Sub45 – I’m on fire!

Rheinauer Volkslauf 2011Am vergangenen Samstag habe ich am 39. Rheinauer Volkslauf über 10 Kilometer teilgenommen. Eigentlich wollte ich nur meine Form aus dem Training bestätigen und ein wenig Wettkampfluft schnuppern. Auf eine Bestzeit war ich nicht wirklich aus, denn Training und Wettkampf sind zwei Paar unterschiedliche Schuhe. Da spielt der Kopf eine große Rolle und der war eigentlich noch nicht soweit.

Zwar stieg in den letzten Wochen meine Form stetig an und ich konnte bereits im Training inoffiziell zwei neue Bestzeiten (10km & HM) laufen, doch dadurch erhöhte sich auch meine Erwartungshaltung. Und wenn eine neue Bestzeit (<46“49″) schon beinahe Pflicht für einen selbst ist, dann kann das eigentlich nur schiefgehen. Davon ging ich aus und deshalb ging ich recht entspannt an den Start. Ich sah es als Experiment an. Einfach mal sehen, was im Wettkampf so geht.

Start war um 17 Uhr und das Wetter war sehr wechselhaft. Mittags hatte es noch stark geregnet. Der Veranstalter verkündete kurz vor dem Start, dass es an einigen Stellen der Strecke große Pfützen geben würde. Eines vorweg, er hat nicht gelogen. Aber ich bin ja nicht aus Zucker. 😉

Um Punkt 17 Uhr fällt der Startschuss. Im vorderen Drittel des knapp 450 Teilnehmer große Feldes gehe ich mutig die ersten beiden Kilometer mit 4’27“ und 4’31“ an. Ich fühle mich zwar gut, dennoch bin ich skeptisch, ob ich dieses Tempo bis zum Ende durchziehen kann. Daher laufe ich die nächsten beiden Kilometer etwas langsamer in 4’37“ und 4’38“, was aber dennoch eine neue Bestzeit bedeuten würde. Ich denke mir, nach sieben Kilometern werde ich wissen, wohin die Reise geht. Entweder habe ich dann meine Körner vorzeitig verbraucht und mich verzockt, oder ich kann das Tempo halten und laufe eine neue Bestzeit.

Kilometer 5 und 6 lasse ich mit je 4’32“ hinter mir. Ich fühle mich gut. So gut, dass ich Kilometer 7 mit 4’25“ laufe. Im Kopf beginne ich zu rechnen, welche Zeit am Ende rauskommen würde. Und nun lecke ich Blut! Eine Sub45 ist möglich! Jetzt noch auf den letzten drei Kilometern das Tempo weiter erhöhen und ich steuere direkt auf ein Runner’s High zu. Etwa 15m vor mir sehe ich einen vielleicht gerade einmal halb so alten Läufer, der ebenfalls das Tempo erhöht hat. Bestimmt will er auch unter 45min laufen. Ich schließe zu ihm auf und gehe sein Tempo mit. Wir wechseln uns mit dem Tempomachen ab. Kilometer 8 und 9 laufe ich konstant in 4’28“. Noch ist alles drin.

Der letzte Kilometer steht an. Ich möchte nicht zu früh zum Schlussspurt ansetzen. Aber ich weiß auch, dass ich diesen letzten Kilometer noch etwas schneller laufen muss, wenn ich eine Sub45 erreichen möchte. Vorallem da ohne Zeitmessungs-Chip gelaufen wird und ich noch ein paar Sekunden Zeitverlust beim Start einberechnen muss. Kontinuierlich erhöhe ich das Tempo. Noch ein halber Kilometer. Ich werde immer schneller, auch wenn ich den jüngeren Läufer ziehen lassen muss. Noch eine Kurve, dann bin ich auf der Zielgeraden. Dann sind es nur noch 300 Meter. Ich zünde den Turbo und überhole einen Läufer, der meinem „Angriff“ nichts entgegensetzen kann. Im Ziel erkenne ich die Zeittafel, auf der die 44 noch lange nicht auf die 45 umspringen wird. Voller Freude ziehe ich die letzten Meter durch und laufe bei unglaublichen 44’47“ über die Ziellinie. Bestzeit! 😀

Handgestoppt waren es sogar nur 44’39“, doch so ist das nunmal bei kleinen Volksläufen ohne Zeitmessungs-Chip. Die 8 Sekunden kann ich verkraften. Im Ziel war mir das eh egal, denn ich erlebte einen kleinen Runner’s High. Ich war so überglücklich, sprachlos und stolz, dass mir sogar kleine Freudetränen in die Augen schossen. Nie hätte ich eine solche Zeit für möglich gehalten. Selbst zwei Tage danach kann ich diese Zeit noch nicht so recht glauben. Doch es war ein DLV-Straßenlauf (und somit exakt vermessen) und ich war verdammt gut drauf. Dann können solche Zeiten schon mal fallen. Bitte mehr davon!

Ergebnisse: http://www.tv-rheinau.de/la/vl2011/rh10.html

21 Kommentare zu “Sub45 – I’m on fire!

  1. Laufhannes

    Ja, bitte mehr davon. Schön, dass es derzeit so gut läuft!

    (Wobei ich die gute Form weiterhin auf den kurzen Distanzen nutzen würde und erst nächstes Jahr für lange Sachen planen ;-))

  2. Pierle

    WOW! Da hat der Brenner aber mal ne Rakete gezündet!
    SUB45 – das ist mal eine Ansage!

    Glückwunsch zur neuen PB!

    LG Carsteb

  3. Alexander Glaub

    respekt – unter 45 Minuten klasse.

    Ich bereite mich gerade auf meinen 1. Halbmarathon vor. Bin vor 2 Wochen mal 10km auf Wettkampftempo gelaufen in 45 Minuten und meine PB um über 3 Minuten unterboten & da waren noch Potenzial von 2-3 Minuten.

    Zuerst wollte ich meinen HM in 2 Stunden schaffen, wa ich inzwischen auf 1:45 korrigiert habe & evtl sogar in 5 Wochen die 1:40 anpeilen kann.

    Ich beobachte deine Fortschritte – viel Erfolg

    Lg Alex

    PS: Dein Bloglayout gefällt mir klasse

  4. Grit

    Super, Super, Super! Ich freu mich total mit dir und kann das mit den kleinen Freudentränen sehr gut nachvollziehen. 🙂 Da sieht man wieder gutes Training + lockerer Kopf = PB! Mach weiter so!

  5. Evchen

    Suuupergeil! Da hast Du einen starken Lauf hingebügelt! Genieß es noch eine Weile, flieg in Gedanken und ich freue mich mit dickem Grinsen mit! :mrgreen:

  6. Chris

    Du scheinst wirklich dem Laufhannes nachzueifern und lässt gleich alle alten Zeiten purzeln. Das ist doch Motivation zum Weitertrainieren. Nach der demotivierenden Zeit folgt immer wieder ein Hoch! Kost es aus! Du hast es verdient!

  7. Brennr Autor des Beitrags

    Vielen Dank an alle für die Glückwünsche! 😀

    @Jörg: Der Jackpot kommt (hoffentlich) noch. 😉

    @Schwabenjogger: Harte Arbeit und Gewichtsabnahme.

    @RunningDan: Die Jagd hat erst begonnen. 😎

    @Matthias (runHerne): Deine Sub45 wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

    @Laufhannes: Ich weiß Deinen Rat zu schätzen, da er vernünftig ist. Doch ich muss die Chance nutzen und das Risiko eingehen.

    @Alexander Glaub: Hui, da scheint jemand ebenfalls „on fire“ zu sein! 🙂

    @Chris: Im Gegensatz zu Hannes spielen bei meinen Zeiten das geringere Gewicht eine große Rolle. Daher finde ich seine Fortschritte richtig beeindruckend.

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