Bericht „Badenmarathon 2012“

Badenmarathon 2012Vergangenen Sonntag fand der „30. Badenmarathon Karlsruhe“ statt, bei dem ich für die halbe Distanz an den Start ging. Dieser Wettkampf war Teil meiner Marathonvorbereitung, auch wenn er zeitlich zwei Wochen zu früh kam. Dennoch entschied ich mich für eine Teilnahme und sollte dies auch nicht bereuen. Karlsruhe liegt mir, denn 2007 lief ich da meinen ersten Halbmarathon und auch die darauffolgenden Teilnahmen verliefen alle sehr positiv. Gerade im letzten Jahr konnte ich dort meine Bestzeit überraschend deutlich auf 1:39:35 verbessern. Exakt diese Zeit (Sub 1:40) galt es laut Marathonplan zu bestätigen. Zwar war ich im Vorfeld gut drauf und Runalyze prognostizierte mir sogar eine 1:35:06, dennoch hatte ich gewisse Zweifel, ob ich solch einen perfekten Lauf nochmal abrufen kann. Die Zweifel waren unberechtigt.

Anfahrt & vor dem Start
Bisher hatte ich bei großen Laufveranstaltungen meine Startnummer immer am Tag zuvor abgeholt, um nicht unnötig in Stress zu geraten. Dieses Mal kam ich jedoch nicht dazu, da mir die Zeit fehlte. Unabhängig davon sah ich es aber auch nicht ein, hierfür extra von Mannheim nach Karlsruhe zu fahren. Dies wäre eine ökologische Sünde gewesen und bei den aktuellen Spritpreisen zudem nicht gerade billig. Also entschloss ich mich, am Wettkampftag etwas früher aufzustehen. Um sechs Uhr klingelte mein Wecker. Sinnvollerweise hatte ich den größten Teil meiner Sachen bereits am Abend zuvor gerichtet. Ich aß drei Scheiben „leicht&cross“ mit Honig und machte mich auf den Weg. Ich parkte das Auto wie immer an meinem „geheimen Stammparkplatz“ und umging so dem Stau an der offiziellen Ausfahrt. Das Abholen der Startnummer war innerhalb von fünf Minuten erledigt. Meine Sorge, dass dies lang dauern könnte, war unbegründet. Ich ging zurück zum Auto und zog mich um. Spontan entschied ich mich für den „Brooks Racer ST 5“ als Laufschuh, auch wenn der „Adidas Adizero Tempo 4“ die bewährte Wahl gewesen wäre. Aber schließlich wollte ich den Lauf nutzen, um gewisse Dinge für den Frankfurt Marathon zu testen. Ich verstaute noch zwei Powerbar-Gels in der Gesäßtasche und machte mich auf den Weg zum Start, was ich gleichzeitig zum Warmlaufen nutzte. Eigentlich wollte ich dort noch auf Toilette, da ich ein ungutes Gefühl im Magen hatte, doch die Schlange war mir zu lang. Naja, wird schon gutgehen. Ich suchte meinen Startblock (B) auf und war etwas überrascht, wie weit vorne sich dieser befand. Dort reihte ich mich irgendwo in der Mitte ein und wartete auf den Startschuss.

Der Lauf
Der Startschuss fällt und nach ca. zwei Minuten laufe ich über die Startlinie. Ich lasse mich von der Masse mittreiben, ohne es jedoch zu schnell anzugehen. Meine Taktik ist klar: die ersten sieben Kilometer vorsichtig nach Mindestziel (Sub 1:40) angehen, die zweiten sieben Kilometer nach Gefühl etwas schneller und auf den letzten sieben Kilometern einfach schauen, was noch geht. Mit dieser Taktik bin ich im Vorjahr sehr gut gefahren. Zwischen diesen Dritteln möchte ich eigentlich die beiden Gels zu mir nehmen, aber hierfür benötige ich auch Wasser, was es jedoch erst ab Kilometer 10 geben soll. Dann eben bei Kilometer 10 und 15. Egal, ich muss mich jetzt konzentrieren, meinen Laufrhythmus zu finden. Aber dies ist bei den Unterführungen am Anfang gar nicht so einfach. Zumindest ist das Wetter perfekt. Vielleicht 12-13 Grad bei z.T. bewölktem Himmel. Jetzt liegt es nur noch an mir, was ich daraus mache.
An den Kilometerschildern drücke ich manuell die Runden an meinem Forerunner. Ich hatte die Autolap-Funktion (bei jedem Kilometer) ausgeschaltet, lasse aber das GPS mitlaufen. Ich möchte testen, ob ich so mein Tempo genauer steuern kann, da aufgrund von Häuserschluchten, Unterführungen, usw. das GPS-Signal zu schwach und die angezeigten Daten zu ungenau sind. Die Folge ist jedoch, dass ich kein Kilometerschild verpassen darf. Doch genau das passiert mir. Einmal kurz in Gedanken und schon habe ich das Schild verpasst. Ich lasse die Uhr weiterlaufen und drücke beim nächsten Schild. Dann teile ich die Zeit durch zwei. Ist zwar nicht unbedingt aussagekräftig, aber es geht nicht anders. Zumindest wahre ich so die Möglichkeit, die weiteren Kilometer anhand der Schilder zu kontrollieren. Allerdings frage ich mich auch, ob die Schilder immer exakt aufgestellt sind und z.B. nicht einfach eine Laterne 30 Meter weiter dafür genutzt wird. Naja, das GPS ist auch nicht 100%ig genau.
Die erste Wasserstelle kommt früher als angegeben. Deutlich vor Kilometer 10 sehe ich das entsprechende Hinweisschild. Ich hole ein Gel aus der Tasche, reiße es auf, drücke den Inhalt raus in meinen Mund und schnappe mir einen Becher Wasser zum Nachspülen. Bei dem ganzen Ablauf versuche ich mein Tempo zu halten, um keine Zeit zu verlieren. Doch das ist gar nicht so einfach. Aber es klappt halbwegs und ich erhöhe nun ein wenig mein Tempo. Nicht viel, aber ich möchte die nächsten Kilometer im Schnitt unter 4:40 min/km laufen.
Zwischen Kilometer 13 und 14 wird es gemein. Erst eine fiese Brücke und dann Kopfsteinpflaster. Immerhin weiß ich nun, dass zwei Drittel geschafft sind. Bei der nächsten Wasserstelle nehme ich das zweite Gel zu mir. Das klappt schon etwas besser, auch wenn es noch immer ein stressiger Vorgang ist. Hauptsache es hilft. Ob dies der Fall ist, weiß ich nicht, aber zumindest knn ich nochmals ein wenig das Tempo erhöhen. Meine geplante Taktik geht also voll auf. Hoffentlich breche ich nicht noch auf den letzten Kilometern ein. Doch bei einem Blick auf den Forerunner und somit der Gewissheit, dass eine Sub 1:40 so gut wie sicher ist, lässt mich etwas lockerer werden. Ich setze mir ein neues Ziel, Bestzeit!
So langsam hinterlässt der Lauf seine ersten Spuren an mir. Die linke Wade und der rechte hintere Oberschenkel schmerzen ein wenig, aber alles noch im Rahmen. Vielleicht eine Folge der Schuhwahl, denn der „Brooks Racer ST5“ ist zwar sehr leicht und schnell, aber für mein Gewicht eventuell einen Tick zu weich bzw. zu dünn gedämpft. Bei hoher Geschwindigkeit sind die Aufprallkräfte enorm und da kommt auf Dauer dann doch einiges zur Muskulatur durch. Egal, wird schon noch irgendwie bis ins Ziel gehen. Ich schaue nun noch öfter auf die Uhr. Jetzt bloß nicht nachlassen, Tempo halten. Meine Streckenkenntnis ist jetzt von Vorteil. Ich weiß, was noch auf mich zukommt und lege mir eine Taktik für die letzten Kilometer zurecht. Huch, schon Kilometer 20? Nein, es ist nur eine Kontrollmatte. Mist, ich habe die Lap-Taste gedrückt. Egal, jetzt heißt es eh nur noch alles geben. Ich passiere die Marathonweiche und biege ab in Richtung Stadion. Die Zuschauer feuern die Läufer richtig klasse an. Aber ich nehme das nur noch wenig wahr, denn ich befinde mich wie in einem Tunnel und bin voll auf den finalen Ziesprint fixiert. Nun geht es auf die Laufbahn und bis zum Ziel sind es noch ca. hundert Meter. Ich zünde den Turbo und überhole noch ein paar Läufer. Völlig ausgepowert, aber überglücklich, überschreite ich die Ziellinie und drücke die Stopp-Taste meines Forerunners. 1:37:20 – YEAH!

Nach dem Lauf
Nun musste ich mich erst einmal am Absperrgitter anlehnen und kurz durchatmen. Ein Sanitäter fragt dann auch schon nach, ob mit mir alles in Ordnung sei. Anscheinend wirkte ich nach außen so, als hätte ich alles gegeben. Aber ich war ok und kurze Zeit später nahm ich meine wohlverdiente Medaille entgegen. Ich nahm einen Becher Wasser, lief kurz aus und deckte mich dann im gut ausgestatteten „Runner’s Heaven“ mit weiteren Getränken, Banane, Einback und Laugenbrötchen ein. Zum Abschluss nahm ich noch einen Tee und bat einen Sanitäter um eine Rettungsfolie zum Warmhalten, da es bis zum Auto noch ein gutes Stück war und ich mir im Vorjahr eine Mandelentzündung zugezogen hatte. Dies wollte ich dieses Jahr unbedingt vermeiden. Ich ging daher direkt zum Auto, zog trockene Sachen an und fuhr nach Hause.

Fazit
Mein Teilnahme am Badenmarathon bzw. Halbmarathon in Karlsruhe war ein voller Erfolg und eine gelungene Generalprobe für den Frankfurt Marathon in einem Monat. War ich vor dem Lauf noch etwas skeptisch, was meine Zielzeit betraf, so wurde doch nun mein Selbstbewusstsein gestärkt, weil ich meine Vorjahrszeit nicht nur bestätigen, sondern auch um 2:15 min verbessern konnte. Damit erreichte ich zwar nicht die von Runalyze prognostizierte Zeit von 1:35:06, aber wie es im Leben so oft ist, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.
Das Testen der Gel-Zufuhr war wichtig. Nun weiß ich, was unter Wettkampfbedingungen auf mich zukommt und worauf ich achten muss. Mehr als drei Gels mit mir zu führen könnte jedoch schwierig werden. Immerhin habe ich die Gewissheit, dass ich die Gels gut vertrage.
Die manuelle Rundenzeitnahme hatte Vor- und Nachteile. Einerseits bin ich unabhängig vom Satellitenempfang (für Frankfurt wichtig, da kein Empfang in Häuserschluchten), andererseits darf man die Kilometermarken nicht verpassen. Hinzu kommt, dass man vom exakten Aufstellen der Schilder angewiesen ist. Das parallele Mitlaufen des GPS dient nicht nur als Backup, sondern ermöglicht mir auch eine Anzeige des aktuellen Tempos. Ich denke, so werde ich es in Frankfurt machen.
Beim Schuh bin ich mir etwas unsicher. Der „Brooks Racer ST 5“ ist leicht, schnell und passt super, aber die Dämpung macht mich unsicher. Die Mittelsohle ist recht dünn und so geht auf Dauer doch einiges der Aufprallkräfte zur Muskulatur durch. Zwar wird er von Brooks auch für den Marathon empfohlen, aber ich fürchte, bei mir könnte er bis maximal Halbmarathon zum Einsatz kommen. Doch dass lasse ich mir noch in Ruhe durch den Kopf gehen. Ich habe ja noch einen Monat Zeit. Nur noch einen Monat! 😯

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Bilder

2 Kommentare zu “Bericht „Badenmarathon 2012“

  1. Laufhannes

    Schön, wie sehr du diesen Lauf als Vorbereitungslauf für Frankfurt genutzt hast. Das klingt alles sehr gut.

    Die Kilometerschilder werden in Frankfurt definitiv richtig stehen. Es ist nur die Frage, ob du sie bei der Menge an Läufern auch siehst. Dazu kann der Zwang, jedes Schild mitzunehmen, sowie Vor- als auch Nachteile haben. Aber es wird nicht entscheidend sein.

    Entscheidend wird dein Körper sein und der ist scheinbar derzeit gut drauf.

  2. Brennr Autor des Beitrags

    @Laufhannes: Danke Hannes! Ich denke, ich werde es wie in in Karlsruhe machen. Manuelle Rundeneingabe und paralleles Mitlaufenlassen des GPS. Wird schon irgendwie klappen.

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