PMS: Post-Marathon-Syndrom

© djama - Fotolia.comInzwischen ist es fast sechs Wochen her, seitdem ich in Frankfurt meinen zweiten Marathon gelaufen bin. Während dieser Zeit habe ich nicht viel mehr Kilometer absolviert, als in einer einzigen Vorbereitungswoche. Auch wenn ich ursprünglich vorhatte, einen Gang zurückzuschalten, wollte ich dennoch auf 25-30 Wochenkilometer kommen. Dies gestaltet jedoch sich schwieriger, als erwartet. Nach dem Marathon hat sich so einiges geändert. Ich leide offensichtlich an einer ausgeprägten Form von PMS.

Nein, ich habe keine prämenstruelle Beschwerden. 😉 PMS steht in diesem Kontext für Post-Marathon-Syndrom (auf den Begriff hat mich der ewige Anfänger gebracht).
Was das ist? Es ist ein Phänomen, das bei manchen Läufern in der Zeit nach einem Marathon eintritt. Der „Kesselrunner“ beschreibt es eigentlich ganz gut.

5 Wochen vorm Marathon: “Diesen Scheiß tue ich mir nie wieder an”
5 Kilometer vorm Ziel: “Diesen Scheiß tue ich mir nie wieder an”
5 Minuten nach dem Ziel: “Wann ist der nächste Marathon?”
5 Tage nach dem Marathon: “Laufen? Och nö.”

(Quelle: www.kesselrunner.de)

Kurzum: Mangelnde Motivation. Das trifft es wohl am besten. Während der Vorbereitung bin ich bei Wind und Wetter raus, um meine Einheit zu absolvieren. Nun ist es so, dass mich Dunkelheit und leichter Regen bereits davon abhalten, meine Laufschuhe zu schnüren. Für was sollte ich auch raus? Wegen ein paar Kilometern im langsamen Tempo? Da kann ich auch zuhause bleiben und habe weniger Stress bzw. mehr Zeit für andere Dinge.

Die Marathonvorbereitung hat Spuren hinterlassen. Sie war anstrengend und forderte einiges von mir ab. Dabei war das Körperliche weniger das Problem, sondern das Zeitmanagement war die große Herausforderung. Auf Dauer ging das an die Substanz. Mein mentaler Akku ist leer und muss sich wohl erst einmal wieder langsam aufladen.

Wofür sollte ich mir auch den Stress geben? Einfach nur des Laufens Willen? Dann muss es nicht bei Nacht und Regen sein. Dann reicht auch ein Lauf am Wochenende. Aber reicht mir das wirklich? Nein, irgendwie nicht. Es fehlt mir der Ausgleich, das Ventil zum Alltag. Es ist ein Teufelskreis. Doch wie komme ich da wieder raus?

Vielleicht könnte es helfen, wenn ich meine Saison für 2013 plane bzw. meine Ziele definiere. Ok, habe ich getan. Zumindest ganz grob. Doch auch das motiviert mich nicht, da alles noch weit weg ist. Oder bei einem Lauf anmelden, der noch dieses Jahr stattfindet? Klingt erst einmal nicht schlecht. Eine neue Bestzeit wird dabei allerdings sicher nicht fallen. Doch wozu dann das alles? Nur aus Spaß? Dazu ist mir der Aufwand eigentlich zu groß. Früh aufstehen, im Halbschlaf die Startnummer abholen und dann womöglich noch bei kaltem Regenwetter eine 0815-Zeit laufen? Ob das aus dem Motivationsloch hilft? Ich weiß es nicht. Die Anmeldung für den Frankfurter Silvesterlauf ist zumindest raus.

Seit dem Marathon habe ich zudem das Gefühl, als hätte ich weniger Zeit zur Verfügung. Klar, ich stehe wieder mehr meiner Familie zur Verfügung, was ich drei Monate lang nur teilweise konnte. Doch auch sonst gibt es aktuell tausend Dinge, die ich erledigen muss. Zudem steht noch der 7. Geburtstag meines Sohnes und Weihnachten vor der Tür. Für Laufen bleibt zwangsläufig kaum Zeit, selbst wenn ich die Motivation wieder finden würde.

Doch was nun? Ganz einfach. Laufen. Jeder Kilometer zählt. Manchmal zwinge ich mich sogar dazu. Zum einen, damit ich mein Gewicht halbwegs unter Kontrolle halte (was in der Winterzeit schon schwierig genug ist). Zum anderen aber auch, um die Form nicht komplett zu verlieren. Ich weiß, dass ich irgendwann wieder Spaß am Laufen haben werde. Und damit ich dann nicht wieder beinahe bei Null anfangen muss, versuche ich meinen Leistungsstand zu konservieren. Das Runner’s Low wird auch wieder enden.

8 Kommentare zu “PMS: Post-Marathon-Syndrom

  1. ultraistgut

    War zu viel Stress für dich
    kein Wunder
    dass jetzt die Motivation fehlt
    aber sie wird wieder kommen
    vielleicht auch in anderer Form
    ich weiß
    wovon ich spreche
    einfach so laufen
    ist auch toll
    für mich das beste !! 😎
    Schöne Weihnachts- und Geburtstagszeit
    in diesem Alter brauchen deine Kinder dich besonders
    und auch das ist schön
    wie ich finde !! 😎

  2. Running Twin Marek

    Das geht uns doch allen so Christian. Ich bin nach dem Marathon eigentlich nur noch Wettkämpfe gelaufen und habe kaum mehr „trainiert“. Jetzt im Dezember habe ich noch gar nix getan. Und müssen wir deshalb ein schlechtes Gewissen haben? Nö. Das Jahr war anstrengend genug, der Körper (und auch der Geist!) braucht Zeit zum Erholen, geben wir sie ihm. Ist doch auch schön, wenn man wieder mehr Zeit für die Kids hat. Ich beginne das langsam wieder zu genießen. Der nächste Lauf kommt bestimmt. Und die Motivation auch.

  3. Andreas

    Wenn du mich fragst: Das muss alles auch so sein! Zum Laufjahr gehören neben dem Training und den Wettkämpfen auch die Erholungsphasen. Gönn sie dir! Und um diese Jahreszeit geht es mir genauso wie dir: Bei all den Leckereien ist die größte Laufmotivation, das Gewicht einigermaßen im Griff zu behalten 😉

  4. Chris

    Ich finde, du kannst dir auch gut diese „Freiheiten“ nehmen. Nach meinem Marathon, aber auch nach meinen Halbmarathon-Läufen kann es gut sein, dass ich in drei Wochen nur zweimal Laufen gehe. Ich geniesse dann andere Sache, erledige Dinge, die liegengeblieben sind.
    Ganz nebenbei gibt man dem Körper genau die Zeit, die er zum vollständigen Regenerieren wieder braucht. Und das ist, meiner Meinung nach, enorm wichtig. Es gibt ja eine Menge Beispiel von Läufern, die das sträflich missachtet haben. Die Quittung kommt – und dann ist es meistens schon zu spät…
    Also: Chillen – das ist bei uns das Modewort der jungen Generation… 😆

  5. Henrik

    Der Körper holt sich jetzt die unbedingt erforderliche Regeneration. Auch wenn du nicht den Eindruck hattest, dass dich die Vorbereitung an die Grenzen geführt hat, der Marathon an sich war eine Extrembelastung. Und das PMS ereilt wohl (zum Glück) jeden Hobbyläufer. Ich beginne jetzt wieder zu trainieren, aber es fällt mir immer noch schwer.

  6. Thorsten

    Hi, ist doch normal einen Durchhänger zu beommen. Ist doch bei allen Anderen Dingen doch auch so. Oder wie war es nach dem schreiben einer Diplomarbeit ? Oder sonstigen Ausarbeitungen. Man opfert sehr viel Zeit ..und stellt sich während man so viel Zeit investiert vor was man so alles dannach machen würde. Dann ist das Ziel erreicht und man fällt in ein „Loch“ Vielleicht solltest Du Dein ganzes Freizeitglück nicht unbedingt nur beim Laufen suchen. Haste weniger Lust zu Laufen dann trainiere doch mal was anderes. Sport in der Muckibude..oder Badminton oder sonstiges. Viele Profisportler regenerieren durch Sportarten die weit weg von ihrer eigentlichen Hauptsportart sind. Und bbekommen dadurch wieder Motivation und ganz WICHTIG SPAß an ihren Dingen. So weit das Wort zum Mittwoch 😉 Gruß Thorsten

  7. Jörg

    OH, wem sagst Du das, BEI mir ist es extrem. Ich kam seit dem Frankfurt Marathon 2011 gar nicht mehr auf die Beine. 2012 sollte MEIN Jahr werden, nun wurde es nach 3 Jahren Power und 6 Marathon, das erste NULL Jahr.
    Ich hoffe nur ich komme 2013 wieder in die Pötte und gestalte den Blog um, damit starte ich dann 2013 und für Berlin 2013 habe ich die Startnummer. Wenn ich es bis dann nicht Schaffe wieder auf die Beine zu kommen, steige ich auf Couching um 😉
    Eins kann ich nur sagen, wenn man das PMS zu lange laufen lässt, dann kommt man nicht mehr hoch und endet wie ich – 1. Jahr Pause und 10kg mehr…

  8. Din

    😀 Ja, das kennen wir Frauen 😉 Nein, aber im Ernst, nach einem Marathon denke ich meist, wie unfassbar toll das war. Aber ruck zuck meint mein Körper, er wolle dann doch nie wieder laufen.

    Mittlerweile hat sich dein Körper aber sicher wieder richtig gut erholt und ich wünsche dir auch im kommenden Jahr viele schöne Laufstunden.

    Frohe Weihnachten mit vielen freudigen Stunden im Kreise deiner Lieben.
    Din

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