. Perfekte Schuhe, genau das, was ich haben wollte. Jetzt teste ich sie nächstes Wochenende beim HM in Kandel.

    Ich wollte noch die Asics Piranha ausprobieren, aber sie hatte der Verkäufer nicht im Angebot. Auch die anderen Wettkampfschuhe nicht, die Asics Gel Lyte 33 3 waren wahrscheinlich die leichtesten, die er da hatte. Evtl. auch nur deshalb, weil sie eigentlich dem Bereich „Natural Running“ zugeordnet werden. Eine große Auswahl an Wettkampfschuhen ist auch in einem großen Sportgeschäft schwierig zu finden, sie muss man wahrscheinlich – wie die Spikes – im Internet bestellen.

    Asics Gel DS Racer waren übrigens, soweit ich weiß, als Wettkampfschuhe genau für die Marathon-Distanz vorgesehen. Für die 10km sind das eher die Asics Piranha

  9. Brennr Autor des Beitrags

    @Ruslan: Der Gel Lyte 33 hat im Gegensatz zum DS-Racer keine Stütze. Daher nicht wirklich vergleichbar. Der neue Electro33 schon eher. Der DS-Racer ist mit Sicherheit auch für die Marathondistanz geeignet. Für mich als relativ schweren Läufer dagegen wohl eher nicht. Es kommt daher immer darauf an, wer den Schuh läuft.

  10. Ruslan

    Das stimmt schon, alle diese Wettkampfschuhe sind an leichte und mittelschwere Läufer ausgerichtet, wobei ich mit meinen 68kg schon als ein mittelschwerer Läufer gelten dürfte. Was die Stütze betrifft, vermute ich, dass viele Läufer sie überhaupt nicht brauchen. Auch ich bekam diese Stütze verordnet, wann mir meine ersten Laufschuhe kaufte. Dass ich ganz normale Füße habe und nur wegen dem falschen Laufstil proniere, müsste ich selbst herausfinden.

    Die Pronationsstütze habe ich beim DS Racer übrigens gar nicht bemerkt. Evtl. macht sie sich, wie z. B. beim Mizuno Wave Rider, nur dann bemerkbar, wann der Fuß nach innen kippt. Oder verhält sich DS Racer 10 ein bisschen unterschiedlich im Vergleich zu seinem Vorgängermodell …

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