Bericht „Badische Meile 2011“

Badische Meile 2011Letzten Sonntag nahm ich zum ersten Mal an der „Badischen Meile“ in Karlsruhe teil. Der Name dieser Laufveranstaltung basiert auf einem historischen Längenmaß (8,88889km), das auch gleichzeitig die zu bewältigende Distanz vorgibt. Ich wollte diesen Lauf hauptsächlich als Form-Check nutzen, um herauszufinden, was beim Mannheimer Halbmarathon zwei Wochen später möglich ist.

Im Vorfeld:
Was ich damals bei der Anmeldung nicht wusste, war, dass am Veranstaltungstag auch Muttertag ist. Und so musste ich doch überlegen, ob es mir möglich ist, daran teilzunehmen. Im Nachhinein finde ich den vom Veranstalter gewählten Termin etwas unlücklich, zumal an diesem Sonntag auch vielerorts „1. Heilige Kommunion“ war. Wie auch immer, ich klärte das Ganze mit meiner Frau ab und entschied mich für eine Teilnahme.

Die Anreise:
Ich fuhr gegen 8:30 los, da ich noch meine Startnummer abholen musste. Der Start war um 10:30 geplant. Da dieser bei der Europahalle war, kannte ich den zu fahrenden Weg bereits vom Badenmarathon. Unterwegs erfuhr ich von Florian Bernard über’s iPhone per Twitter, dass die Startnummernausgabe nur bis 9:30 erfolgt. Da wurde ich ein wenig nervös, da ich nicht wusste, ob ich gleich einen Parkplatz finden würde. Falls nicht, könnte es knapp werden. Doch ich kam rechtzeitig an und holte meine Startnummer im Beiertheimer Stadion ab.

Vor dem Lauf:
Nachdem ich meine Haut mit Sonnencreme versorgt hatte, laufe ich mich Vor dem Start noch ein wenig ein. Dabei treffe ich zufällig Florian, der gerade von der Europahalle kommt und wir unterhalten uns kurz über unsere Ziele bei diesem Lauf. Dabei klärt er mich darüber auf, dass die neue Strecke nicht gut für Bestzeiten sei. Dennoch nimmt er sich eine xxer Zeit vor, während ich gerne einen Schnitt unter 5min/km laufen möchte. Von Vorteil wird ihm hierbei sicherlich der Start aus dem Favoritenblock sein, bei dem 300 Läufer vor den restlichen knapp 5000 Teilnehmern starten dürfen. Wir wünschen uns gegenseitig viel Erfolg und machen uns auf dem Weg zum Start. Da es keine Startblöcke gab und die 600 Walker somit unter den 5.000 Läufern waren, orientierte ich mich ins vordere Drittel. Doch selbst dort sah ich noch Walker mit Stöcken stehen.

Der Lauf:
Um 10:30 fällt der Startschuss und der Favoritenblock rennt los. Eine Minute später überquere ich die Startlinie. Es geht nur langsam voran. Nach ca. 200 Metern zieht sich das Feld ein wenig auseinander und ich bin ständig am Überholen. Sehr viele Teilnehmer (nicht nur Walker, auch Läufer) haben sich falsch eingeordnet. Bereits nach einem Kilometer haben einige „Läufer“ die Hände in der Hüfte und gehen, während sie dabei nach Luft ringen. Hallo? Bin ich hier richtig? Ich lasse mich nicht beirren und versuche mein Tempo zu finden. Den ersten Kilometer laufe ich in 4:52. Passt. Meine Forerunner piepst auf Höhe der Kilometermarkierung. Den zweiten Kilometer gehe ich zu schnell an. 4:41, das kann ich bei diesen Temperaturen nicht bis zum Ende durchziehen. Ich drossle das Tempo wieder auf 4:53, 4:57. Die Kilometer 5, 6 und 7 fallen mir etwas schwer. Das liegt aber hauptsächlich an den fiesen Steigungen (Brücken und Unterführungen). Auf nicht einmal 9 Kilometern sind 4-5 Steigungen zu viel. Dennoch halte ich das Tempo bei 5:00 bis 5:09. Inzwischen knallt die Sonne recht heftig vom Himmel und die fehlenden Versorgungsstellen machen sich bemerkbar. Wenigstens gibt es an einer Stelle eine kleine Dusche, durch die ich dankend durchlaufe. Ich versuche das Tempo nochmal zu erhöhen und höre bereits den Sprecher im Zielbereich. Nochmal ein Hügel hoch, von dem man auf das Stadion blickt und daran vorbeiläuft. Für die Psyche ganz fies. Laut Forerunner noch einen Kilometer. Ich ziehe das Tempo an, wundere mich aber kurze Zeit später, dass es bereits ins Stadion geht. Auf der Tartanbahn sind es dann noch ca. 250 Meter bis zum Ziel. Ich gebe richtig Gas und wundere mich, welche Reserven ich noch habe. Mit einem Tempo von 3:45 bis 4:00 rase ich ins Ziel. Etwas verwundert stoppe ich nach 41:45 meine Forerunner bei 8,51 Kilometern und nehme meine Medaille entgegen.

Nach dem Lauf:
Ich machte mich sofort auf die Suche nach etwas zu trinken. Leider gab es nicht direkt im Ziel einen Versorgungsstand, sondern musste noch 100 Meter weitergehen. Allerdings musste ich dann noch 1-2 Minuten warten, da keine Becher vorbereitet waren. Die Laune mancher Läufer war nicht gerade gut, was aber auch nicht verwundert, wenn man u.a. aufgrund der fehlenden Versorgungsstationen entkräftet ins Ziel kommt und dann noch auf das Wasser warten muss. An anderer Stelle gab es noch isotonische Getränke und alkoholfreies Bier. Bananen konnte ich nicht entdecken und Brezel gab es (eigentlich) nur für irgendwelche Studenten. Dennoch war ich mit dem Zielbereich recht zufrieden. Die Atmosphäre war zudem echt schön, da man sich die Läufer auf dem Rasen des Stadions legten und sich ausruhten oder über den Lauf unterhielten. Entlang der Laufbahn standen Zuschauer, die die ins Stadion einlaufenden Läufer anfeuerten. Auch die Tribüne war ganz gut gefüllt. Ich hielt noch eine Weile Ausschau nach Florian, konnte ihn jedoch leider nicht ausfindig machen. Dann machte ich mich auch schon auf den Heimweg, denn schließlich war ja Muttertag.

Pro:
– Medaille: nicht selbstverständlich bei diesen Distanzen
– T-Shirt: schöne Erinnerung, gab es gratis dazu
– Zielbereich: tolle Atmosphäre, viele Getränke
– Zeitmessung: per Chip in der Startnummer

Contra:
– keine Startblocks: Walker und Läufer in einem Block
– keine Versorgung auf der Strecke
– viele Steigungen: Brücken, Unterführungen
– Ergebnisliste: zuerst fehlerhaft, sortiert nach Bruttozeit
– Strecke nicht exakt: ca. 350m zu kurz
– kaum Toiletten: bei über 5.000 Teilnehmern sehr schlecht
– Streckenführung: führt kurz vor dem Ziel daran vorbei
– Termin: Muttertag, 1. Heilige Kommunion
– Distanz: krumme Länge, blöd für Bestzeiten

Fazit:
Meine Erwartungen an diese Laufveranstaltung waren nicht all zu hoch, da ich den Lauf lediglich als Form-Check unter Wettkampfbedingungen nutzen wollte. Hierfür war er im Nachhinein besser, als gedacht. Für eine kurze Strecke relativ anspruchsvoll bei sehr warmen Temperaturen. Ich musste meine Kräfte gut einteilen, um am Ende nicht einzubrechen. Die fehlenden Versorgungsstationen erschwerten das Ganze noch, so dass ich mich schon ein wenig quälen musste. Mit meiner gelaufenen Zeit bin ich zufrieden, selbst wenn die Strecke tatsächlich 350 Meter zu kurz gewesen sein sollte. Ich wollte einen Schnitt unter 5min/km laufen und das ist mir gelungen. Dennoch ärgert es mich immer wieder, wenn sich die Strecke im Nachhinein kürzer als angegeben herausstellt. Im Zeitalter von GPS & Co. darf das nicht sein. Einige Läufer äußerten diesbezüglich ihren Unmut darüber. Auch hätte ich es mir gewünscht, dass der Veranstalter kurzfristig auf die vorhergesagten sehr warmen Temperaturen reagiert. Eine reine Wasserversorgungsstelle bei Kilometer 4 wäre bereits ausreichend gewesen. Von den Walkern, aber auch einigen Läufern, hätte ich mir gewünscht, dass sie sich leistungsgerecht am Start einordnen, wenn der Veranstalter es schon nicht für nötig hält, Startblöcke einzurichten. Die Anzahl der Toiletten waren bei der Teilnehmeranzahl zudem deutlich zu wenig. Gut fand ich, dass die Zeit per Chip in der Startnummer gemessen wurde. Zwar war die erste Ergebnisliste noch fehlerhaft, aber eine Netto-Zeitmessung ist immer gut. Ich wurde übrigens 801. (gesamt) und landete somit im ersten Fünftel. Ob ich nächstes Jahr nochmal starte, bezweifle ich. Mal sehen.

Details bei Garmin Connect:

PS: Dank Tim Raffler gibt es zumindest ein Wettkampfbild von mir, denn beim offiziellen Fotoservice ist zu meiner Startnummer nichts zu finden.

12 Kommentare zu “Bericht „Badische Meile 2011“

  1. Din

    Ein anspruchsvoller Lauf bei diesen Bedingungen, den du wirklich gut gemeistert hast und dann auch noch Luft am Ende hattest. Die Steigungen mag ich mir bei solch einem Wetter nicht vorstellen. Finde sie bei angenehmen Temperaturen schon schwierig im Wettkampf zu laufen.

    Schade, dass sich viele Läufer und auch Walker immer wieder nicht einschätzen oder orientieren können. Mit den Stöckern kann es da ja vor allem Probleme geben. Da liegt man als Läufer schnell mal lang.

    Überraschend, dass der Veranstalter nicht kurzfristig etwas organisieren konnte, um wenigstens einmal Wasser zur Verfügung zu stellen; ich denke mal, dass sicher auch blutige Anfänger ins Rennen gegangen sind, die sicher auch dringend etwas benötigt hätten.
    Aber ich staune, dass es ein Shirt und eine Medaille gab; beides schöne Erinnerungen, falls du das nächste Mal nicht mehr starten solltest.

    Tolle Beschreibung im Übrigen.

  2. Flo

    Ich hoffe für dich, dass es beim HM in Mannheim angenehmere Temperaturen hat. War nach der Meile selbst im Eimer…

    Übrigens hat der Veranstalter betont, dass es keine Pflicht ist bei Läufen bis 10km Verpflegung auf der Strecke zu sorgen. Hatte bei km 5 aber auch Durst ohne Ende 😉

    Ich stelle mich aufgrund der Problematik der Selbsteinschätzung immer soweit nach vorne wie möglich, zu viele langsame Läufer versperren sonst den Weg. Ist zwar dann ein Teufelskreis, aber nötig. Eine gute Lösung wäre es, Blocks mit Zielzeiten im 10 Minuten Abstand einzurichten, das klappt z.B. beim B2Run, der ja auch ein Spaßlauf ist, immer prima.

    Es bleibt zu hoffen, dass der Lauf optimiert wird…

    Aber Daumen hoch zur Leistung, war wirklich kein Zuckerschlecken!

  3. Henrik

    Eine interessante Streckenführung ;-). Es gibt Läufe, die macht man einmal und nie wieder, dieser zählt wohl dazu. Trotzdem hast du eine gute Leistung abgeliefert und dich nicht beirren lassen. Gut gemacht!

  4. Chris

    Hast du eine Ahnung, warum die Badische Meile so lang ist? Die ursprüngliche Meile kommt ja, glaube ich, aus der Römerzeit: mila passi (oder so – tausend Schritte). Aber über 8 km… 🙄

  5. Flo

    Markgraf Carl Friedrich hat damals die Längenmaße definiert. Die Badische Meile geht auf die Wegstrecke zurück, die er in zwei Stunden durch den Hardtwald benötigte. Klingt komisch, ist aber so… 🙂

  6. Eddy

    Hallo Christian,

    die Liste der „Contras“ ist länger länger als die der „Pros“ und die aufgeführten Punkte sind ja nicht gerade trivial, so dass ich sagen kann, dass die Badische Meile wohl nie auf meinem Wettkampfplan stehen wird. Abgesehen davon, wäre in meinem Fall ein weiteres Contra die viel zu weite Anreise 😉

    Angesichts der beschriebenen Hürden (Gedränge, Steigungen) dennoch eine Pace unter 5 min/km in den Asphalt zu brennen, ist eine echt starke Leistung, zu der ich Dir gratuliere!

    Schöne Grüße und einen schönen Sonntag
    Eddy

  7. PdNW

    Hallo Christian,

    super Bericht mit allen Hochs und Tiefs der Badischen Meile. 😉
    Die Orga sollte wieder getrennte Starts (wie vorher) installieren
    oder
    eine reine Laufveranstaltung daraus machen.

    Gruß

    Peter

    P.S. Glückwunsch zu deiner guten Zeit

  8. RunningDan

    Scheinbar hat das Event noch etwas Verbesserungsbedarf. Vor allem der Start zusammen mit den Walkern, die fehlenden Getränke im Ziel sowie die falsch abgemessene Strecke sind keine gute Werbung. Allerdings lernt man auch aus Fehlern.
    Denke aber, dass du mit deinem Lauf sehr zufrieden sein kannst und die Vorbereitungen für deinen Halbmarathon damit bestens laufen.
    Gruß, Daniel.

  9. -timekiller-

    Servus,

    na, das ist doch ein vorzeigbares Ergebnis. Prima!
    Nix gegen Walker, aber ich denke auch, dass Walker separat nach den Läufern starten sollten, vorallem bei so vielen Startern. Selbst wenn es Startblocks geben hätte, bezweifle ich, dass ein leistungsgerechts Einsortieren funktioniert hätte. Irgendwie scheinen sich die Leute immer zu überschätzen… um dann böse einzubrechen.
    Dass das Catering auf der Strecke fehlt, finde ich hingegen bei der Distanz normal.

    Grüße -timekiller-

  10. Ralf

    Gratulation zum Ergebnis.
    Falsche Streckenlänge finde ich das größte Übel.
    Walker nicht extra zu starten ebenfalls, aber Startblocks bei der Größenordnung wären schon Luxus und im Endeffekt würde es wohl nix bringen. Mit Verpflegung will ich mich auf 10 km auch nicht beschäftigen, aber bei Hitze wäre wohl ein Getränkestand schon ganz angebracht. Nicht sofortige Getränke im Zielbereich sind aber wirklich böse.

  11. Andreas

    Größtes Manko für mich wären eindeutig die Walker im Feld. Ich finde die Teilnahme von Walkern generell gut, aber es ist vollkommen klar, dass sie mit den Stöcken eine Gefahr für Läufer sind, die hinter ihnen kommen. Ein großer Veranstalter-Faux-Pas. Ansonsten hört sich alles spannend an, mal sehen, wann ich jemals zum Laufen in den Süden komme… Gratulation aber zu deinem Lauf bei den Bedingungen!

  12. Brennr Autor des Beitrags

    Danke euch allen für eure Kommentare! 🙂 Ich bezweifle stark, dass ich dort nächstes Jahr nochmal an den Start gehe. Zu viel Auwand und Ärger, zu wenig Nutzen.

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