Virtual NYC Marathon

Das vergangene Jahr war ein Jahr ohne Wettkämpfe. Für mich sind Laufveranstaltungen jedoch das Salz in der Suppe. Mir macht es Spaß, mich auf den Tag X vorzubereiten und dann alles zu geben. Wettkämpfe sind auch eine Motivation, dran zu bleiben und nicht in einen monotonen Trott zu verfallen. Als ich erfuhr, dass der New York Marathon virtuell stattfindet, hatte ich mich spontan angemeldet. Eigentlich eine Schnapsidee, denn lange Läufe konnte ich in letzter Zeit nicht vorweisen. Und das sollte sich bis zum Marathon auch nicht ändern.

Meine monatlichen Gesamtkilometer waren bis dahin zwar mit 200km ganz ok, doch gut vorbereitet fühlte ich mich definitiv nicht. Allerdings erinnerte ich mich auch an den spontanen Frankfurt Marathon 2016, bei dem ich kurzfristig für einen Freund einsprang. Auch da konnte ich keine langen Läufe vorweisen. Doch mit Erfahrung kann man so manches kompensieren. Ist zwar dennoch keine gute Idee, aber es geht. Also war ich trotz allem optimistisch, dass ich den virtuellen New York Marathon packen sollte.

Doch wie genau sollte der Lauf aussehen? Eine große Runde nach Heidelberg und Umgebung? Aber wie sieht es dann bezüglich der Versorgung aus? Auf einen Rucksack hatte ich keine Lust. Hinzu kam, dass ich nicht zu weit weg sein wollte, falls ich plötzlich einbrechen sollte. Ich entschied mich für etwas ganz Anderes. Direkt vor meiner Haustür gibt es auf dem Feld eine ca. 1,2km lange Runde um eine Trinkwasserprüfanlange (oder so ähnlich). So war eine Verpflegung jederzeit möglich, denn ich musste nur 250m zurück. Allerdings bedeutete dies auch, dass ich etliche Runden im Kreis laufen musste, was eine zusätzliche mentale Herausforderung war.

Ich richtete mir vor der Garage eine kleine Versorgungsstelle ein. Das Wetter war perfekt. Sonnig, aber nicht zu warm. Beim Schuh entschied ich mich für den Mizuno Wave Rider Neo, der mir für dieses Vorhaben als perfekt erschien. Tolle, federnde Dämpfung und sehr gute Passform. Damit mir die Runden nicht zu langweilig wurden, hatte ich mir einige Podcast-Folgen von FatBoysRun, RunFiction und BallYouNeedIsLove auf meinen Forerunner 245 Music geladen. Es war angerichtet.

Kilometer 1-12
Ich ging es natürlich viel zu schnell an. Mir fiel es aber schwer, mich zu bremsen. Wohl wissend, dass sich dies später rächen könnte, lief ich mit ca. 5:22 im Schnitt weiter. Runde für Runde spulte ich die ersten 12 Kilometer ab. Dann lief ich für eine kurze Verpflegung zurück.

Kilometer 13-22
Nun wechselte ich die Richtung meiner Rundstrecke und schwupps lief ich plötzlich noch schneller. Wie ein Uhrwerk absolvierte ich meine Runden mit 5:15, plus-minus 1-2 Sekunden. Ich fühlte mich richtig gut, traute dem Ganzen aber nicht so recht. Nächster Versorgungsstopp.

Virtual NYC Marathon 2020

Läuft super!

Kilometer 23-31
Erneut änderte ich die Laufrichtung. Die ersten Kilometer nach der Pause klappten ganz gut. Doch ab Kilometer 26 ging das Tempo etwas zurück. Aber noch immer alles im Rahmen. Ich war weiterhin sehr optimistisch.

Kilometer 32-37
Nach der Verpflegungspause fiel das Anlaufen etwas schwer. Die nächsten fünf Kilometer fühlten sich nun nicht mehr ganz so locker an. Der positive Effekt des Richtungswechsels verpuffte inzwischen. Ich freute mich auf die nächste und letzte Verpflegung.

Kilometer 38-42
Mein Junior brachte mir eine Cola. Die tat echt gut. Auf den letzten Kilometern geht ja sowas. Einerseits wusste ich, es lagen nur noch fünf Kilometer vor mir. Andererseits waren es halt noch fünf Kilometer. Ich wusste, diese würden sich ziehen. Mein Tempo ging deutlich runter, aber immerhin noch schneller als 6:00. Auch brach ich nicht ein, sondern konnte durchlaufen. Nach 3:48:10 (netto) hatte ich es geschafft! Ich beendete erfolgreich den „Virtual NYC Marathon 2020“.

Fazit
Auch wenn die letzten fünf Kilometer etwas hart waren (das sind sie ja eigentlich immer), lief es insgesamt doch überraschend gut. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich im Vorfeld keine langen Läufe (nichts länger als 17km) gemacht hatte. Ich hatte auch immer den Frankfurt Marathon 2016 im Hinterkopf, bei dem ich mit ähnlichen Voraussetzungen gestartet bin. Und nun war ich sogar schneller.

Der Muskelkater hielt sich in den darauffolgenden Tagen in Grenzen. Ich konnte sogar mit 42 Kilometern eine für mich normale Laufwoche durchführen. Auf meine Medaille musste ich leider noch etwas warten. Nach knapp 2,5 Monaten bekam ich endlich Post aus den USA. Darin enthalten war meine Medaille und ein Buff. Die Medaille ist zwar nicht ganz so groß, wie beim richtigen New York Marathon, aber dafür ist sie richtig schön. Dieser virtuelle Lauf war ein kleines Highlight in dieser doch recht trostlosen Zeit. Und alleine deswegen war es die Anmeldung und Teilnahme wert. Und auch wegen der Blicke mancher Hundebesitzer, denen ich mehrfach begegnet bin und mich verwirrt angeschaut hatten.

7 Kommentare zu “Virtual NYC Marathon

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Dankeschön!
      Ich sag mal so, mit Training hätte ich vielleicht auch die letzten fünf Kilometer genießen können. Aber eine gewisse Lauferfahrung ist nicht zu verachten. Und der Körper hat bestimmt auch einen Memory-Effekt und kann deswegen mit solchen Belastungen besser umgehen. Wenigstens ein Vorteil vom Älterwerden. Zumindest versuche ich mir das einzureden.

  1. Uli

    Das muss man auch erstmal machen. Keine Zuschauer, wenig Wettkampffeeling, dann auf einem Rundkurs, sagen wir mal suboptimal vorbereitet ;-) …. aber wenigstens gutes Wetter, die wichtigsten Supporter an deiner Seite und v. a. der Sieg über den inneren Schweinehund. Respekt. Die Zeit finde ich für alle Umstände dann auch noch sehr passabel. Wie sagt man so schön? Laufen bringt Zinsen :-)

    Aber hoffen wir mal, dass die virtuellen Läufe bald wieder gegen „normale“ Läufe getauscht werden können. Irgendwie fehlt da einfach was ….

    Mit laufenden Grüßen Uli

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Ja, dieser Marathon war schon speziell. Zur Not kann man sowas mal machen. Aber wie Du schon geschrieben hast, es fehlt einfach was. Das Kribbeln, die Atmosphäre, die Kommunikation. Ist halt doch ganz anders.

  2. Jahn von Fitvolution

    Mega Aktion! Ein ganzes Jahr ohne Wettkämpfe- das ist hart., och kann es zu 100% nachemfinden. Aber um so cooler, dass du dir deinen eigenen Marathon erschaffen hast und ohne viel Training doch auch noch eine ganz passable Zeit!
    Hoffen wir mal, dass wir uns bald wieder auf „echten“ Wettkämpfen treffen.

    Liebe Grüße
    Jahn

    1. Brennr.de Autor des Beitrags

      Danke! Die Aktion war eine schöne Abwechslung und hatte ihren Reiz, aber nicht vergleichbar mit einem echten Wettkampf. Dazu fehlt leider einiges.

  3. Oliver Hammerschmidt

    Hey Christian,

    da merkt man dann, dass das Training ist halt doch wichtig! Und klar man trainiert am besten von Wettkampf zu Wettkampf.

    Aber du hast es trotz der Umstände durchgezogen! Und das ist doch das was zählt! Und gefinisht hast du auch! ;)

    Wünsche dir viel Erfolg sowohl beim Training als auch beim nächsten Wettkampf!

    Lieben Gruß
    Olli

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