Lang, aber nicht langweilig

Heidelberg LongRunAktuell bereite ich mich ja gerade auf den Jungfrau Marathon vor, der Mitte September stattfindet. Ich freue mich zwar schon sehr darauf, doch ich hasse (wie bei jeder Marathonvorbereitung) die langen Läufe. Es ist nicht die körperliche Belastung, die ich nicht mag. Nein, sie langweilen mich einfach. Da ist man drei Stunden unterwegs und der Lauf zieht sich wie Kaugummi. Anfangs ist noch alles ok und ich nutze die Zeit, um über unterschiedliche Dinge nachzudenken. Doch nach einer Stunde gehen mir die Themen aus. Musik kann ich nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr hören und auf Hörbücher kann ich mich auch keine drei Stunden konzentrieren. Aber die langen Läufe sind wichtig. Sie müssen sein. Also was tun, damit ich sie motiviert angehe und halbwegs gut gelaunt überstehe?

Die letzten drei Sonntage bin ich 27, 30 und 20 Kilometer gelaufen. Doch es waren keine gewöhnlichen langen Läufe, sondern jeweils sehr speziell. Für den ersten Lauf bin ich aufgrund mangelnder Zeit und schwülwarmen Temperaturen bereits um 5:15 Uhr aufgestanden und kurz vor sechs losgelaufen. Das frühe Aufstehen war für mich als bekennende Eule die eigentliche Herausforderung und ich bin echt stolz darauf, dass ich es durchgezogen hatte. Es war wirklich nicht einfach für mich. Mit Trinkrucksack und MP3-Player gewappnet lief ich nach Heidelberg. Und während ich das Lied „The Everlasting“ aus dem Album „This my truth, tell me yours“ der „Manic Street Preachers“ hörte (so früh brauchte ich sanfte Musik), ging über Heidelberg die Sonne auf. Das war Harmonie pur. Ich bekam Gänsehaut. Alleine deswegen hatte sich das Aufstehen gelohnt.
Heidelberg - Alte BrückeDie Strecke war mir zwar alles andere als unbekannt, aber um diese Uhrzeit hatte ich sie bisher noch nicht erlebt. Das sind ganz andere Eindrücke, die meine Augen wahrnehmen konnten. Die Natur erwachte und es waren nur sehr wenige Menschen unterwegs. Erst in Heidelberg traf ich auf ein paar Läufer, aber da hatte ich bereits 11 Kilometer hinter mir. Entlang am Neckarufer flussaufwärts zur Alten Brücke. Dort hielt ich kurz an, um die tolle Aussicht zu genießen. Ich liebe Heidelberg! A propos, ich nutzte die Gelegenheit und schaute am Liebesstein nach, ob das Schloss von meinem Schatz und mir noch hing. Danach über die Brücke und am anderen Ufer zurück nach Hause. Allerdings mit einem kleinen Umweg am Bäcker vorbei, denn ich wollte meinen Lieben frische Brötchen zum Frühstück mitbringen. Ich konnte zwar nicht gleich mitessen, aber es war dennoch ein schöner Abschluss dieses langen Laufs.

Vorletzten Sonntag stand dann der nächste Longjog an. Dieses Mal jedoch nicht am frühen Morgen. Dazu wäre ich auch nicht in der Lage gewesen. Dennoch wartete ein ganz besonderer Lauf auf mich – ein „Homerun“. Von Mannheim zu meinem Heimatort Waghäusel. Genau genommen zum Nachbarort, aber das ist ein Katzensprung. Die Herausforderung war dieses Mal, die richtigen Wege zu finden und sich nicht zu verlaufen. Diese Strecke fahre ich sonst nur mit dem Auto, doch auf der Bundesstraße laufen wäre keine gute Idee gewesen. Also musste ich mich abseits der Straße orientieren. Gar nicht so einfach, wenn Wälder und Naturschutzgebiete dazwischen liegen. 15 Uhr ging es los.
Schwetzinger SchlossMeine Frau und die Kinder fuhren mit dem Auto dorthin zu einer Freundin, während ich aus eigener Kraft die Strecke meistern wollte. Dieses Mal lief ich ohne Musik im Ohr, weil ich mich voll auf die Umgebung konzentrieren musste. Den Trinkrucksack hatte ich voll gefüllt, denn 27-28 Grad sind nicht ohne. Bis nach Schwetzingen lief es ohne Probleme. Kurzer Halt am Schloss und dann weiter. Aber wohin? Durch den Wald? Eigentlich gerne, aber wenn man den Weg nicht kennt, ist das schlecht. Ich entdeckte eine Fahrradroute und folgte dieser. Diese führte tatsächlich in Richtung Heimat. Dennoch war bei vielen Abzweigungen nicht immer eindeutig, welchen Weg ich nehmen musste. Das Handy im Rucksack war zwar beruhigend, doch mitten im Nirgendwo würde es auch nur bedingt helfen. Stück für Stück kam ich meiner Heimat entgegen und als ich die alten Silos der ehemaligen Zuckerfabrik sah, war das ein schönes und vertrautes Gefühl. Jetzt noch um den Badesee und ein wenig durch den Ort.
EntmüdungsbeckenEs zog sich am Ende doch mehr, als mir lieb war. Ich war richtig platt, als ich nach 30 Kilometern bei der Bekannten ankam. Aber auch wieder stolz. Nachdem ich mich mit dem Gartenschlauch abspritzte, durfte ich zur Erholung in den Pool. Das tat richtig gut.

Gestern wollte ich eigentlich wieder zwischen 25 und 30 Kilometer laufen, doch es klappte nicht. Ich hatte den ganzen Tag zu tun und als ich dann loslaufen wollte, zog ein Gewitter auf. Ich musste abwarten, wohin es zieht, denn damit ist nicht zu spaßen. Nachdem es vorüber war, beschloss ich in den Dossenwald zu gehen. Wenn ich einen Waldlauf mache, habe ich vorher keinen Bock auf Asphalt zu laufen. Daher nahm ich das Fahrrad und machte mich auf den Weg. Es fing leicht zu regnen an. War ja klar.
Routen im DossenwaldVom Parkplatz aus lief ich los. Ganz ohne Plan. Wenn man eh lange laufen möchte, ist es nicht schlimm, wenn man sich zu Beginn verläuft. Der Dossenwald ist sehr abwechslungsreich und hat auch ein paar recht hügelige Passagen. Der Regen wurde etwas stärker und ich spürte förmlich, wie der Wald atmete. Es war eine Wohltat für die Sinne. Aber auch für die Gelenke, denn der Waldboden federte angenehm. Ich liebe diesen Wald und wenn ich recht darüber nachdenke, laufe ich da viel zu selten. Gerne wäre ich noch länger als 20 Kilometer gelaufen, doch ich musste nach Hause. Aber das war ok. Und vielleicht war es für den Körper ganz gut, dass ich dieses Mal nicht noch einen draufgesetzt habe.

Wie geht es nun weiter? Für das kommende Wochenende habe ich bereits etwas auf dem Plan. Das Trail-Magazin und Asics veranstalten zusammen mit engelhorn sports den sogenannten „Revierguide“ in Schriesheim. Da ist unter anderem eine 20-30km-Runde mit rund 950 Höhenmetern dabei. Das klingt anstrengend. Aber in nicht ganz 40 Tagen warten 1.800 Höhenmeter auf mich. Daher wäre das ein perfektes Training. Ich hoffe nur, dass da auch ein paar Trail-Anfänger dabei sind. Ansonsten werde ich da gnadenlos untergehen und eine Bremse möchte ich nicht sein. Mal sehen. Der Berg ruft! 😉

Impressionen
Heidelberg - Neckarwiese Heidelberg - Neckarufer Heidelberg - Alte Brücke
Heidelberg - Liebesstein Versorgungsstelle - Bäcker Heimat - nicht mehr weit

10 Kommentare zu “Lang, aber nicht langweilig

  1. ultraistgut

    Was gibt es Schöneres
    als mit Blick auf das Heidelberger Schloss zu trainieren
    läuft alles richtig gut
    viel Glück für die weiteren Vorbereitungen auf DEIN großes Ziel 😎

  2. Andreas

    Das hört sich doch richtig gut an 😉 Und langsam bist du auch nicht unterwegs bei deinen langen Läufen (und trotz der Temperaturen). Ich drück dir die Daumen, dass weiterhin alles gut klappt mit der Vorbereitung und du bestens trainiert an den Start gehen kannst.

  3. Markus

    Der Lauf am frühe Morgen ist immer ein Genuß!
    Wenn noch alles um dich herum schläft, die ersten Vögel, Eichhörnchen, etc. erwachen und dann die Sonne aufgeht, was gibt es beruhigerendes und schöneres? Na gut, dabei laufen zu dürfen 🙂

  4. Wiesel

    Der Countdown läuft ja unaufhaltsam runter von daher kann es sicher nicht schaden lang und v. a. mit Höhenmetern zu laufen. Wobei bei einem Lauf wie dem Jungfrau Marathon steht die Zeit so oder so nicht im Vordergrund da die Zeit nur mit Zeiten auf der gleichen Strecke vergleichbar ist. Demnach entspannt rangehen 🙂

    Wieso suchst du dir nicht einen oder mehrere Mitläufer für den langen Lauf. Dann geht die Zeit viel schneller um und du hast nicht so viel Zeit dich mit dem „Leiden“ zu beschäftigen?

  5. Chris

    He! Du kommst in die Schweiz! Cool! Du hast dir ja echt was vorgenommen. Die Situation beim Sonnenaufgang, die du beschreibst, ist typisch für die langen Läufe. Da ist man auch ganz anders auf „Antenne“. Augenblicke, an die man sich auch noch Jahre später erinnert.

  6. Laufhannes

    Na, da hast du doch zumindest ein paar Möglichkeiten gefunden, so einen langen Lauf doch noch irgendwie über die Runden zu bringen 😉

    Für mich ist die Strecke dabei das A und O. Wenn ich eine besondere bzw. unbekannte Strecke laufe, liegt der Fokus automatisch auf der Orientierung. Dazu plane ich die Strecke gerne mit gpsies und laufe sie mit der Uhr ab.

    Ich habe meist aber auch nichts gegen die langweiligen Läufe und kann mich mit der Musik wunderbar über die Zeit retten. Da genügt dann auch die 0815-Strecke, die jedes Mal gelaufen wird.

  7. Frank

    Ja, bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu laufen, ist wirklich ein Genuss, besonders auf relativ einsamen Strecken, wo nicht so viele andere Läufer unterwegs sind. Das Problem mit den langen Läufen und der Langeweile kenne ich aber auch und bei mir funktionieren Hörbücher auch überhaupt nicht, da ich gedanklich dann dann oft abschweife. Das einzige, was funktioniert, ist neue Musik. So höre ich oft Alben, die ich noch nicht kenne und in Verbindung mit der Natur ist das ein super Erlebnis. Ich freue mich oft schon Stunden vor dem Laufen richtig darauf, besonders wenn meine Lieblingsband was Neues herausbringt.

  8. Claudius

    Ich freue mich schon auf deinen Bericht zum Jungfrau Marathon. Finde Marathon laufen im „flachen Gelände“ schon heftig…..wenn dann auch noch die Höhenmeter dazu kommen….puuuuuuuuuuh …. viel Erfolg bei diesem Vorhaben.

    Grüße

  9. Brennr Autor des Beitrags

    Im Nachhinein denke ich, dass die langen Läufe ausreichend waren. Nur hätten es doch noch mehr Höhenmeter sein müssen, um den permanenten steilen Aufstieg in der zweiten Hälfte besser zu bewältigen.

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