Medaille kommt von Metall

PfalzTrail Holzmedaille

Medaille – Das Fremdwort stammt aus dem Französischen (französisch médaille), das sich aus dem Wort für Metall (lateinisch metallum) ableitete, wobei der Wandel von „t“ zu „d“ aus dem Galloromanischen zu erklären ist. Medaille ist eine Augmentativbildung zu „kleine Münze“ (italienisch medaglia), morphologisch zugehörig ist das Medaillon.

Dies ist die Definition von Medaille, die auf Wikipedia zu finden ist. Demnach ist eine Medaille ihrem Ursprung nach aus Metall. Aktuell ist jedoch bei Laufveranstaltungen ein Trend zu beobachten, dass immer mehr Finisher-Medaillen aus Holz sind. Doch warum ist das so?

Als Hauptgrund wird eigentlich immer das Argument der “Nachhaltigkeit” genannt. Da mag ja vielleicht was dran sein, doch auf mich wirkt es eher wie “Greenwashing”. Wieso? Wenn ich an den Versorgungsständen immer noch Einweg-Plastikbecher sehe, dann ist das mit der Nachhaltigkeit nicht wirklich konsequent zu Ende gedacht. Hinzu kommt, dass ich Zweifel habe, ob die Holzmedaillen tatsächlich nachhaltig produziert werden oder nicht sogar aus Fernost kommen.


Haben die Veranstalter eventuell sogar Sorge vor einem Shitstorm, weil ja das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz aktuell sehr präsent ist und schnell vorwurfsvoll mit Finger auf einen gezeigt wird? Oder ist es letztendlich vielleicht die Kostenersparnis, die sie zu diesem Trend bewegt? Klar, die Pandemie hat bei vielen Laufveranstalter finanzielle Spuren hinterlassen. Manche finden deswegen sogar nicht mehr statt (z.B. Dämmermarathon Mannheim). Allerdings sind auch die Startgebühren deutlich gestiegen und manche Veranstaltungen bieten weiterhin eine schöne Medaille an. So z.B. der Berliner Halbmarathon, dessen diesjährige Medaille ich absolut klasse finde. Auch die Medaillen des Hamburg Marathons sind immer sehr gelungen. Ich mag es sowieso, wenn die Medaille etwas Individuelles hat, das zum Lauf bzw. zur Stadt passt.

Ja, ich weiß, dass es viele Läufer gibt, denen eine Medaille gar nicht so wichtig ist. Und oft bekomme ich auch zu hören, dass man sich die Medaillen nach wenigen Tagen eh nicht mehr anschaut und sie schon nach kurzer Zeit in irgendeiner Kiste landen. Manchen sind Urkunden, die sie ausdrucken können, wichtiger. Damit kann ich z.B. gar nichts anfangen. Vor allem nicht, wenn ich sie selbst ausdrucken muss. Eine Medaille ist etwas, auf das ich bei einem Lauf hinarbeite und mich darauf freue. Es geht mir vor allem um den Moment im Ziel, wenn ich es geschafft habe und eine “Belohnung” erhalte. Klar, ich laufe in erster Linie für mich und nicht für eine Medaille. Dennoch ist es eine Art Anerkennung meiner Leistung und ich fühle mich in diesem Moment vom Veranstalter wertgeschätzt. Dafür, dass ich mich bei seinem Lauf angemeldet, sowie dafür bezahlt und trainiert habe. Wenn ich dann aber eine billige Holzmedaille um den Hals gehängt bekomme, bin ich ehrlich gesagt enttäuscht.

So geschehen gestern beim PfalzTrail. Ich meldete mich kurzfristig an (45 EUR für einen 22km-Traillauf mit 550HM), war verletzungsbedingt nicht gut vorbereitet und kämpfte mich ins Ziel. Ich war stolz, es irgendwie durchgezogen zu haben. Doch die hölzerne Finisher-Medaille hatte ich schon vor dem Start gesehen. Normalerweise wäre das nochmal eine echte Motivation gewesen, aber gestern war ich schon vor dem Lauf enttäuscht. Das merkte ich dann auch während des Laufs. Im Ziel dieses billige Stück umgehängt zu bekommen, war einfach nicht angemessen. Das Holz der Medaille ist super leicht und ich hatte Angst, dass ich sie beim Anfassen kaputt mache. Sie erinnert mich an den Technikunterricht in meiner Schulzeit, als ich mit einer Laubsäge dünnes Sperrholz bearbeitete. Das Motiv ist eingebrannt (wobei ich gesehen habe, dass dies bei anderen Medaillen unterschiedlich stark war). Das Ganze an einem einfachen Metallanhänger befestigt.


Sicher kann man auch damit argumentieren, dass gerade bei einem Traillauf eine Medaille aus Holz gar nicht mal unpassend ist. Wertig finde ich das trotzdem nicht und wenn schon, dann kann man sie durchaus schöner gestalten (siehe z.B. EcoTrail Paris). Ein Freund von Holzmedaillen werde ich dennoch nicht werden. Es ist ein Trend, den ich sehr schade finde und bei dem ich der Meinung bin, dass sich die Laufveranstalter dabei auf dem Holzweg befinden. Ich hoffe, dass sich dies nicht dauerhaft durchsetzt. Allerdings befürchte ich, dass auch der Trailmarathon Heidelberg im Herbst erstmalig eine Holzmedaille bekommen wird. Wahrscheinlich auch der Zugspitz Ultratrail (bei dem ich beim GaPa starte), denn der hatte letztes Jahr bereits eine Holzmedaille.

Abschließend denke ich, dass die Veranstalter deswegen auf den Holzmedaillen-Zug aufspringen, weil es sich gut vermarkten lässt (Greenwashing) und sie dabei noch Geld sparen. Das Argument der Nachhaltigkeit halte ich für unglaubwürdig. Ich werde zukünftig im Vorfeld in Erfahrung bringen, ob es bei einer Laufveranstaltung eine Holzmedaille gibt. Falls ja, werde ich mir meine Teilnahme nochmal überlegen und nach Alternativen schauen. Das muss nicht jeder verstehen, aber angesichts der hohen Startgebühren habe ich auch eine gewisse Erwartungshaltung.


PS: Was ich übrigens sehr interessant finde, ist die Tatsache, dass ich auf Instagramm enorm viel Zustimmung erhalten habe. Noch nie bekam ich für eine Insta-Story so viele Nachrichten. Dabei hatte ich schon befürchtet, dass ich nun einen Shitstorm erhalte.

Weitere Meinung eines Laufbloggers:
https://derneuestefan.com/2023/07/20/gegen-holzmedaillen-im-laufsport/

7 Kommentare zu “Medaille kommt von Metall

  1. Adam

    Bei mir läuft’s ein bisschen anders. Eine Medaille ist mir nicht wichtig, und auch Urkunden bedeuten mir nicht so viel. Aber Startnummern sammle ich gern als Erinnerungsstücke, damit ich mich immer daran erinnern kann, wo ich schon überall gelaufen bin.

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Oh ja, meine Startnummern habe ich auch alle noch. Hab sie auch mal alle an die Wand gehangen. Sind inzwischen jedoch zu viele.

  2. Wiesel

    Medaillen landen bei mir, genau wie du schreibst, schnell in der Kiste. Ehrlich gesagt hole ich diese eigentlich auch nie wieder hervor. Vielleicht wenn eine neue Medaille in die Kiste kommt. Bei mir sind es eher die Bilder und meine Aufzeichnungen zu den Läufen, die ich gerne nutze um mich daran zurück zu erinnern. Aber so hat halt jeder seins :-)

  3. Christian Kellermann

    Ich war lange Zeit kein Medaillen Typ, seitdem mir die Medaille nur in die Hand gedrückt wurde, hat sich der Stellenwert der Medaille für mich sehr stark geändert. Motiv sollten zur Stadt /Veranstaltung passen , aber ist mir wie das Material eher nebensächlich.

    Das werschätzende und nach olympia anmutente Umhängezermonie ist mir mittlerweile wichtiger als alles andere..

    Meine Medaillen hängen wie ein Windspiel im Flur, klimpern schön , während die Startnummer und Urkunde in einer Box bzw Ordner verschwinden.

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Genau, das Umhängen der Medaille finde ich auch wichtig. Wenn ich sie nur in die Hand gedrückt bekomme und mir selbst umhängen soll, dann fühlt sich das seltsam und nicht wertschätzend an. Den Fall hatte ich leider auch schon.

  4. Anna

    Es ist interessant zu sehen, wie sich die Tradition der Metallmedaillen zugunsten von Holzmedaillen ändert und welche verschiedenen Perspektiven dies hervorruft. Dein Beitrag bietet eine tiefe Reflexion über die Bedeutung von Medaillen für Läufer und die vielschichtigen Gründe hinter diesem Trend. Es ist wichtig, solche Diskussionen zu führen, um das Bewusstsein für die Entscheidungen der Veranstalter und die Erwartungen der Teilnehmer zu schärfen.

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