Bericht „J.P. Morgan Corporate Challenge 2010“

Einer von 72.741Ich habe letzten Mittwoch zum zweiten Mal beim JPMCC, dem größten Lauf der Welt teilgenommen. Außer mir waren noch 72.740 andere „Läufer“ am Start. Ich schreibe dies deswegen in Anführungszeichen, da bei diesem Firmenlauf auch sehr viele Anti-Sportler teilnehmen. Und dies spürte ich auch beim Laufen. Es war ein Hindernislauf mit Stau vor dem Ziel.

Um 17:30 ging ich mit ca. 120 Kollegen zum Grüneburgpark, wo wir unsere Sachen im Zelt ablegten. Anschließend machten wir uns auf in Richtung Start. Obwohl ich bereits letztes Jahr dabei war, sind diese großen Menschenmassen auch dieses Mal wieder sehr beeindruckend gewesen. Ich reihte mich in der Nähe vom Startblock „30-35 Minuten“ ein, da ich nicht mehr weiter nach vorne kam. Als Zielzeit nahm ich mir 28-30 Minuten vor, je nachdem wie es läuft. Um 19:30 fiel der Startschuss, doch ich kam erst um 20:12 über die Startlinie. Es war sehr warm und schwül, so dass ich es nicht zu schnell angehen wollte. Doch es lief gut und ich war nur kreuz und quer am Überholen. Sehr viele gingen bereits nach einem halben Kilometer. Selbst am Ende überholte ich etliche Teilnehmer, die so weit vorne im Startblock echt nichts zu suchen hatten. Ich schaute nach vier Kilometern auf die Uhr und überschlug im Kopf, dass ich eine Zeit unter 29 Minuten schaffen könnte. Doch ca. 300 vor dem Ziel kam es zum Stillstand. Irgendwelche Spaßvögel blieben vor dem Ziel stehen, um für die Kamera zu posieren. Toll. So verlor ich 1 1/2 Minuten. Ins Ziel ging ich sogar, weil die Teilnehmer vor mir einfach stehenblieben. Ich stoppte meine Forerunner und bekam eine 30:33 angezeigt. Ärgerlich, aber egal.

JPMCC 2010 Zieleinlauf

Ich ging zum Grüneburgpark und bekam unterwegs mit, dass ein Teilnehmer reanimiert wurde. Keine Ahnung, ob er es geschafft hat. Das Wetter war halt gerade für Untrainierte etwas heftig. Im Grüneburgpark aß ich im Zelt meines Arbeitgebers gegrillte Leckereien und wollte dann gegen 22 Uhr gehen. Doch plötzlich zog ein Unwetter auf, das echt übel war. Es regnete in Strömen und der Abstand von Blitz und Donner wurde immer kleiner. Schließlich war das Gewitter direkt über uns. Es ließ einen lauten Knall, verbunden mit einem hellen Lichtblitz. Ich dachte, der Blitz schlägt im Zelt ein. Und so musste ich bis Mitternacht im Zelt ausharren (was aber aufgrund der Live-Musik und der guten Stimmung sehr angenehm war). Erst dann ließ der Regen ein wenig nach. Doch die Wiese stand unter Wasser und kurze Zeit später wurde der Regen wieder stärker. Zusammen mit drei Kollegen nahm ich ein Taxi, da ich zurück zur Firma musste, wo mein Auto stand. Frankfurt war zum Teil überflutet, da das Wasser aus den Gullis schoss. Überall war die Feuerwehr im Einsatz zu sehen. Gegen 1:30 Uhr war ich zuhause und hundemüde. Am nächsten Tag ließ ich mir den JPMCC nochmal durch den Kopf gehen und war schon etwas über den Verlauf verärgert. Mir ist zwar durchaus bewusst, dass es sich beim JPMCC um einen speziellen Lauf handelt, der aufgrund der großen Teilnehmerzahl und der vielen Nicht-Läufer nicht mit einem normalen Lauf zu vergleichen ist. Dennoch finde ich, dass man einen JPMCC-Knigge einführen sollte, damit mehr Rücksicht aufeinander genommen wird. Oder man lässt die Zeitmessung ganz weg. Mit Zeitmessung möchte man sich viele jedoch gerne mit Kollegen vergleichen. Doch wenn Walker sich in den Startblock „20-25min“ einordnen, ist dies unmöglich. Auch das Posen (inkl. stehenbleiben) vor der Zielkamera ist ein Unding. Aber auch schnellere Läufer benehmen sich rücksichtslos. Daher mein Vorschlag, dass man mit der Anmeldung 4-5 Regeln verkündet, die sich der Teilnehmer zu Herzen nehmen sollte. Die könnten folgendermaßen aussehen:

1. Realistisches Einordnen im Startblock.
2. Falls man nicht mehr kann, rechts laufen.
3. Nicht quer in einer Reihe laufen.
4. Vor dem Ziel nicht stehenbleiben und Aktionen im hinteren Startblock durchführen.
5. Beim Überholen auf die Füße des Überholenden achten.

Wenn sich das manche zu Herzen nehmen, dann könnte der Lauf allen mehr Spaß bereiten. Ich schlage es mal dem Veranstalter vor. Mal sehen.

6 Kommentare zu “Bericht „J.P. Morgan Corporate Challenge 2010“

  1. Eddy

    Diese Regeln sind prima und sollten eigentlich bei jedem größeren Event groß ausgeschildert werden. Denn die beschriebenen Probleme gibt es ja aus meiner Erfahrung durchaus auch bei diveren Stadt-Marathons. Berichte mal, ob Du vom Veranstalter eine Antwort bekommst.

  2. Hannes

    Beim hieisgen Firmenlauf wird einfach in einzelnen Gruppen gestartet, obwohl nur verdammt wenige Läufer dabei sind (dafür auch eine mini-mini-mini Strecke). Vielleicht wäre das auch mal eine Idee …

  3. Marek

    72.000 Läufer – da ist der sportliche Wert solch eines Event einfach gleich null. Würde mich auch nerven, wenn man ständig warten muss, weil jemand im Weg steht. Nix für mich.

  4. Evchen

    Das Problem hat Julia im letzten Jahr auch schon beschrieben.
    Andererseits denke ich, ist es doch keine Laufveranstaltung in dem Sinne und die Zeit wirklich Nebensache. Du warst dabei, hattest Spaß und Grillzeugs auf Kosten Deines Arbeitgebers. Paßt doch. 😉

  5. Basti

    Mir gings fast genau so. Wollte unter 30 Min. laufen, sind sogar 32 geworden…und nach den 5,6km hatte ich eingentlich erst richtig Lust, noch weiter zu laufen…aber was sollst: DABEI SEIN IST ALLES!!

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