Projekt 9:53

Trimm-Dich-Pfad WaghäuselIch habe über 20 Jahre aktiv Fußball gespielt. Zu der Zeit habe ich das Laufen ohne Ball gehasst. Es war einfach langweilig. Doch bei der Saisonvorbereitung blieben Ausdauereinheiten nun mal nicht aus. Hierfür ging es dann immer zum Trimm-Dich-Pfad in den Wald. Den Weg dorthin lief man locker, um sich aufzuwärmen. Auf dem Pfad selbst ging dann aber die Post ab. Eine Runde war um die 2,5 Kilometer lang. Meine Bestzeit (9:53) lief ich mit 16 Jahren. Lange her. Im August werde ich 40. Da fragt man sich: Hab ich’s noch drauf?

Die Antwort auf diese Frage interessierte mich schon lange. Aber da ich seit über 10 Jahren nicht mehr in meinem Heimatort wohne, ergab sich irgendwie nie so recht die Möglichkeit, ihr nachzugehen. Doch vor kurzem war ich zum Grillen bei meinen Eltern eingeladen und ich entschied spontan, bei der Gelegenheit zuvor einfach eine Runde auf dem Pfad zu laufen. Speziell dafür trainiert hatte ich zwar nicht, aber ich war dennoch gespannt.

Vom Elternhaus bis zum Pfad im Wald ist es exakt ein Kilometer. Ideal um warm zu werden. A propos warm, mit 24 Grad waren die Temperaturen für mich auch nicht unbedingt ideal. Egal, ich wollte einfach mal schauen, was dabei rauskommt. Ich startete meinen FR620 und gab Gas. Bereits nach 100 Metern wusste ich, das wird hart. Ich peilte einen Schnitte um 4:00 an, doch wirklich auf die Uhr hatte ich nicht geschaut. Bei 2,5 Kilometern muss man nicht viel überlegen. Vollgas!

Der Pfad war noch fast genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber für Sightseeing hatte ich keine Zeit. Ich konzentrierte mich darauf, das Tempo irgendwie zu halten und konstant zu laufen. Nach einem Kilometer piepste der Forerunner und meldete eine 4:04. Das war ok. Doch jetzt galt es, auf den letzten 1,5 Kilometern nicht langsamer zu werden. Doch die warme Luft machte mir etwas zu schaffen. Das sind einfach nicht meine Temperaturen.

Ich quälte mich die lange Gerade entlang und hatte Mühe das Tempo zu halten. Nach dem zweiten Kilometer meldete mein Forerunner eine 4:06. Nur zwei Sekunden langsamer geworden. Doch die Beinmuskulatur fing nun an zu brennen und ich pumpte wie ein Maikäfer. Die letzten 500 Meter waren eine Qual. Das Ziel vor Augen blickte ich ständig auf die Uhr. Wird es reichen? Irgendwann merkte ich, dass es wohl nix wird. Dennoch gab ich alles und nach 10:03 beendete ich die Runde.

Ich ring nach Luft und mir war leicht schwindlig. Es dauerte eine Weile, bis ich wieder halbwegs beisammen war. Laut Forerunner lief ich den letzten halben Kilometer in einem 3:53er Tempo. Ich konnte am Ende also tatsächlich nochmal zulegen. Aber mehr ging wirklich nicht. Nach ein paar Minuten Durchatmen lief ich wieder locker zu meinem Elternhaus zurück. Steak und Grillwurst hatte ich mir nun echt verdient.

Was soll ich nun von dieser Zeit halten? Ärgern, weil ich 10 Sekunden über meiner damaligen PB bin? Oder stolz sein, weil es nur 10 Sekunden sind? Wohl eher letzteres. Zwar hätte ich die 9:53 zu gerne unterboten, doch ich darf nicht vergessen, dass ich inzwischen 23 Jahre älter und auch ein paar Kilogramm schwerer als zu meiner Teenager-Zeit bin. So gesehen, habe ich wohl sogar verbessert.

Und dennoch, die 9:53 lässt mir keine Ruhe. Sei es nun Midlife-Crisis oder einfach nur Ehrgeiz, ich möchte diese Zeit unterbieten. Mit etwas gezieltem Training und besseren Witterungsbedingungen wird dies auch möglich sein. Und so sehe ich diesen Lauf einfach als Vorstudie und verkünde nun den offiziellen Kick-off des Projektes 9:53. Es müssen ja schließlich nicht immer die üblichen Ziele sein.

5 Kommentare zu “Projekt 9:53

  1. Flo

    Lauf das Ding mal am Morgen und du wirst die Zeit knacken. Ein paar Tage vorher kurze Intervalle (20 x 200m) und dann passt das 😉

    Die Idee finde ich gut, ich werde auch mal schauen, ob und wo ich noch „alte Rekorde“ angehen kann.

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Ich meine mich auch noch zu erinnern, dass ich als Schüler die 1.000 Meter mal unter 3:30 gelaufen bin. Keine weltbewegende Zeit, aber ich war damals schon als Läufer nicht sonderlich talentiert. 😉
      Dennoch traue ich mir heute diese Zeit nicht mehr zu. Der Zug ist wohl abgefahren.

  2. Din

    Ein schönes Ziel und klar, müssen es nicht immer die üblichen sein. Denke auch, dass die Zeit mit kurzen Intervallen schon zügig knacken solltest. Außerdem ist das Training dafür sicher auch gewinnbringend für alle Ziele. Viel Spaß dabei, auch wenn es hart wird.

  3. Markus

    Solche Läufe durch Wälder kenne ich aus meiner Zeit als Handballer noch. Gehasst habe ich es damals.
    Und heute mach ich es gerne und bin schneller als die schnellsten unserer Mannschaft damals. Geiles Gefühl!
    Und auch du packst mit entsprechendem Training sicherlich

  4. Chris

    HIT! Ein bisschen positiv bescheuert bist du ja:)
    Nein Quatsch, als Trainer kann ich das auch nur empfehlen.
    Derzeit bereite ich mich selber auf das 250km Atacama Crossing Rennen vor und mache dabei nur HIT Training.

    Chris

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