Bericht „Mannheim City Loops – Pferderennbahn“

Galopper des JahresLetzten Sonntag fand der erste von drei Läufen der kleinen „Mannheim City Loops 2010“-Serie statt. Austragungsort war die Pferderennbahn in Seckenheim, die quasi vor meiner Haustür liegt. Nachdem mir letztes Jahr eine Teilnahme verletzungsbedingt versagt blieb, freute ich mich dieses Jahr um so mehr. Zwar blieb mir nach dem Halbmarathon nur eine Woche Erholungspause, doch ich fühlte mich gut.

Vor dem Lauf:
Da der Lauf erst um 12:15 startete, konnte ich noch ein leichtes Frühstück zu mir nehmen. Ich zog gegen 11:15 meine Laufsachen an und machte mich auf den Weg zur Pferderennbahn. Dort auf dem Parkplatz angekommen, zeigte ich dem Zuweiser meinen Anmeldebestätigung vor und konnte kostenlos parken (für Besucher des Pferderennens kostet es normalerweise zwei Euro). Auf dem Gelände der Rennbahn war alles gut ausgeschildert. Ich holte meine Startnummer (mit integriertem Transponder-Chip) ab und hinterlegte meine Tasche beim Kleiderdepot. Anschließend lief ich mich ein wenig auf der Strecke warm, auf der ursprünglich fünf Runden à einem Kilometer angedacht waren. Da es aber am Tag zuvor stark geregnet hatte, entschloss sich der Veranstalter, dass nicht auf der Innenbahn, sondern auf der Außenbahn gestartet wird. Im Anschluss an dem Lauf fand nämlich ein Pferderennen statt und für die Pferde sollte der Rasen geschont werden. Diese kurzfristige Änderung wurde mehrfach über die Lautsprecher verkündet, so dass es jeder mitbekam. Zwar bin ich noch nie auf Rasen gelaufen, doch als langjähriger Fußballspieler wusste ich, dass ich einen flachen Schuh mit möglichst wenig Dämpfung wählen sollte, um nicht zu viel Energie zu verlieren. Meine Schuhwahl (Mizuno Elixir 2) war zwar richtig, dennoch sollte ich einen nicht unerheblichen Energieverlust zu spüren bekommen.

Der Lauf: (dieses Mal im Präsens)
Es ist 12:13 und die Läufer positionieren sich im Startbereich. Der Mann am Mikro verkündet, dass sich der Start noch ein wenig verzögern würde. Grund hierfür wäre eine etwas ältere Teilnehmerin, auf die wir doch bitte noch warten möchten. Für das Teilnehmerfeld ist das kein Problem. Im Gegenteil, wir feuern die Dame sogar freundlich an. Die Stimmung ist allgemein ausgesprochen gut und gelassen. Als die Dame schließlich kommt, entdecke ich meine Frau und meinen Sohn vom Eingang kommend. Sie haben es doch noch rechtzeitig geschafft. Der Mann am Mikro zählt kurz darauf den Countdown runter und dann geht es los.
Vom hinteren Drittel des Feldes gehe ich die erste Kurve an und lasse mich dabei von den Läufern vor mir zu einem etwas zu schnellen Anfangstempo verleiten. Bereits jetzt merke ich, dass das Laufen auf Gras ganz anders ist. Meine Füße bekommen weniger Feedback und die Abstoßphase kostet etwas mehr Kraft. Ich versuche von Beginn an vor allem in den Kurven Ideallinie zu laufen, um nicht unnötige zusätzliche Meter zu machen. Nach der ersten Kurve überhole ich bereits die ersten Läufer. „Gehe ich es zu schnell an?“ schießt es mir durch den Kopf. Nein, ich fühle mich gut und habe inzwischen eh schon mein Tempo ein wenig gedrosselt. Nach der zweiten Kurve kommt die Zielgerade, die mich ganz unbewusst schneller werden lässt. Grund ist wohl die Tribüne an der Seite, wo auch meine Frau und mein Sohn sitzen (der mich mit seiner Kinder-Vuvuzela anfeuert). Ich überquere die Start-/Ziellinie und drücke die Rundentaste meiner Forerunner. Sie zeigt mir einen Schnitt von 4’46“ an. Ich bin ein wenig erschrocken über das relativ hohe Tempo und beschließe die nächste Runde etwas langsamer anzugehen. Schließlich habe ich noch drei Runden vor mir.
Das Teilnehmerfeld hat sich inzwischen ein wenig auseinandergezogen, so dass das Laufen in den Kurven angenehmer ist. Auf dem Rasen ist bereits nach der ersten Runde ein schmaler Pfad zu erkennen. Ich merke sofort, wenn ich vesehentlich von dieser entstandenen Ideallinie abweiche. Auf der Gegengeraden überhole ich noch schnell zwei etwas langsamere Läufer, bevor es wieder in die Kurve geht. Nach und nach finde ich vor mir ein paar Läufer, an denen ich mich tempomäßig orientieren kann. Die Zielgerade gibt mir auch Ende der zweiten Runde wieder einen kleinen Schub. Dennoch schaffe ich es, diese etwas langsamer zu beenden. Das Tempo fühlt sich gut an und ich beschließe, es erst einmal beizubehalten.
Nach der ersten Kurve der dritten Runde spüre ich dann den durch den Untergrund bedingten Kräfteverschleiß in den Beinen. Egal, mehr als die Hälfte habe ich ja bereits hinter mir. Ich halte weiterhin mein Tempo und biege in die zweite Kurve ein. Plötzlich werde ich von einem Läufer überholt. Kurz darauf nochmal. Sieht wie ein Endspurt aus. Bin ich etwa schon auf der Schlussrunde und habe mich verzählt? Nein, das kann nicht sein. Ich schaue mir das Tempo der Beiden genauer an und mir wird bewusst, ich wurde soeben überrundet. Und das nach noch nicht einmal drei Runden! Und wenn schon, ich bin heute auch nicht unbedingt langsam unterwegs. Zumindest nicht für meine Verhältnisse. Es läuft gut und ich biege in die Zielgerade ein. Mein Junior feuert mich von der Tribüne aus an und ich rufe ihm zu, dass ich nur noch eine Runde laufen muss. Nach der Start-/Ziellinie drücke ich erneut die Rundentaste meiner Forerunner und stelle fest, dass ich das Tempo von der zweiten Runden halten konnte. Doch nun muss ich aufpassen, dass ich nicht zu früh zur Endbeschleunigung ansetze. Schließlich habe ich noch über einen Kilometer vor mir. Bei einem Halbmarathon wäre das noch ok, aber bei einem kurzen Lauf in diesem Tempo und bei dem Untergrund eher nicht. Trotzdem werde ich unweigerlich schneller.
Auf der Gegengeraden sehe ich nun Läufer vor mir, die sich überschätzt bzw. den Untergrund unterschätzt haben. Sie werden immer langsamer, so dass ich noch vor der Schlusskurve zum Überholen ansetze. In der Kurve dann ein Läufer vor mir, der bereits das Tempo ein wenig verschärft. Ich halte mich an ihm. Könnte ein gleichwertiges Duell bis zum Ziel geben. Auf der finalen Zielgeraden schere ich aus, ziehe mein Tempo an und überhole ihn. Einen kurzen Moment versucht er mitzuhalten, fällt aber plötzlich überraschend zurück. Vor mir kein weiterer Läufer, den ich noch einholen könnte. Egal. Ich beschleunige immer mehr, je näher ich dem Ziel komme und hole nochmal alles aus mir raus. Erschöpft, aber auch extrem zufrieden überquere ich die Zeitmessungsmatte im Ziel. Ich stoppe meine Forerunner und lese eine Zielzeit von 23’10“ ab. Jetzt heißt es erst einmal „Luft holen“. Ich atme kurz durch und mache mich gleich danach auf zu Frau & Kind.

Nach dem Lauf:
Mannheim City Loops - PferderennbahnMein Junior gab mir noch „High5“ und dann mussten sie auch schon wieder gehen, da er vom Kindergarten aus einen Auftritt beim Gemeindefest hatte. So konnte er leider nicht beim anschließenden Pferderennen zuschauen, das für die Teilnehmer und deren Angehörigen kostenlos war. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr.
Ich begab mich dann zum Streckenzugang bzw. –ausgang, wo es einen kleinen Stand gab, an dem man kostenlos CAPS und Energieriegel bekam. Von dort aus feuerte ich die restlichen Läufer an, die ins Ziel kamen. Eine etwas ältere Dame bekam besonders viel Beifall. Sie kam zwar mit Abstand als Letzte ins Ziel, dennoch hat sie sich auf dem kräfteraubenden Untergrund wacker geschlagen. Insgesamt war die Veranstaltung sehr locker und familiär.
Im Anschluss gab es dann die Siegerehrung der jeweils drei Erstplatzierten. Sie bekamen Urkunde und Pokal und durften sich auf das Siegerpodest stellen, das normalerweise den Jockeys vorenthalten ist. Der schnellste Mann lief 16’49“ und die schnellste Frau 18’55“. Beeindruckende Zeiten für einen solch kleinen Lauf (51 Teilnehmer). Ich wurde laut Ergebnisliste 18. gesamt und 6. in meiner Altersklasse (20-39 Jahre. In der Ergebnisliste steht jedoch M20 anstatt MHK. Sehr schmeichelhaft.). Gar nicht mal so schlecht, oder? Quasi: „Galopper des Jahres“ in der Wertung „schnellster Blogger auf Rasen“ 😆
Gar nicht einmal so unwahrscheinlich, denn ich kenne eigentlich keine weiteren offizielle Läufe auf Rasen (nicht Cross).
Gegen Ende der Siegerehrung begann es zu regnen und ich machte mich auf den Heimweg. Schließlich wollte ich ja nicht den Auftritt meines Juniors verpassen.

Fazit:
Der erste Lauf der „Mannheim City-Loops“-Serie war in meinen Augen echt gut gelungen. Die Veranstaltung war gut organisiert, die Stimmung untereinander locker und die Strecke sehr außergewöhnlich. Und wenn dann noch die eigene Leistung stimmt, was will man mehr? Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch. Ich bezweifle, dass die Strecke tatsächlich 5 Kilometer lang war. Meine Forerunner erfasste jede Runde mit einer Länge von fast genau 1,2 Kilometern. Insgesamt ermittelte sie 4,82 Kilometer. Beim Betrachten der aufgezeichneten Strecke auf „Garmin Connect“ konnte ich keine Ausreißer erkennen. Ich glaube schon, dass die Innenbahn exakt 1 Kilometer lang ist. Aber wir mussten ja auf die Außenbahn ausweichen. Diese ist eventuell tatsächlich 1,25 Kilometer lang, aber vielleicht konnte sie nicht exakt absteckt werden. Wären es wirklich 5 Kilometer gewesen, dann wäre ich einen Schnitt von 4’38″/km gelaufen, was ich nicht ganz glauben kann. Meine Forerunner gibt mir dagegen einen Schnitt von 4’48″/km an, den ich für realistischer halte. Aber selbst damit bin ich mehr als zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich unter 5 Minuten bleibe. Ich freue mich schon auf den zweiten Lauf am „Strandbad“ am 9. Oktober.

Laufdaten: http://connect.garmin.com/activity/50584716

Bilder:
Mannheim City Loops - Pferderennbahn Mannheim City Loops - Pferderennbahn Mannheim City Loops - Pferderennbahn Mannheim City Loops - Pferderennbahn Mannheim City Loops - Pferderennbahn

6 Kommentare zu “Bericht „Mannheim City Loops – Pferderennbahn“

  1. Hannes

    51 Teilnehmer? Ach wie süß! So kleine Läufe mag ich ja, wenn man da ein wenig auf die Platzierung schauen kann. Gibt ja noch ein nächstes Jahr …

    Dir Glückwunsch zu der Zeit! Das macht doch Vorfreude auf den Hockenheimringlauf 😉

  2. Brennr Autor des Beitrags

    @Hannes: Danke! Mal sehen, vielleicht ist in Hockenheim eine sub48 drin. Aber dazu müsste ich das Tempo von der Pferderennbahn doppelt so lang halten. 😐

  3. Pierle

    Witzige Idee – diese City-Loops Geschichte.

    Auf Rasen laufen stell ich mir aber seeehr ungewohnt und anstrengend vor.

    Dass du auf Rasen solche Zeiten hinlegt, Respekt ❗

  4. Andreas

    Galopper des Jahres finde ich gut 😉 Stelle ich mir spannend – und anstrengend – vor, so auf Rasen zu laufen. Mehr als 4 Runden dürften es aber auch nicht sein, sonst fängt man am Ende noch an zu wiehern 😉

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