Bericht „Hockenheimringlauf 2010“

@ Ramin - Fotolia.comLetzten Montag nahm ich am Hockenheimringlauf teil, der wie jedes Jahr an Allerheiligen stattfand. Da ich in Hessen arbeite, musste ich mir hierfür einen Tag Urlaub nehmen. Ehrlich gesagt, hatte ich dies bei der Anmeldung überhaupt nicht bedacht. Doch der geopferte Urlaubstag sollte sich lohnen.

Der Tag zuvor:
Am Sonntag war Halloween und für mein Junior war dies ein unerwartet besonderer Tag. Wir hatten abends eine gute Freundin mit ihrer Tochter zu Gast und es gab Raclette. Nicht gerade das optimale Essen am Abend vor dem Wettkampf. Auch wenn ich Raclette liebe, nahm ich mich dieses Mal ein wenig zurück und aß dafür die ein oder andere Kartoffel. Anschließend zogen wir ein wenig um die Häuser und die Kinder sammelten Süßigkeiten. Relativ spät ging ich ins Bett.

Nach dem Aufstehen:
Mein Lauf startete erst um 10:20 Uhr und Hockenheim ist nicht all zu weit von Mannheim entfernt. Dennoch stand ich recht früh auf, da ich Hannes bei seinem 5km-Lauf (der um 9 Uhr startete) zuschauen und anfeuern wollte. Ich aß zwei Scheiben „leicht & cross“ mit Honig (inzwischen mein Favorit vor dem Wettkampf) und packte anschließendmeine Sachen. Noch war ich unsicher, ob ich kurz oder lang anziehen sollte. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, nahm ich schließlich beides mit.

Die Anreise:
Nach Hockenheim war bzw. ist es nicht weit. Doch wie man ins Fahrerlager kommt, konnte ich mich nicht mehr genau erinnern (ich lief ja 2007 bereits mit). Letztendlich hatte ich es dank der guten Beschilderung doch recht schnell gefunden und stellte 8:55 Uhr mein Auto auf dem Parkplatz ab. Ich schnappte meine Tasche und joggte zum Startbereich des 5km-Laufs.

Vor dem Start:
Eine Minute vor Beginn des 5km-Laufs kam ich im Startbereich an und konnte so noch schnell ein paar Bilder von Hannes machen. Ich wollte ihn so kurz vor dem Start nicht in seiner Konzentrationsphase stören und schaute einfach zu. Nachdem Hannes losgeflitzt war, machte ich mich auf zur Startnummernausgabe. Anschließend traf ich Chris im Messe-/Verpflegungsbereich. Wir gingen zusammen in den Zielbereich und warteten auf Hannes. Dieser kam auch schon bald angesprintet und wir feuerten ihn auf den letzten Metern nochmal richtig an. Mit einer tollen 17:53 kam er als Zehnter ins Ziel. Bestzeit leider knapp verpasst. Er lief durch den Zielbereich und ging erst einmal 100 Meter alleine weiter. Chris erinnerte diese Szene an Franz Beckenbauer bei der Fußball-WM 1990. Nach ein paar Minten kam er wieder zurück und ich begrüßte und beglückwünschte ihn. Wir quatschten ein wenig und kurz vor 10 Uhr zog ich mich um (ich entschied mich für kurz/kurz). Anschließend gingen wir gemeinsam zu einem der beiden Startbereiche. Es wurde nämlich an zwei Stellen gleichzeitig gestartet, um die Masse ein wenig zu entzerren. Hannes und ich konnten uns dadurch relativ weit vorne positionieren, wodurch mir aufgrund der Brutto-Messung nur wenige Sekunden verloren gingen. Ich informierte Hannes noch kurz über mein Tempo, mit dem ich den Lauf angehen möchte (4’45“-4’48“). Chris wünschte uns noch viel Erfolg und startete von etwas weiter hinten. Kurz vor dem Start ertönte das Lied „Sirius“ von „The Alan Parsons Project“, das früher immer bei der Vorstellung der Startaufstellung der „Chicago Bulls“ (mit Michael Jordan, Scotty Pippen, Dennis Rodman) eingespielt wurde. Das Lied ist echt genial, weil es super zur Anspannung vor dem Start passt.

Der Start:
Punktlich um 10:20 Uhr startet der Lauf. Obwohl ich beim Start recht weit vorne stand, geht es mir zu langsam voran. Schuld daran ist die erste Kurve, in der natürlich jeder sofort Ideallinie laufen möchte. Vielleicht wäre der andere Start besser gewesen. Egal, hilft ja nichts. Ich arbeite mich langsam durch das Feld vor, um Platz für meinen Laufrhythmus zu finden. Hannes informiert mich von Beginn an über das aktuelle Tempo und versucht mich auf die Ideallinie zu führen.

Der Lauf:
Auf den ersten drei Kilometern höre ich öfter „zu schnell“ von ihm, doch danach nicht mehr. Noch immer ist das Feld recht dicht zusammen und vor allem in den Kurven muss ich schauen, dass ich nicht zu viel Zeit verliere bzw. zu viele unnötige Meter laufe. Ich liege voll im Plan und fühle mich gut. Lediglich die rechte Wade meldet sich ein wenig. Hannes ist überrascht, dass ich noch so locker aussehe. Ich meine zu ihm, dass ich auf Kilometer 6 gespannt bin, ob ich da noch mein Tempo halten kann. Bis Kilometer 5 habe ich absolut keine Zweifel. Und dann ist es soweit. Ich passiere die 6km-Marke und spüre, dass mein rechter Oberschenkel ein wenig schmerzt. Da ich noch voll im Plan liege, beschließe ich, das Tempo bis Kilometer 8 nicht zu erhöhen. Hannes spricht mir Mut zu und ist voll optimistisch. Ich bin inzwischen nicht mehr ganz so redselig, wie noch auf den ersten 5 Kilometern. Wir überholen nach und nach immer mehr Läufer, was für meine Psyche echt gut ist. Es motiviert mich, mein Tempo zu halten, auch wenn der Oberschenkel weiterhin ein wenig schmerzt. Wir passieren die 8km-Marke und ich meine zu Hannes, dass ich jetzt noch nicht das Tempo erhöhen kann, da es zu früh wäre und ich es nicht bis ins Ziel halten könne. Jetzt ist es nur noch ein Kilometer bis ins Ziel. Die letzten Kurven liegen vor mir. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es vor den Kurven immer leicht bergauf und nach den Kurven leicht bergab geht. Hannes kann diesbezüglich nur schmunzeln. Ich kämpfe, um mein Tempo zu halten. Hannes gibt mir kleine Ziele vor, wenn ich noch alles überholen solle. Ich beschließe, meinen Schlusssprint auf die letzten 300-400 Meter zu verlegen. Nur noch eine Kurve liegt vor mir. Dann wartet die lange Zielgerade auf mich. Hannes meint, ich soll Gas geben, denn ich könne es unter 47 Minuten schaffen. Ich schaue verdutzt auf die Uhr und tatsächlich, sie zeigt 46 Minuten an. Mein Ziel war eigentlich eine Sub48 und Hannes meinte doch die ganze Zeit, dass ich mit einer 47’30“ ins Ziel kommen würde, wenn ich so weiterlaufen würde. Wie kann das sein? Der Schlingel hat mich doch tatsächlich bewusst etwas zu schnell laufen lassen! Ich sehe das Ziel vor mir und bin mir nicht ganz sicher, ob ich es noch unter 47 Minuten erreichen kann. Doch eine 46er Zeit wäre echt genial und so mobilisiere ich nochmal alles, was ich habe. Die Wade shcmerzt. Egal. Der Oberschenkel schmerzt. Egal. Der Bauch verkrampft. Egal. Ich habe das Gefühl, ich müsse mich übergeben. Egal. Das Ziel und die Uhr fest im Blick gehe ich auf den letzten Metern an meine Grenzen. Unglaublich, dass ich tatsächlich nochmal mein Tempo deutlich erhöhen kann. Ich laufe über die Ziellinie und schaue auf die Uhr. Ich habe es geschafft! Mit einer für mich total unerwarteten 46’49“ verbessere ich meine 3 Jahre lang bestehende (ebenfalls in Hockenheim aufgestellte) Bestzeit um 1’14“!

Im Ziel:
Überglücklich, aber auch körperlich völlig am Ende blieb ich kurz nach dem Ziel stehen und rang nach Luft. Noch ein paar Meter weiter und ich hätte mich übergeben müssen. Hannes beglückwünschte mich und meinte, ich solle einfach ein paar Meter gehen. Dann machte er sich auf und besorgte mir etwas zu trinken. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass ich unter 47 Minuten geblieben bin. Hannes verriert mir dann, dass er mich absichtlich schneller laufen ließ, da ich gut aussah und er mir das Tempo zutraute. Ich schmunzelte und bedankte mich bei ihm für seine Unterstützung. Anschließend gingen wir zurück vor das Ziel und warteten auf Chris. Sein Ziel war es, den Lauf schmerzfrei zu überstehen, da er schon längere Zeit Probleme hatte. Wir feuerten ihn an, was ihn zu einem kurzen Sprint animierte. Mit einer für ihn nebensächlichen 58er Zeit kam er ins Ziel und freute sich, dass er die 10 Kilometer ohne Schmerzen laufen konnte.

Nach dem Lauf:
Wir beschlossen, noch ein wenig auszulaufen und liefen dabei nochmals in Richtung Startbereich, wo ich vor dem Start meine Laufjacke auf dem Seitenbereich hinterließ. Anschließend liefen wir zurück zum Parkplatz, wo wir noch ein wenig quatschten. Chris hatte Hannes morgens vom Bahnhof abgeholt. Da Hannes aber eh in Mannheim umsteigen musste, bot ich ihm an, dass ich ihn hinfahre. Wir verabschiedeten uns von Chris und ich fuhr Hannes noch rechtzeitig zum Mannheimer Bahnhof. Zuhause musste ich erst einmal eine Kleinigkeit essen, da ich tierischen Hunger hatte. Gegen späten Nachmittag belohnte ich mich (zusammen mit Frau und Kind) mit einem Essen beim Chinesen.

Fazit:
Der Hockenheimringlauf war ein voller Erfolg! Ich lief Bestzeit und lernte zudem Hannes endlich persönlich kennen (Chris traf ich zuvor ja schon öfter). Der eine Tag Urlaub, den ich mir für diesen Lauf nehmen musste, hat sich absolut gelohnt. Zwar wusste ich, das ich in einer guten Verfassung war, aber dass letztendlich eine 46er Zeit rausspringen würde, hätte ich nie gedacht. Ich spekulierte mit einer Zeit um die 47’30“. Vielleicht lag es ja an Hannes. Schwierig zu sagen, ob ich ohne ihn nicht auch so schnell gelaufen wäre. Er wollte mich bei meinem Vorhaben unterstützen und das ist ihm 100%ig gelungen! Ein echt feiner Zug von ihm, dass er nach seinem 5er mich noch extra bei meinem 10er begleitet hat. Würde mich freuen, ihn bei einem Lauf mal wieder zu sehen.
Nachdem es mir im Frühjahr ganz knapp nicht gelang, meine HM-Bestzeit zu verbessern, konnte ich kurz vor Jahresende doch noch eine Bestzeit knacken. Dies tut echt gut und motiviert mich für die neue Saison im nächsten Jahr.

Details zum Lauf: http://connect.garmin.com/activity/55132834

Weitere Berichte zum Lauf:
http://www.laufhannes.de/wettkampf/2010/hockenheimring-lauf/
http://www.koerb.de/?p=763
http://www.florianbernard.de/2010/11/02/854/

Bilder:


(weitere Bilder folgen)

11 Kommentare zu “Bericht „Hockenheimringlauf 2010“

  1. Chris

    Nochmals herzlichen Glückwunsch zur neuen 10er Bestzeit! Glücklicherweise sehe ich auf dem Bild nicht ganz so dick wie befürchtet aus 🙂

  2. Schmacko

    Hallo Christian,

    herzlichen Glückwunsch! Echt klasse, daß Du endlich Deine 10km-Bestzeit in neue Höhen getrieben hast.

    Nächstes Jahr die 45:00?!

    Was macht eigentlich das Gewicht? 😉

    Viele Grüße,
    Schmacko

  3. Flo

    …das hört sich nach einem anstrengendem Kampf an, der sich aber schließlich gelohnt hat!

    Ihr scheint vom vorderen Start losgelaufen zu sein?! Ich bin vom hinteren aus ins Rennen und kann dir das für das nächste Mal nur empfehlen, da man hier erst eine lange Gerade hat und wenig Gedränge.

    Aber dennoch: Daumen hoch!

  4. Pierle

    Glückwunsch! 46 Minuten das ist ja mal ein echtes Brett – da muß ich noch etwas für üben 😉
    Ich will auch einen Hannes haben, der mich zieht. Sowas macht bestimmt ne Menge aus.

  5. Evchen

    Schöner Bericht und nochmal herzlichen Glückwunsch! Das fühlt sich fein an, gell? 😀
    Bist Du ohne Uhr gelaufen, weil Hannes Dich (positiv) tricksen konnte?
    Danke, ich bin gewarnt. 😉

  6. Laufhannes

    Lieber Christian,

    auch von mir hier auch noch einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem Ergebnis! Eines sollte dir dabei aber klar sein: Ich habe dich sehr gerne begleitet. Ja, es war vielleicht anstrengend für die Beine, aber wer sich wie ich so gerne selbst quält, der hat auch enorm viel Spaß dabei, aus den anderen das Letzte heraus zu holen 🙂

  7. Marek

    Klasse Christian, das sind ja ungeahnte Zeiten! Für 2011 steht aber die sub45 an, oder 🙄 Hannes als Pacemaker kann ich mir auch gut vorstellen. Der würde sicher nebenbei noch einen Kaffee trinken können, wenn man selbst schon auf dem allerletzten Loch pfeift :mrgreen:

  8. RunningDan

    Raclette am Vorabend find ich klasse, aber scheinbar hat es sich nicht allzu negativ auf deine Leistung ausgewirkt. Die Übelkeit am Ende kam dann wohl doch eher vom erhöhten Tempo, dass Hannes dir vorgegeben hat. Aber im Nachhinein darfst du sicherlich mehr als zufrieden mit dem Lauf sein, auch wenn er dich fast an deine Grenzen gebracht hat. Glückwunsch zur Bestzeit.
    Gruß, Daniel.

  9. Andreas

    Hannes kennt echt keine Gnade 😉 Finde ich toll, wie ihr das gedeichselt habt, hat sich wirklich gelohnt, Gratulation an dich und deinen „Hasen“!

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