Bericht „Heidelberg Halbmarathon 2017“

Heidelberg Halbmarathon 2017Am 30. April fand in Heidelberg der wunderschöne Halbmarathon statt, auf den ich mich jedes Jahr auf’s Neue freue. Allerdings weiß ich auch immer, was mich erwartet. Zusätzlich zu den 21,1 Kilometer nämlich auch knapp 400 Höhenmeter mit drei fiesen Anstiegen. Doch wer diesen Lauf einmal gelaufen ist, weiß, dass sich die Mühen lohnen. Gerne würde ich ihn mal unter 1:45 bzw. in einem Schnitt unter 5:00 min/km laufen. Ob es mir dieses Mal gelungen ist?
 

Die Voraussetzungen hierfür waren allerdings nicht ideal. Mit 5kg mehr auf den Rippen als bei meiner Teilnahme 2014, dem Jahr meiner bisherigen Streckenbestzeit (1:46:46). Dieses Mehrgewicht kann man nicht einfach ignorieren. Man spürt jedes Extra-Kilo beim Laufen. Daher erwartete ich eine realistische Zielzeit von 1:47 bis 1:50. Doch erst einmal von vorne.

Vor dem Lauf
Die Teilnahme am Heidelberg Halbmarathon ist für mich immer etwas Besonderes. Es liegt vor der Haustüre und ich reise mit der S-Bahn an, die in aller Frühe voll mit gut gelaunten Gleichgesinnten ist. Gerade für mich als Pendler eine ungewohnte Stimmung. Die Anfahrt verläuft immer problemlos und am Hauptbahnhof wird man von einem Shuttle-Bus abgeholt, dessen Fahrer ebenfalls gut drauf ist.

Auf dem Weg zur Startnummernausgabe traf ich mit Kim und Manuel (spätere 5. und 6.) zwei bekannte Gesichter, sowie etwas überraschend Christian (culli.de), mit dem ich bisher nur online Kontakt hatte. War schön, ihn auch mal im realen Leben zu sehen und sich kurz zu unterhalten. Er wollte den Halbmarathon locker laufen. Von solch einem „lockeren“ Tempo (1:35) kann ich nur träumen!

Ich zog mich in der Schulsporthalle um und gab meine Sporttasche ab. Alles routiniert und ohne Probleme. Anschließend lief ich mich in einer Seitenstraße kurz warm und machte mich dann auf den Weg zum gelben Startblock. Das Wetter war wie bestellt; sonnig, aber nicht zu warm. Der schnelle grüne Block lief fünf Minuten früher los. Dann kam mein Countdown. 3, 2, 1 – los!

Der Lauf
Der erste Kilometer ist ein wenig abfällig. Eigentlich tödlich für mich, da ich immer zu schnell loslaufe. Doch dieses Mal wollte ich bewusst etwas riskieren. Bis Kilometer 7 ist das Streckenprofil harmlos. Schonen für den Anstieg lohnt sich für mich nicht. Da muss ich so oder so kämpfen. Also gab ich etwas Gas, ohne es jedoch zu sehr zu übertreiben.

Beim Anstieg zum Philosophenweg sagte ich mir dann einfach die ganze Zeit „Kleine Schritte, ruhig weiterlaufen“. Es klappte gut, auch wenn es extrem anstrengend war. Die Stimmung und die Zuschauer waren jedoch wieder so klasse, dass man förmlich den Berg hochgetragen wurde. Wenn es dann wieder abwärts ging, brauchten meine Beine einen Moment, bis sie Tempo aufnehmen konnten.

Dann kam der zweite fiese Anstieg. Zwar nicht ganz so lang, dafür aber direkt im Anschluss einer Bergabpassage. Man rennt förmlich gegen eine Wand. Doch dieses Mal kam ich sehr gut damit zurecht. Mit kleinen Schritten und immer nur eine paar Meter nach vorne schauend kämpfte ich mich zum Scheitelpunkt hoch. Dort gab es eine Versorgungsstelle und von da an ging es nach Ziegelhausen im hohen Tempo steil bergab. Ich musste diese Abschnitte nutzen, um Zeit gutzumachen.

Doch bergab kann bei hohem Tempo echt heftig sein. Vor allem die Oberschenkel müssen viel abfedern. Wenn man bereits knapp zwei Drittel der Strecke und zwei fordernde Anstiege hinter sich hat, dann muss man aufpassen, dass die Muskulatur nicht überlastet wird. Auch die engen Kurven sind nicht ohne, aber machen trotzdem Spaß. In Ziegelhausen musste ich dann erst wieder den Rhythmus finden, bevor es schließlich über den Neckar ging.

Nun wartete der letzte fiese Anstieg auf mich, vor dem ich am meisten Respekt habe. Hat man noch genügend Körner, um ihn laufend bewältigen zu können? Ich war optimistisch, denn bisher lief es ja recht gut. Doch vielleicht auch zu gut. Es fiel mir dieses Mal deutlich schwerer als sonst. Das hohe Tempo zuvor hat anscheinend zu viel Kraft gekostet. Mit ganz kleinen Schritten kämpfte ich mich Meter für Meter hoch. Gehen wollte ich unter allen Umständen vermeiden, denn dann wäre ich wohl nicht mehr recht in Tritt gekommen.

Als der Scheitelpunkt erreicht war, wollte ich wieder Gas geben, ihr kam aber nur sehr stockend ins Rollen. Die Muskulatur war recht platt. Doch nach und nach konnte ich Tempo aufnehmen und in Richtung Altstadt rennen. Nur noch zwei Kilometer bis ins Ziel. Allerdings mit Kopfsteinpflaster auf den letzten paar hundert Metern. Da bekam ich schon öfter mal einen Krampf. Doch dieses Mal blieb ich verschont und konnte sogar nochmal zulegen. Für eine Sub1:45 sollte es zwar nicht mehr reichen, aber ich hatte Bock darauf. Nach 1:45:11 lief ich ins Ziel und war fix & fertig, aber glücklich.

Nach dem Lauf
Ich musste eine Minute durchschnaufen und vermisste wie immer die nicht existierende Medaille. Bei den Verpflegungsständen nahm ich ein ISO-Getränk und danach eine heiße Brühe. Dann sah ich meine Familie und ging mit zur Gepäckausgabe. Ich zog mich um und wir fuhren zeitnah nach Hause. Abends ging es dann noch zum Chinesen und ich genoss es. 🙂

Fazit:
Zwar hatte ich mein Ziel knapp verfehlt, aber die paar Sekunden waren mir letztendlich total egal. Ich war mit meiner Leistung sehr zufrieden und war sogar ein wenig überrascht. Allerdings musste ich für diese neue persönliche Streckenbestzeit auch hart kämpfen. In den Tagen darauf spürte ich die Quälerei noch ordentlich in den Beinen, aber ich hatte ein Grinsen im Gesicht. Nichtläufer können dies nur schwer nachvollziehen. Bis zum nächsten Jahr! 😉

4 Kommentare zu “Bericht „Heidelberg Halbmarathon 2017“

  1. Ruben

    Hallo Christian,
    Glückwunsch zu dieser neuen Streckenbestzeit trotz der Mehr-Kilos… sind also wohl doch nicht so schädlich – taugen jedenfalls nicht mehr als Ausrede für nicht erreichte Bestzeiten 😀
    Gruß Ruben

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