Bericht „Mannheim Halbmarathon 2011“

MLP Marathon Mannheim 2011 - es läuft nichtVor einer Woche nahm ich am MLP Marathon Mannheim auf der halben Distanz teil. Mit einer ganz bestimmten und nicht gerade geringen Erwartungshaltung (persönliche Bestzeit) ging ich an den Start. Dass ich dieser letztendlich nicht gerecht werden konnte, habe ich bereits berichtet. Wie es jedoch dazu kam und wie ich mich fühlte, möchte ich nun mit diesem Bericht kurz wiedergeben.

Der Tag vorher:
Die Startnummer wollte ich unbedingt schon am Tag zuvor abholen, um diesen Stress am Wettkampftag zu vermeiden. Leider musste ich länger als geplant arbeiten, sodass ich recht spät zum Rosengarten kam. Die Ausgabe und die Messe fand dieses Mal nicht im Erdgeschoss, sondern im Obergeschoss statt. Dort wirkte das Ganze etwas übersichtlicher und aufgeräumter. Ich holte meine Startunterlagen ab und meldete noch meinen Sohn für den Bambini-Lauf an. Danach schaute ich noch kurz bei der Pasta-Party vorbei und machte mich anschließend auf den Heimweg.

Vor dem Start:
Da der Bambini-Lauf bereits um 17 Uhr (Hauptlauf um 18:30 Uhr) startete, machte ich mich mit meinem Junior und meinen Eltern um kurz vor 16 Uhr auf den Weg. Ich kannte das erhöhte Verkehrsaufkommen, die gesperrten Straßen und die Parkplatzprobleme bereits aus den Vorjahren. So kamen wir rechtzeitig zum Startbereich und freuten uns auf den Lauf. Leider rannten mal wieder viele Kinder wild und achtlos nach dem Startschuss los, sodass einige stürtzten und Tränen vergossen. Ganz bewusst habe ich mich deswegen mit meinem Junior etwas weiter hinten eingeordnet, damit wir dem Chaos aus dem Weg gehen konnten. Schließlich soll so ein Lauf Spaß machen und nicht in Tränen enden. Mein Junior und ich hatten diesen Spaß und wir liefen die ca. 400 Meter lange Strecke vorbei an den anfeuernden Zuschauermenge. Dennoch kam ich aufgrund der Schwüle etwas ins Schwitzen.
Gewinner des internen FamilienduellsIm Ziel bekam mein Junior dann seine verdiente Medaille, sowie einen Beutel mit u.a. Apfel und Getränk. Nun war es Zeit, dass ich mich für meinen Lauf vorbereitete. Ich verabschiedete mich von meinem Sohn und meine Eltern fuhren ihn nach Hause zu meiner hochschwangeren Frau, die bei diesen hohen Temperaturen verständlicherweise lieber daheim bleiben wollte. Ich zog mich im Parkhaus um und begab mich zu den Startblöcken. Dort hielt ich Ausschau nach Gerd und einem ehemaligen Fußballkollegen, die ich jedoch beide leider nicht ausfindig machen konnte. Ich lief mich kurz warm und ordnete mich anschließend in meinen zugeteilten Startblock ein. Dort traf ich zufällig einen alten Bekannten, den schon ewig nicht mehr gesehen hatte und unterhielt mich mit ihm bis zum Startschuss. Seine Wunschzeit war eine Sub 1:40, die er am Ende tatsächlich um wenige Sekunden unterschreiten sollte.

Der Start:
MLP Marathon Mannheim 2011 - Der StartPünktlich um 18:30 fällt der Startschuss. Der Himmel ist inzwischen bewölkt und lässt keine direkte Sonne durch, sodass die Temperaturen nicht mehr ganz so hoch sind. Ich hoffe, dass dies so bleibt und gehe nach Überschreiten der Startlinie den Lauf mit einem Tempo von ca. 5’15″/km an, was einer Zielzeit von um die 1:50 entsprechen würde. Ich traue mir dieses Tempo unter diesen Bedingungen zu und setze alles auf eine Karte. Wenn das Wetter so bleibt, gut. Wenn nicht, mal sehen. Es läuft ganz gut, muss jedoch darauf achten, es nicht zu übertreiben.

Der Lauf:
Drei Kilometer sind bereits im Sack, doch nun kommt plötzlich wieder die Sonne raus, was sich temperaturmäßig sofort bemerkbar macht. Ich zweifle, ob ich das Tempo auf Dauer halten kann, entschließe mich jedoch, es erst einmal beizubehalten. Nach fünf Kilometern die erste Versorgungsstelle, die ich schon sehnlichst erwarte. Ich schnappe mir zwei Becher. Den einen trinke ich während ich weiterlaufe und den anderen schütte ich mir zur Kühlung über den Kopf. Dennoch muss ich feststellen, dass mein Puls zu diesem Zeitpunkt zu hoch ist. Zwischen 5 und 10 Schläge höher als normal bei diesem Tempo. Ich achte nun noch mehr darauf, dass ich mein geplantes Tempo nicht überschreite.
Nach sechs, sieben Kilometern fällt es mir nun jedoch etwas schwer, dieses Tempo überhaupt zu halten. Bei Kilometer 7,5 kommt jetzt die nächste Versorgungsstelle. Leider wieder nur auf einer Seite, sodass die Läufer kreuz und quer laufen müssen. Ich möchte mir wieder zwei Becher schnappen, doch es steht nichts da! Die Helfer kommen mit der Ausgabe nicht nach. Eine gefühlte Ewigkeit (ca. 30-40 Sekunden) stehe ich da und warte auf einen Becher. Ohne Flüssigkeitsaufnahme kann ich nicht weiterlaufen und muss somit wohl oder übel warten. Endlich bekomme ich etwas und kann weiterlaufen. Doch mein Blick auf die Uhr gefällt mir nicht. Eine Sub 1:50 kann ich mir bei der Hitze und diesem unnötigen Zeitverlust wohl abschminken. Ich konzentriere mich nun auf das Erreichen der persönlichen Bestzeit (unter 1:53’41“).
MLP Marathon Mannheim 2011 - müde BeineDoch der Zwischenstopp macht mir zu schaffen. Die Beine werden etwas schwer und mein Puls ist zu hoch. Es läuft nicht gut. Voller Wut über die Verpflegungsstelle und den bisherigen Verlauf des Rennens würde ich am liebsten jetzt nicht dem Strecke links ins Feld folgen, sondern gerade aus nach Hause laufen. Ich bin echt kurz davor, den Wettkampf aufzugeben. Doch Aufgeben ist nicht mein Ding. Außerdem wäre es nicht fair gegenüber den ganzen Zielzeittippern, was jedoch nicht der Grund für meine Entscheidung sein soll. Ich muss an meine Frau denken, die vielleicht doch noch im Ziel auf mich wartet und sich bei einer Aufgabe Sorgen machen würde. Auch an meinen Sohn muss ich denken, der davon ausgeht, dass ich ebenfalls eine Medaille hole.
Ich laufe also weiter, in der Hoffnung, dass sich mein Zustand bessern würde. Das Tempo verringere ich nun auf 5’25″/km, womit eine Bestzeit noch im Bereich des Möglichen wäre. Über eine kleine Brücke geht es nach Seckenheim. Die tolle Stimmung vom Vorjahr habe ich noch in Erinnerung und erhoffe mir nun einen kleinen Motivationsschub. Die Stimmung ist auch dieses Jahr wieder echt klasse, doch es läuft bei mir nicht besser. Im Gegenteil. Bei Kilometer 11 geht mein Puls ganz plötzlich 10-15 Schläge hoch und mein Hals schnürt sich ein wenig zu. Ich halte sofort am Streckenrand an. Zufällig genau bei einem Sanitäter, der mir sofort Wasser anbietet. Mein Puls braucht zwei, drei Minuten, bis er sich wieder beruhigt. Somit ist nun auch eine neue Bestzeit nicht mehr möglich. Ich resigniere und atme erst einmal in Ruhe durch. Doch was nun? Weiterlaufen oder aufgeben? Ich beschließe, von jetzt an nur noch nach Puls zu laufen. Sollte er sich trotz deutlicher Reduzierung des Tempos wieder stark erhöhen, breche ich ab. Meine Gesundheit möchte ich nicht riskieren.
Mein Plan geht zunächst auf. Mit einem Schnitt etwas über 6’00″/km bewältige ich die nächsten Kilometer. Doch nun werden die Beine müde und die Kraft lässt nach. Kann das sein? Habe ich die Distanz unterschätzt? Oder liegt das nur an den läuferunfreundlichen Witterungsbedingungen? Ok, das Problem habe alle. Doch ich glaube, dass die etwas schwereren Läufer mehr darunter leiden. Egal, ich muss mein Tempo noch mehr verringern, um meinen Puls konstant zu halten. Ich kämpfe und habe nur noch das Ziel im Auge. Die Zeit ist mir total egal. Ob nun unter oder über zwei Stunden interessiert mich nicht. Ich will es ins Ziel schaffen. Das zählt nun für mich. Schließlich quäle ich mich nicht in der Vorbereitung, um im Wettkampf aufzugeben. Noch vier Kilometer. Allerdings ahne ich schon jetzt, dass dies kein Zuckerschlecken wird.
Inzwischen halte ich bei den Versorgungsstellen an und trinke in aller Ruhe. Einige Zuschauer feuern mich an. Ist zwar lieb gemeint, aber ich lasse mich nicht verleiten, das Tempo wieder zu erhöhen. So langsam geht es wieder in Richtung Innenstadt. Bei Kilometer 19 weiß ich, ich werde es schaffen. Dieser Gedanke lässt meine müden Beine etwas leichter werden. Die Strecke führt nun am Ziel vorbei, was für die Psyche nicht gerade gut ist. Bei Kilometer 20 kommt die Marathon-Weiche. Ich biege links ab und weiß, es ist nur noch ein Kilometer bis ins Ziel.
MLP Marathon Mannheim 2011 - GalgenhumorAm Streckenrand erkenne ich einen Fotografen. Ich erhöhe kurz das Tempo (um dynamischer zu wirken) und lächle gequält. Einfach nur Galgenhumor bzw. gute Miene zu bösem Spiel. So langsam achte ich auf die Zuschauer am Streckenrand. Vielleicht ist meine Frau und mein Sohn doch da. Falls ja, würde ich gerne mit dem Junior zusammen ins Ziel laufen. Leider kann ich sie nicht entdecken und laufe zum Ziel.

Das Ziel:
Zufrieden sieht anders ausRecht emotionslos überquere ich mit einer 2:03′43″ die Ziellinie und gebe ein leises „Sche***“ von mir. Ich nehme meine Medaille entgegen und schaue mich nochmal nach meiner Familie um, aber ohne Erfolg. Dann kommen plötzlich doch Emotionen in mir hoch. Wut, Enttäuschung, Frust, Erschöpfung, Leere. Alles auf einmal. Ich bin nicht nur den Tränen nahe, nein, ich muss mir die ein oder andere Träne wegwischen. Es schießen mir Gedanken durch den Kopf, die Lauferei aufzugeben. Ich will nur noch raus aus dem Zielbereich und zum Auto. Ohne Umwege mache ich mich auf den Weg.

Nach dem Lauf:
MLP Marathon Mannheim 2011 - danach beim EinkaufenAm Auto angekommen fuhr ich ohne mich umzuziehen los. Da ich den Wochenendeinkauf noch nicht erledigt hatte, holte ich dieses nun nach. Der Supermarkt hatte bis 22 Uhr offen und so blieb mir noch ein wenig Zeit. Zwar wurde ich ein wenig komisch angeschaut, aber mir war das egal. Zuhause duschte ich, aß endlich etwas (mir war bereits schwindelig) und ging völlig fertig und enttäuscht ins Bett. Auch die Tage danach hatte ich noch an dem misslungenen Lauf zu knabbern. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, alles hinzuwerfen.

Fazit:
Jetzt komme ich zu dem Punkt, der Schuld daran ist, dass der Bericht so lange auf sich warten ließ. Welches Fazit ziehe ich aus diesem Lauf? Hierfür benötigte ich etwas Zeit und musste das Erlebte erst einmal sacken lassen. Woran lag es, dass der Lauf in die Hose ging? War es falsch, ein Zielzeitgewinnspiel zu veranstalten? Möglich. Eventuell habe ich mich dadurch ein wenig mehr unter Druck gesetzt, als ich es sonst getan hätte. Ursprünglich wollte ich „nur“ eine neue Bestzeit laufen. Doch als ich die Tipps sah, glaubte ich an eine Sub 1:50. Vielleicht wäre diese sogar unter normalen äußeren Bedingungen möglich gewesen. Das Wetter war alles andere als ideal. Zu spät hatte ich eingesehen, dass ich es langsamer angehen muss. Ich wollte es wohl erzwingen. Und dabei habe ich eventuell auch die Distanz unterschätzt. Ein Halbmarathon ist nunmal nicht mit 14 Kilometern im Training vergleichbar.
Mannheim scheint zudem einfach kein gutes Pflaster für mich zu sein. Erst das schreckliche Marathondebüt 2008, dann die HM-Absage 2009 wegen Mandelentzündung, gefolgt von der Verletzung während des Laufs 2010. Und nun ein erneutes Desaster. Irgendwie will es für mich in Mannheim nicht laufen. Unabhängig davon fand ich es auch dieses Jahr wieder schade, dass ich trotz des Heimspiels keinerlei Unterstützung erhielt. Ok, meiner schwangeren Frau ist es natürlich verziehen. Aber Familie, Freunde, Verwandte? Sei’s drum. Ich habe mich schon daran gewöhnt, alleine mein Lauf durchzuziehen. Im Ziel war es sogar ganz gut, dass ich mit niemandem über den Lauf reden musste. Ich wollte ja sogar die Schuhe an den Nagel hängen.
Inzwischen hat sich das Ganze wieder ein wenig gelegt, auch wenn ich nun meine Konsequenzen aus dem Debakel ziehen werde. Aufgrund beruflichen Stresses habe ich mir zu viel von dem Lauf erhofft. Ich wollte ein Highlight. Kraft tanken. Zukünftig werde ich darauf achten, dass ich mich dadurch nicht zu sehr unter Druck setze. In der zweiten Hälfte des Laufs wurde ich von Teilnehmern überholt, die nicht wie Läufer aussahen und einige Kilos zu viel auf den Rippen hatten. Da wurde mir bewusst, dass ich noch deutlich davon entfernt bin von dem, was ich gerne wäre; ein (halb)ambitionierter Hobbyläufer. Ob ich das überhaupt noch erreiche? Schließlich werde ich bald zum zweiten Mal Vater und als Pendler werde somit noch weniger Zeit zum Laufen haben. Vielleicht war das sogar mein vorerst letzter Wettkampf. Mal sehen. Wenigstens hat er mir so manches klargemacht. Daher bringt es folgender Spruch auf den Punkt:

„War der Lauf nicht Dein Freund, so war er Dein Lehrer.“

Mein Zieleinlauf:

Details zum Lauf:

PS: Ich hatte beim Zwangsstopp versehentlich auf Pause gedrückt. Daher die abweichende Gesamtzeit.

23 Kommentare zu “Bericht „Mannheim Halbmarathon 2011“

  1. Matthias (runHerne)

    Gnadenlos ehrlich! Respekt! Mit dem Zitat solltest Du an das kommende Training und die nächsten Wettkämpfe gehen. Und, ja: ein HM ist für uns Hobbyläufer kein Kindergeburtstag! 😉 Es hat Spaß gemacht, den Bericht zu lesen, danke!

  2. Eddy

    ….Mann-oh-Mann… das war ja wirklich ein schonungslos offener Leidensbericht: danke dafür – so kennen wir Dich, Christian: ehrlich und direkt!

    Also ein wenig hab ich ja nun ein schlechtes Gewissen, denn ich bin einer derjenigen gewesen, die Dich unter 1:50:00 im Ziel sehen wollten. Und ich bin davon überzeugt, dass der Druck, den „wir Tipper“ – aber vor allem natürlich zu selbst – ausgeübt hatten, den Lauf zu einer solchen Tortur gemacht haben.

    Denn mal ehrlich: für uns Freizeitläufer, die auch dann keine Siegprämien bekommen, wenn wir neue Bestzeiten aufstellen, ist es doch nicht so wichtig, wenn bei einem Lauf mal eine Zeit jenseits des sonst üblichen Rahmens auf der Uhr steht! Einzig und allein wichtig ist, dass wir uns davon nicht demotiveren lassen. Denn schließlich können wir noch zig Jahre in „unserem Tempo“ laufen und immer wieder versuchen, noch ein paar Minuten heraus zu kitzeln.

    Und überhaupt – was glaubst Du denn, wie viele Hobby- und Freizeitläufer glücklich wären, wenn Sie einen Halbmarathon unter 2:04:00 schaffen könnten?

    Kopf hoch und weiter laufen. Sonst komm ich vorbei! Und das meine ich ernst! Aber sieh es nicht als Drohung 🙂

  3. Gerd

    Das hört sich doch schon wieder ganz positiv an. Klar ist die Enttäuschung hoch wenn die Ziele hoch sind. Aber ich denke Du hast aus diesem Lauf auch viele positive Erfahrungen gezogen. Und dies macht ihn schon wieder zu einem Lauf der dich weiter bringt.
    Also!
    Ars…backen zusammen kneifen und weiter nach vorne schauen!
    Es geht immer wieder weiter!

  4. gretel

    Hallo Namensvetter,

    das kommt mir sehr bekannt vor. Ähnlich erging es mir bei meinem Marathon im Herbst. Insbesondere die Gefühlslage im Nachhinein.
    Aber wie Du so treffend zitiert hast: “War der Lauf nicht Dein Freund, so war er Dein Lehrer.”

    aber: Viel Spass weiterhin beim Laufen und Leiden 😉

    LG
    Christian

  5. Mario

    Ein sehr offener, ehrlicher und vor allem selbstkritischer Bericht! Solche „Tiefschläge“ erlebt wohl jeder ambitionierte Sportler mal. Eines vorweg – wenn Du jetzt aufgibst und die Lauferei „an den Nagel hängst“, warst und wirst Du wirklich nie ein richtiger Läufer bzw. Sportler. Gerade jetzt MUSST Du Dich durchbeißen, sonst wirst Du immer wieder bei kleineren Rückschläfen sofort alles hinschmeißen.

    Zum Lauf selber – was ich nicht verstehen kann, warum Du so schnell so viel trinken mußt/willst!? Okay es war warm und Du bist mit einem ordentlichen Schnitt angegangen, aber deswegen bereits nach 7,5km für 40 Sekunden! auf einen Becher Wasser zu warten ist ja der Wahnsinn! Du willst unter 1:50h laufen und verschenkst ganze 40 Sekunden! 😯 Diese Rumgeieier an den Versorgungsstellen ist doch bekannt. Und außerdem kann man aus diesen Plastikbechern doch sowieso nur trinken, wenn man das Lauftempo extrem drosselt. Wenn Du in den letzten 2 Stunden vor dem Lauf noch ca. 500ml trinkst, brauchst Du theoretisch überhaupt keine Flüssigkeit während eines HM’s aufzunehmen. Klar – der Mund wird mit Sicherheit trocken, aber ansonsten passiert nix. 😉 Zur Sicherheit würde ich mir dann lieber eine Trinkflasche mit Wasser oder vielleicht auch einem leichten Isodrink mitnehmen. 300ml sollten aber ausreichen. Am besten nimmst Du eine Flasche, die Du nach dem Austrinken wegwerfen kannst. Es gibt auch kleine 200ml-Fläschen, die man sich an den Oberarm schnallen kann.

    Ich würde auch den Pulsgurt im Wettkampf nicht tragen. Es sei denn, Dein Arzt empfiehlt Dir das. Wenn Du im Wettkampf einen neue Bestzeit aufstellen willst, dann heißt das VOLLGAS! Wenn Du trainingsmäßig gut vorbereitet und voll gesund bist, brauchst Du keinen Pulsgurt!

    Aber nun Blick nach vorn! Ein verkorkster Lauf ist noch lange keine verkorkste Laufbahn! 😉

    Glückwunsch an Deinen Sohn! So müßten wir alle nach einem Lauf lächeln. Diese kindliche Unbefangenheit ist einfach herrlich!

    Alles Gute für Euch und Euer zweites Kind!

    Grüße aus Köln!
    Mario

  6. Din

    Nun, ich weiß nicht, wovor ich mehr Respekt habe – vor deinem Fazit, vor deiner Ehrlichkeit, vor deinem Mut weiter zu laufen, wenn andere einfach aufgegeben hätten… Vielleicht vor allem!
    Ich wünsche dir, dass es beim nächsten Mal klappt und dass die das Training bis dahin viel Spaß macht!

  7. Martin

    “War der Lauf nicht Dein Freund, so war er Dein Lehrer.“ Tolles Fazit, dass ich mir merken muss.
    Spiel einmal die Gedanken durch, was jetzt für die anders in deinem Leben wäre, wenn du mit 1h30 ins Ziel gelängt wärst.
    Vermutlich nichts!
    Eigentlich ist es doch für uns Hobbyläufer völlig unrelevant, welche Zeiten wir erreichen. Wichtiger ist die Fähigkeit dieses Hobby so zu steueren, dass Beruf, Familie, Beziehung und Gesundheit gut austariert sind. Weiterhin viel Spass und auf die nächsten Lehren!

  8. Flo

    Hey Christian,

    das ist ein Bericht, bei dem man beim Lesen genau weiß, was beim Schreiben in dir vorging. Umso höher die Erwartungen an sich selbst oder den Lauf sind, desto tiefer ist das Loch, in das man fällt, wenn man das Ziel dann doch nicht erreicht. Da geht es aber auf alle Fälle auch wieder nach oben.

    Es gibt noch mehr Wettkämpfe und Möglichkeiten die Ziele zu erreichen, z. B. der Baden Marathon im September. Der Lauf ist für dich Pflicht, da wir noch zusammen ein Bier trinken müssen (hat bei der Meile ja nicht geklappt) und weil du auf den Wettkämpfen, bei denen ich auch mitlaufe immer gut abschneidest (Hockenheimring 2010 war doch deine neue PB, Badische Meile hat doch auch hervorragend geklappt).

    Also – Mannheim mag vielleicht kein gutes Pflaster für dich sein, das ist aber kein Grund die Laufschuhe an der Nagel zu hängen! Oder?

  9. Henrik

    Come on, Christian. Mannheim war nicht der Untergang. Letzter Wettkampf – so ein Quatsch. Ich weiß, man neigt durchaus zu dramatisch klingenden Schlußfolgerungen nach einer Pleite. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht und das Zeitengetippe war keine gute Idee – geschenkt. Da kommt dann raus, was realistischerweise rauskommen muss, das Wetter macht es nicht besser. Nach meinen letzten drei HM-Läufen kenne ich das Gefühl, mehr zu wollen und dann die Grenzen gnadenlos aufgezeigt zu bekommen. Und das richtige Fazit hast du gezogen: draus lernen, locker bleiben, weniger Druck, priorisieren, was dir wirklich wichtig ist. Keep on running!

  10. Chris

    Das ist normal, dass du etwas Zeit brauchst, das Geschirr wieder in den Kasten zu räumen. Du bist um eine Erfahrung reicher – auch wenn’s eine ist, die sich niemand wünscht.
    Ich mache die Erfahrung, dass die ersten 5 Kilometer eines HM immer sehr vorsichtig anzugehen sind. Aufdrehen ist immer leichter als hinten nachrennen. Wenn man zu langsam startet, was eher selten ist, verpasst man halt bis am Ende einige Sekunden – umgekehrt Minuten.
    Mental hast du eine enorme Stärke gezeigt und gefinisht. Schon das ist ein tolles Training für ein nächstes Mal – wo es hoffentlich für dich wieder runder läuft!
    Gute Erholung nochmals!

  11. Sinusläufer

    Auf jeden Fall hat sich das warten auf den Bericht gelohnt. Du schreibst gefühlvoll aber auch gefühlssortiert. Nach einer direkten emotionalen Enttäuschung stellt man viel in Frage aber mit Abstand bleibt der gesunde Realismus übrig.

    „Weiter machen!“

  12. Chris

    Von der Taktik her ist dir nichts vorzuwerfen. Der Start war ambitioniert, aber nicht überzogen. Wenn man in die Nähe der persönlichen Leistungsgrenze kommen will, aber es nicht schaftt, droht leider schnell ein richtiger Einbruch mit einen vergleichsweisen miesen Zeit. Vermutlich hättest du eine Zeit von 01:55 ohne große Schwierigkeiten ins Ziel gebracht, aber wer will das schon? Es hat an diesem Tag nicht sein sollen und du kennst jetzt noch mehr Facetten des Läuferlebens. Schau dir mal den Bienwald-Halbmarathon an. Termin im frühen Frühling und topfeben.

  13. RunningDan

    Dass du enttäuscht bist ist verständlich. Vielleicht hast du dich einfach zu sehr unter den Druck gesetzt. Trotzdem Glückwunsch zum beendeten Halbmarathon und natürlich auch zu der Leistung deines Sohnes. Ich hoffe doch, dass er sich ein wenig mit dem Laufvirus infiziert hat und er dich wieder motiviert, was das Laufen betrifft. Lass einfach etwas Zeit vergehen und setze dir für eine gewisse eit einfach mal keine besonderen Ziele. Dann kommt die Freude von alleine zurück. Danke für den ehrlichen, emotionsgeladenen und tollen Bericht.

  14. arlberteinstein

    Das nenne ich mal einen Bericht… und ich bin froh dass du so lange mit dem fazit gewartet, hast, denn es ist ein GUTES!
    mittlerweile ist das ganze ja noch ein paar Tage länger her, aber ich wünsche dir dennoch eine gute Erholung und eine Gute Zeit mit deinen KinderN
    Häng nicht alles an den Nagel, aber die Sorge habe ich eigentlich ohnehin nicht bei dir!

  15. Ruben

    Toller, ehrlicher Bericht. Zum Glück ist Laufen zwar ein tolles Hobby von uns aber nicht mehr und unser Lebensmittelpunkt befindet sich an anderer Stelle, oder?

    Setz dich nicht zu sehr unter Druck und du wirst deine PB noch reisen. Dieses Jahr – oder vielleicht erst im nächsten, aber du wirst. WIe wäre es nächsten Samstag beim TV Kieselbronn? Ist nicht so weit weg von Mannheim und auch eine bedeutend kleinere Veranstaltung als der MLP Marathon.

  16. Andreas

    Das Gefühl, irgendwann festzustellen, dass es mit der geplanten Zeit nichts wird, kenne ich auch sehr gut. und ebenso wie du habe ich erfahren müssen, dass dann – gerade bei solchen Temperaturen – ein bisschen Temporeduzierung kaum hilft.
    Aber du hast es durchgestanden, hast nicht aufgegeben, und das ist das was zählt! Glückwunsch! Ein Gedanke, der mir immer hilft: es gibt Unzählige, die könnten solch eine Distanz gar nicht laufen, und Unzählige, die mit deiner Zeit überglücklich wären.
    Und wenn du nun 1:30 gelaufen wärst, wärst du beim Mal darauf unzufrieden, wenn es „nur“ 1:40 werden. Alles ist relativ!

  17. Chris62

    Kopf hoch.
    Ich war auch dabei und habe auch mein Ziel (Pers.Bestzeit) verpasst. An diesem Tag war auch für mich irgendwie extrem schwer zu laufen (ich war nur nicht ganz 2 Min. schneller als beim HD-HM…).
    „…In der zweiten Hälfte des Laufs wurde ich von Teilnehmern überholt, die nicht wie Läufer aussahen und einige Kilos zu viel auf den Rippen hatten…“ – ist sehr einfach zu erklären und überhaupt kein Grund zur Sorge: es waren die Staffel-Läufer, die den 2-ten Abschnitt gelaufen sind. Und er war um 8 Km lang…
    Den Tipp mit dem Bienwald – Marathon finde ich super: angenehme Temperaturen, flache Stecke, schneller Start.

  18. Horst

    Kein Puls im Wettkampf, bringt nix. Ließ dir mal den heutigen Newsletter von Peter Greif durch, steht dort auch.
    Würde fast wetten, dass ohne Pulsuhr du es geschafft hättest!

  19. Thorsten

    So ich mal wieder mit etwas „Senf“ dazu.
    Ich persönlich versuche ja immer die Leute zu verstehen aber in diesem Fall muss ich ganz ehrlich mal sagen:Hey“ was solls. Du verdienst ja Dein Geld nicht mit dem Laufsport…warum also dieser Stress? In der Hauptsache geht es doch darum spaß am Laufen zu haben…und wenn ich mich recht entsinne sah es ende letzten Jahres oder anfang von diesem Jahr gar nicht dannach aus das es mit dem Laufen überhaupt weitergeht. Und jetzt Läufst Du wieder Halbmarathon…das ist erst mal ein Gewinn. Deine Zeit ist auch nicht übel. Vor allem wenn Du Dir mal in Erinnerung rufst das es eine Zeitlang gar nicht mehr mit Laufen ging. Also ich finde die Leistung daher gut und Du solltest schon ein wenig zufrieden sein. Zufrieden nicht satt…natürlich will man immer mehr…aber man ist nun mal kein Profisportler und Gesundheit geht vor.
    Dein Bericht ist sehr ehrlich und ich finde das gut das Du ihn in dieser Form so reingestellt hast..verleitet natürlich ander dazu (mich) was zu kommentieren.Jeder kann ja so laufen und trainieren wie er will..aber ich hatte nie eine Pulsuhr zu Wettkämpfen an..nur zum Training. Das ständige überprüfen des Pulses finde ich bei Läufern die Erfahrung haben ; Und die hast Du ja, für überflüssig. Weil die Psyche erhöht den Puls auch um einiges… auch das gefühlte lange warten am Versorgungsstand..hey das ganze ist spaß und bei so vielen Startern gibts halt mal Engpässe..hatte das zuletzt beim Mainzer Marathon auch…Will man diese „Engpässe“ vermeiden dann muss man halt ganz vorne starten…und da merkt man schnell..das man nur ein Hobbyläufer ist..und die machen aber so eine Veranstaltung auch viel bunter und reizvoller für die Zuschauer..wo sonst kann man am selben Ereignis Profis und Amateurläufer sehen ? Ok genug geschrieben…ich würde als Fazit sehen. Schön das es wieder mit dem Laufen klappt und der Rest kommt ganz von selber. So wie bei den nicht ganz so trainiert ausehenden Mitläufern. Ja sie sind eventuell etwas übergewichtig…aber sie machen mit und haben , hoffentlich, spaß an der Sache und werden ganz automatisch fitter und schlanker oder bleiben so… Also Kopf hoch und ich bin sicher Du wirst bei irgendeine anderen Lauf wieder Deine Bestzeit einstellen, vielleicht ganz überaschend, bei einem Lauf wo Du nicht damit rechnest. Weil Du Deine Pulsuhr vergessen hattest und Du eventuel einfach mit jemanden zusammen die Strecke gelaufen bist…wer weiß…
    Wünsche Dir weiterhin eine Verletzungsfreie Phase

    Thorsten

  20. Ralf

    Ich bin da ganz bei Thorsten. Vor einiger Zeit klang es noch so, als ob Du das Laufen wegen Deiner Gesundheit aufgeben musst und jetzt läufst Du wieder HM – Respekt! Dann wirst Du doch nicht wegen so einem Negativerlebnis die Schuhe an den Nagel hängen! Der Lauf wird Dir in Erinnerung bleiben und wird Dir bei zukünftigen Positiverlebnissen helfen! Also – mach weiter!

  21. Laufhannes

    Ich kann gut verstehen, dass du lange gebraucht hast, um das alles zusammen zu fassen. Mir fällt es auch schwer, da etwas zu zu sagen.

    … Der Lauf war also dein Lehrer? Und du glaubst, der Lehrer will dir sagen, dass du keine Wettkämpfe mehr laufen möchtest? Denke noch einmal drüber nach, warum du bisher die Wettkämpfe gerannt bist.

    Die Gründe, für diesen, ja wirklich, miserablen Halbmarathon machen es vor allem in der Kombination, da kannst du nichts alleine für verantwortlich machen. Da sich so etwas aber gerne im Kopf festsetzt (Bei mir zum Beispiel: In Neuwied läuft es perfekt), würde ich dir durchaus empfehlen, auf Mannheim als Wettkampfort zu verzichten 😉

    Spätestens auf dem Hockenheimring sehe ich dich wieder. Da bin ich mir sicher.

    Enttäusche uns nicht – und, vor allem, enttäusche dich nicht. Denn das würdest du tun, wenn du nun wirklich alles hinwirfst 😉

  22. Thorsten

    2:03′43″ miese Zeit und wie schreibt Laufhannes : Die Gründe, für diesen, ja wirklich, miserablen Halbmarathon ….
    Nun ja ich muss feststellen das ich mich auf der falschen Seite umschaue. Ich wiederhole mich ja nur aber 2:03:43 würde ich nicht unbedingt als miserable Zeit ansehen…vor allem nach dieser Vorgeschichte. Aber gut es gibt ja doch sehr ambitionierte Läufer ( Laufhannes) hier. Also werde ich mir jeden weiteren Kommentar dazu mal sparen …..
    Also weiterhin alles Gute für Deine Läuferkariere und den damit verbundenen ..äh Ergeiz. Bin sicher wir sehen uns mal auf ner Strecke 🙂 Und eventuell Laufe ich einfach mal neben Dir her wer weiß
    Wünsche frohe Pfingsten und Verletzungsfreie Zeit
    Thorsten

  23. Running Twin Marek

    Hey Christian, lese mit etwas Delay nun deinen Bericht. Kann deine Gedanken gut nachvollziehen, auch bei uns lief es dieses Jahr nicht immer „nach Plan“. An manchen Tagen geht einfach mal gar nichts, ob man will oder nicht. Ich glaube sogar, es wäre besser, wenn man den Lauf vorzeitig beendet und nicht aus falschem Ehrgeiz („ich muss das jetzt durchziehen“) durchläuft und danach frustriert mit der Zeit hadert. So ein Halber ist nicht immer gut planbar und für uns Hobby-Renner wirklich eine Herausforderung, evtl. sogar mehr als ein Marathon, weil wir die Distanz einfach unterschätzen. Ich bin mir sicher, dass du bald wieder an der Startlinie stehen wirst, Kopf hoch und natürich alles Gute für die wachsende Familie! (ach ja: lass den Quatsch mit dem Puls, im Wettkampf weißt du auch ohne Pulsmesser, wie es dir geht).

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