Bericht „Ludwigshafener Stadtlauf“

Ludwigshafener Stadtlauf 2011 - zu schnell für die Kamera ;-)Am vergangenen Samstag habe ich recht spontan am „Ludwigshafener Stadtlauf“ (7.2 km) teilgenommen. Zwar bin ich kein Freund von diesen krummen Distanzen, aber ich hatte einfach Lust auf einen Wettkampf. Das Wochenende zuvor wollte ich bereits beim „Philippsburger Festungslauf“ (10 km) starten, aber dies klappte leider nicht. Doch diesen Samstag kam nichts dazwischen. Zum Glück, denn es sollte der bisher schnellste Lauf über mehr als 5km werden.

Vor dem Lauf:
Der Lauf fand wie bereits erwähnt samstags statt. Start war um 18:30, sodass ich keinen zeitlichen Stress hatte. Ich erledigte am frühen Nachmittag noch meine Einkäufe und packte anschließend meine Sachen, um nach Ludwigshafen zu fahren. Ich musste um spätestens 17:30 dort sein, damit ich mich noch nachmelden konnte. Gegen 17 Uhr stellte ich mein Auto im nahegelegenen Parkhaus ab und lief zur Anmeldung. Auf dem Weg dorthin stellte ich fest, dass an diesem Wochenende Stadtfest in Ludwigshafen ist, wovon ich nichts wusste. Es war eine recht große Bühne aufgebaut. Doch meine Neugier musste sich zurückhalten, da ich ja noch eine Startnummer wollte. Das Nachmelden verlief problemlos und die zusätzlichen 1,50€ zu der eigentlichen Startgebühr von 6€ sind verschmerzbar. Vor allem wenn man noch ein Funktions-Shirt bekommt und die Zeitmessung per Einweg-Chip erfolgt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war sehr gut! Ich ging zurück zum Auto und zog mich um. Anschließend machte ich mich auf den Weg, um den Top-Läufern beim Elite-Lauf (9,6 km) zuzuschauen. Da war u.a. Rodgers Rop, Marathonsieger von Boston, New York und Hamburg, am Start, dessen Marathon-Bestzeit bei 2:07:32 liegt. Es gewann jedoch der Kenianer Joseph Kiptum mit einer Zeit von 26:44. Die anschließende Siegerehrung wurde zügig durchgeführt, sodass der Start des nachfolgenden Volkslaufes punktlich erfolgen konnte.

Der Start:
Ich mache mich etwas spät auf den Weg zum Start und muss mich daher im hinteren Mittelfeld einreihen. Egal, nicht ärgern. Da werde ich schon irgendwie vorbeikommen. Doch die Strecke ist sehr schmal und die Kurven bei dem 1,2km-Rundkurs werden sicher recht eng werden. Nur noch zwei Minuten bis zum Start. Ich weiß immer noch nicht, mit welchem Tempo ich den Lauf angehen soll. Ich lasse mich einfach mal überraschen. Bei dieser krummen Distanz von 7,2 Kilometer ist der Druck eh nicht so groß. Der Moderator zählt die Sekunden runter und los geht’s.

Der Lauf:
Es dauert gerade einmal 23 Sekunden, bis ich über die Startlinie komme. Aufgrund der Chip-Messung werden mir diese ja nicht angerechnet. Dennoch habe ich nun einige Läufer vor mir, die es zu überholen gilt. Schon in der ersten Kurve wird mir bewusst, dass die erste der sechs Runden sehr anstrengend werden wird. Das Überholen, Abbremsen und Ausweichen erinnert mich ein wenig an den J.P. Morgan Lauf. Doch bereits gegen Ende der ersten Runde lockert sich das Feld etwas auf. Ich biege in die letzte Kurve der Runde ein und bin beeindruckt von der tollen Stimmung auf der Start- und Zielgeraden. Die Zuschauer feuern klasse an und die schmale Streckenführung unterstützt diesen Effekt noch. Auch der Moderator ist mit Leidenschaft dabei und heizt mit Musik im Hintergrund die Meute ein. Ich überquere Start/Ziel und höre plötzlich, wie mich jemand ruft. Es sind mein Sohn und meine hochschwangere Frau, die gekommen sind, um mich anzufeuern! 😀 Ich winke den Beiden voller Freude zu und gehe total motiviert in Runde 2. Es läuft gut und ich habe keine Probleme mein schnelles Tempo zu halten. Runde für Runde freue ich mich auf Start/Ziel, wo mich mein Junior und meine Frau anfeuern. Gelegentlich schnappe ich mir einen Becher Wasser. Die Straße ist an dieser Stelle etwas rutschig, aber mit meinen Adidas Adizero Tempo habe ich einen perfekten Halt. Über die Zeit mache ich mir gar nicht so viel Gedanken. Ich konzentriere mich voll und ganz auf’s Laufen und meine Liebsten. Die letzte Runde liegt vor mir. Ich ziehe das Tempo langsam ein wenig an. Die Schlusskurve in Sichtweite werde ich automatisch schneller. Bis zum Ziel sind es noch ca. 300 Meter. Ein Läufer neben mir überholt mich. Irgendwie packt es mich und ich beginne meinen Zielsprint viel früher als geplant. Ich erschrecke, wie viel Power noch in mir steckt und beschleunige ohne Ende. Das Tempo geht dabei rauf bis auf 2:22/km. Ich fliege förmlich ins Ziel und lauf direkt zu meinem Junior und meiner Frau.

Nach dem Lauf:
Vater & Sohn im ZielIch gebe meinem Junior High5 und muss erst einmal durchatmen. Die gestoppte Zeit kann ich nicht fassen. Die 32:34 bedeuten einen Durchschnitt von 4:31/km! Laut Garmin sogar noch schneller, was auch gut möglich ist, da ich weitestgehendst auf der Außenbahn lief und somit mehr als 7,2 Kilometer gelaufen bin. Ich hole mir etwas zu trinken und wir gehen gemeinsam noch kurz auf das Stadtfest. Danach geht’s nach Hause. Für das Parken im Parkhaus muss ich nichts bezahlen, da es mit der Startnummer ein Freiticket gab.

Fazit:
Tja, was soll ich sagen? So schlecht wie es Ende Mai noch beim Halbmarathon in Mannheim lief, so gut lief es vergangenen Samstag in Ludwigshafen. Total unerwartet haue ich solch eine für mich klasse Zeit raus. Dazu auch noch die tolle Unterstützung von meinem Junior und meiner hochschwangeren Frau, sowie der klasse Stimmung beim Lauf selbst. Schade nur, dass es keine 10km-Strecke war, denn dann wäre eine neue Bestzeit (46:49) gefallen. Dazu hätte ich die restlichen 2,8 Kilometer in einem 5:05er Schnitt laufen müssen. Das hätte ich locker geschafft. Sogar eine Sub45 wäre möglich gewesen. Schade, aber egal. Ich hatte richtig Freude an dem Lauf und bin mit einem Glücksgefühl wie schon lange nicht mehr nach einem Lauf nach Hause gefahren. Und mit der Gewissheit, ich kann es doch noch. 🙂

Pro:
+ exakt vermessen
+ tolle Atmosphäre auf der Start-/Zielgeraden
+ 6€ Startgeld (inkl. Funktionsshirt)
+ Parken kostenlos
+ Netto-Zeitmessung
+ angenehme Uhrzeit (18:30)

Contra:
– Gedränge auf Runde 1 und in den Kurven
– kein offizieller Fotoservice
– krumme Distanz
– Runden zählen 😉

4 Kommentare zu “Bericht „Ludwigshafener Stadtlauf“

  1. Laufhannes

    Der Lauf war der richtige Schub für dich. Genau dafür taugt so eine blöde Distanz.

    Jetzt heißt es aber, für den nächsten ernsthaften Lauf auch dennoch einmal richtig zu trainieren – nur dann ist die gute Umsetzung auch garantiert 😉

  2. Evchen

    Ah, so sehr wir Laufblogger mitleiden, wenn es mal schiefgeht oder einfach nciht klappt, so sehr freuen wir uns auch mit, wenn es paßt. Hast Du fein gemacht und das Grinsen und Bauchpinselgefühl hast Du zurecht!

  3. Brennr Autor des Beitrags

    @Laufhannes: Die Frage ist nur, wann der nächste ernsthafte Lauf sein wird. Aber ich stimme Dir zu, ein richtiges Training würde sich sicher bezahlt machen.

    @Evchen: Danke! 🙂 Der Lauf tat richtig gut.

  4. Michael / Leistungssteigerung

    Bei so krummen Laufstrecken-Kilometern habe ich mir angewöhnt gar nicht auf die Kilometerzahl zu achten sondern nur mein normales Lauftempo durchzuziehen. Dann ist es eigentlich auch egal wie viele Kilometer man läuft wenn eine bestimmte Kilometerzahl nicht überschritten wird. 😀

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