Bericht „Himmelsleiter-Trail 2016“

Himmelsleiter-Trail 2016Nur eine Woche nach meinem Halbmarathon fand in Heidelberg im Rahmen des Trailmarathon der 3. Himmelsleiter-Trail statt, der zugleich ein Wertungslauf des TrailCup 2016 war. Ich hatte bereits in den beiden Jahren zuvor daran teilgenommen und wusste, was ich mich erwartete. Harte 434 Höhenmeter auf nicht ganz 9 Kilometern verteilt. Die Himmelsleiter ist mit ihren Natursteinstufen der Knackpunkt der Strecke. Ob meine Beine dafür schon wieder bereit waren? Ich musste mich überraschen lassen und war sogar etwas nervös.

Vor dem Lauf
Die Anreise ist nicht ganz einfach. Start und Ziel sind im Schlossgarten. Parkplätze sind in Heidelberg generell schwer zu finden. Um eine unnötige Sucherei zu vermeiden, nahm ich auch dieses Jahr wieder das Parkhaus unten in der Stadt. Nachteil ist, dass man dann ein gutes Stück hoch zum Schloss muss. Ok, ich hätte auch die Bergbahn nehmen können, aber da war mir zu viel los und außerdem wäre ich mir da als Läufer etwas blöd vorgekommen.

Die Startnummerausgabe war dieses Mal nicht Saal, sondern in einem kleinen Nebengebäude. Klappte aber auch alles problemlos. Vorteilhaft war zudem, dass es da (etwas versteckt) eine Toilette gab. Dieses „Ritual“ war dieses Mal gaaanz wichtig. Ich traf noch Kim Abel und wünschte ihm viel Erfolg. Dann zog ich mich um und machte mich auf den Weg zur Gepäckabgabe im Schlossgarten.

Ein Zelt diente zur Unterbringung der Taschen. Ich musste mich an der Schlange anstellen. Das Gedränge war dicht an einem Steingeländer. Und dann passierte es. Es ging weite rund ich machte einen Schritt nach vorne. Dabei übersah ich einen herausragenden Steinpfosten und streifte ihn mit meinem Forerunner 620. Das Display bekam einen Kratzer ab! Da hüte ich seit über zwei Jahren die Uhr wie meinen Augapfel und dann das. Es sollte eigentlich der letzte Lauf mit ihr sein, bevor ich sie verkaufe. Verdammt ärgerlich. Positiv denkende Menschen würden jetzt sagen, dass ich zum Glück noch nicht die neue Uhr an hatte. Ja, kann man so sehen. Mich hat es dennoch angekotzt (sorry).

Ich musste den Vorfall irgendwie verdrängen, um mich auf den Lauf zu konzentrieren und auch zu freuen. Also begab ich mich in den Startbereich und lief mich warm. Dabei entdeckte ich auf Höhe des Ziels ein riesiges Banner an der seitlichen Wand. Darauf war u.a. ich abgebildet! Das Foto wurde letztes Jahr gemacht, als Freiwillige für ein Fotoshooting gesucht wurden. Da war meine Laune schon wieder etwas besser. Wann sieht man sich selbst schon mal auf einem 3 Meter großen Plakat? (PS: ist übrigens auch auf der Veranstalter-Homepage zu sehen)

Start und Ziel waren dieses Jahr oberhalb des Schlossgartens. Ich reihte mich im vorderen Viertel und wartete auf den Startschuss. Ich war etwas nervös, denn ich wusste nicht, wie ich den Anstieg mit dem Halbmarathon in den Beinen verkraften würde. Bloß nicht zu schnell angehen, sonst geht später an der Himmelsleiter gar nichts mehr. Mein leider inzwischen zerkratzter FR620 war im Gegensatz zu mir startklar.

Der Lauf
Der Startschuss fällt und alle rasen los. Mir ist es eigentlich etwas zu schnell, aber ich möchte auch niemanden ausbremsen. Es geht hinab in den Schlossgarten, hindurch und am Ende eine Treppe hoch weiter auf die ursprüngliche Strecke. Ein kurzer Anstieg auf Asphalt bremst alle abrupt aus. Doch das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Es geht in den Wald und immer stetig bergauf. Ich versuche mit kleinen Schritten nicht zu viel Energie zu lassen, doch ich merke jetzt schon, dass die Beine etwas kraftloser als sonst sind. Egal, hilft nichts. Ich muss da hoch. Befestigte Forstwege und kurze Trails wechseln sich ab, bevor die Himmelsleiter auf einen wartet. Es ist einfach krass, wenn man so 200 Meter leicht bergab läuft und dann plötzlich diese extrem steile Natursteintreppe vor einem auftaucht.

Anfangs meistere ich noch die ersten Stufen im leichten Laufschritt, doch schnell schwindet mir die Kraft. Deutlich früher als in den beiden Jahren zuvor muss ich ins Gehen wechseln. Das frustriert, vor allem weil mich nun einige Läufer überholen. Egal, ich muss auf mich schauen und bewältige kontinuierlich Stufe für Stufe. Endlich ist es geschafft! Der höchste Punkt ist erreicht. Ab jetzt geht es fast nur noch bergab! Aber was heißt „nur“…

Meine Downhill-Stärke kann ich dieses Mal nicht so richtig ausspielen. Meine Beinmuskulatur ist einfach nicht so fit, wie sie für ein schnelles Tempo auf Geröll und schwierigem Terrain sein sollte. Dennoch werde ich nicht überholt und kann zu dem ein oder anderen Läufer etwas aufschließen. Da es am Vortag geregnet hatte, muss ich höllisch aufpassen. Manche Steine sind schmierig und feuchtes Laub ist auch nicht ohne. Konzentration ist gefragt.

Nun geht es aus dem Wald raus auf die Straße, denselben Abschnitt wie zu Beginn wieder zurück zum Schlossgarten. Ein Läufer gibt richtig Gas und überholt mich. Ich überlege kurz, zu kontern, entscheide mich aber dagegen. Den harten Asphalt spüre ich nun richtig hart in den Oberschenkeln. Eine Verletzung so kurz vor dem Ziel muss nicht sein. Ich biege in den Schlossgarten ein auf die Zielgerade, beschleunige nochmal und überschreite nach 57:06 die Ziellinie. Geschafft!

Nach dem Lauf
Erschöpft nahm ich die schöne Medaille entgegen und ging dann auch gleich zur Zielversorgung. Ich hatte tierischen Hunger. Und was sahen da meine Augen? Mohn-Streusel! Mein Lieblingskuchen. Ich aß aber nur ein Stück, weil ich vom letzten Jahr weiß, dass die späten Marathon-Finisher nichts mehr bekamen. Noch was zu trinken und dann locker ein paar Meter die Beine auslaufen. Danach doppeltes Selfie machen, Tasche holen, zur Massage (tat echt gut!), umziehen und ab nach Hause. Es tröpfelte ein wenig und ich wollte mich nicht erkälten.

Fazit
Ja, der Himmelsleiter-Trail war anstrengend. Ja, ich spürte den Halbmarathon deutlich in den Beinen. Aber ja, es war dennoch schön und es hatte sich gelohnt. Da weiß man, was man geleistet hat. Hut ab vor den Marathonis. Für diese ist die Himmelsleiter ja nur das Endstück ihrer 42 Kilometer. Krass. Flow hat ihn übrigens in neuem Streckenrekord gewonnen. Zweiter wurde nach starkem Kampf Kim Abel, der ebenfalls unter der alten Bestzeit blieb. Wahnsinn!

Schade fand ich dieses Mal, dass bei der Himmelsleiter kein Fotograf war und man stattdessen nur im Schlossgarten fotografiert wurde. Dabei ist die Himmelsleiter ja das Kernstück dieses Laufs und die Bilder zeigen immer so deutlich, was für eine schöne Quälerei das ist. An diesem Motiv hätte ich Interesse gehabt, am Zieleinlauf eher nicht.

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