Bericht „Mannheim Halbmarathon 2010“

Mannheim 2010Am 15. Mai fand in Mannheim der „Dämmermarathon“ (bzw. „MLP Marathon“) statt, bei dem unter anderem auch die Halbmarathon-Distanz angeboten wurde. Da dieser Lauf quasi vor der Haustür liegt und ich mit ihm eh noch eine Rechnung offen hatte (siehe hier), meldete ich mich hierfür natürlich an und ließ sogar den „Heidelberg Halbmarathon“ ausfallen, da es sonst nach dem Strongman Run zu viel auf einmal gewesen wäre. Und dennoch verlief die Vorbereitung leider nicht ideal.

Der Tag davor:
Am Tag vor dem Lauf bekam ich Magen-Darm-Probleme. Und zwar so stark, dass ich bereits befürchtete, den Lauf ausfallen lassen zu müssen. Doch mit „Imodium akut“ bekam ich die Probleme wieder in den Griff (oder war es vielleicht doch das scharfe Chili am Abend, das die bösen Bakterien abtötete? 😈 ).

Bambini-Lauf:
Auch dieses Jahr fand vor den Hauptläufen wieder ein Bambini-Lauf statt, an dem mein vierjähriger Sohn teilnehmen wollte. Start war um 16 Uhr, also 1,5 Stunden vor meinem Lauf, so dass genügend Zeit war, mit ihm zusammen seinen Lauf zu genießen. Ich ging mit ihm zusammen an den Start, da er nur ungern alleine laufen wollte. Der Veranstalter hatte nichts dagegen, wobei Eltern aufpassen sollten, dass sie ihren Kindern das Tempo nicht vorgeben und somit eventuell überfordern. Ich ließ meinen Sohnemann das Tempo machen und war letztendlich froh, dass ich dabei war. Ein paar Kinder waren so übermotiviert, dass sie sich gegenseitig in die Hacken liefen und stürzten. Ich lief mit meinem Sohn gemütlich die knapp 400 Meter und er bekam im Ziel seine ersehnte Medaille, die er sich mit Stolz umhängte. Ein schöner Moment für uns beide.

Der Start:
Nach dem Bambini-Lauf zog ich mich um. Die Temperaturen waren jedoch recht kühl, so dass ich mir nicht sicher war, ob ich mit meinem Tanktop nicht vielleicht zu luftig angezogen war. Doch ich blieb dabei, was sich später auch als richtige Entscheidung herausstellen sollte. Die Startnummer befestigte ich zum ersten Mal an einem Startnummernband. Etwas ungewohnt, aber so beschädigte ich nicht mein Lauf-Shirt mit den Sicherheitsnadeln. Ich ging davon aus, dass der Start wie angegeben um 17:30 Uhr ist und begann um 17:10 Uhr das Warmlaufen. Doch um 17:20 Uhr hörte ich dann plötzlich per Durchsage, dass der Start auf 17:45 Uhr verschoben wurde. Warum, habe ich nicht mitbekommen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass in Ludwigshafen ein Streckenabschnitt wegen Scherben auf der Straße nicht freigegeben wurde. Ich musste jedenfalls meine Frau über die Verschiebung informieren, damit sie sich im Ziel nicht schon wieder Sorgen macht. Eine Läuferin war so nett und lieh mir kurz ihr Handy. Blöd war dann nur, dass ich bereits etwas angeschwitzt war und die 15 Minuten überbrücken musste, ohne mich abzukühlen oder zu viel zu laufen. Schließlich ordnete ich mich in meinen Startblock ein, der sich im Nachhinein jedoch als falsch zugewiesen herausstellte, denn für eine „sub2“ war ich viel zu weit hinten. Die einzelnen Startblöcke waren um eine Ecke verteilt. Dadurch gab es zusätzliche Verzögerungen nach dem Startschuss. Letztendlich aber egal, da die Zeitmessung ja mit Chip war. Nach fünf Minuten kam dann auch ich über die Startlinie, angefeuert von vielen Zuschauern. Ich startete meine Forerunner und los ging es.

Der Lauf:
Ich nahm mir vor, die ersten Kilometer nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam anzugehen, um für eine neue Bestzeit offen zu sein. Dies gelang mir sehr gut, so dass ich die 21,1 Kilometer recht optimistisch anging. Allerdings hatte ich so ein Bauchgefühl, dass der entscheidende Moment nach 2/3 der Strecke kommen wird. Dann würde es sich nämlich zeigen, ob ich das Tempo länger als im Training halten kann. Die Strecke führte durch Mannheim nach Seckenheim. In dieser Zeit war ich ständig am Überholen, was nicht immer einfach war. Trotzdem konnte ich meinen vorgenommenen Schnitt von 5’15“-5’20“ halten und war weiterhin guter Dinge. Kurz vor Seckenheim bei Kilometer 5 gab es die erste Versorgungsstelle. Leider war diese nur auf einer Straßenseite, so dass die Läufer teilweise kreuz und quer liefen. Die Versorgungsstellen an sich waren jedoch top und boten Wasser und je nach Streckenkilometer auch Elektrolytgetränk, Caps, Bananen, usw. an. Die Strecke führte dann am Ortsrand von Seckenheim entlang bis hin zu einem kleinen Feldweg. Dieser war jedoch so schmal (max. 2-3 Meter), dass sich das Läuferfeld staute. Auf diesen 1-1,5 Kilometern lief ich gezwungenermaßen insgesamt 20 Sekunden langsamer. Zudem brachte mich dieser Abschnitt aus dem Rhythmus, den ich bis dato mühsam gefunden hatte. Danach ging es durch Seckenheim, wo die Stimmung an der Strecke echt klasse war. Ich klatschte mehrfach Kinderhände ab, die mir begeistert entgegengestreckt wurden. Diese 2-3 Kilometer machten richtig Spaß. Als es dann wieder aus Seckenheim rausging, fiel mir das Laufen plötzlich etwas schwerer. Ich spürte einen Schmerz im rechten Bein. Als Laie ordnete ich ihn dem Ansatz des Oberschenkelstreckers zu. Für die Leiste war es nicht zu weit innen genug. Jedenfalls beeinflusste mich der Schmerz beim Laufen. Ich musste das Tempo etwas rausnehmen, um nicht eine Verletzung und somit einen vorzeitigen Abbruch zu riskieren. Ich hoffte, dass der Schmerz wieder vergeht und ich am Ende nochmal Gas geben kann. Doch ab Kilometer 13 lief es nicht mehr rund. Dies hielt bis Kilometer 18 an. Von da an wurde es zur Qual. Ich spielte zwischenzeitlich sogar mit dem Gedanken aufzugeben. Eine neue Bestzeit war jedoch weiterhin möglich und so biss ich auf die Zähne. Bei Kilometer 20 ging die Strecke direkt am Ziel vorbei. Das war für die Psyche echt mies. Ich hörte die Zuschauer jubeln, wusste aber, dass ich noch einen langen Kilometer vor mir hatte.

Das Ziel:
Eine kleine Schleife und dann ging es Richtung Ziel. Auf den letzten 400 Metern gab ich nochmal alles. Ich versuchte den Schmerz zu verdrängen, was mir aber echt schwer fiel. Die Zuschauer klatschten, die Musik dröhnte und das Ziel rückte immer näher. Mit letzter Kraft, schmerzendem Oberschenkel und leichtem Schwindel überquerte ich mit erhobenen Armen die Ziellinie. Ich stoppte meine Forerunner und sah, dass ich mit 1:54’00“ meine Bestzeit knapp um 19 Sekunden verpasste. Doch ich ärgerte mich nicht, sondern war stolz auf meine gelaufene Zeit. Unter den Umständen hätte ich das nicht für möglich gehalten. Nachdem mich ein Sanitäter fragte, ob alles in Ordnung sei, hatte ich ein kleines Déjà-vu. Ich ließ mir meine Medaille umgehängen und begab mich völlig entkräftet in den „Runner’s Heaven“. Dort versorgte ich mich Getränken, Bananen und einem (leider alkoholfreien) Tannenzäpfle. Anschließend ging ich in den Rosengarten, wo Frau & Kind bereits auf mich warteten. Wir machten noch Bilder und gingen anschließend zum Auto. Zuhause habe ich gebadet und eine wohlverdiente Pizza gegessen.

Der Tag danach:
Am nächsten Tag schmerzte der Ansatz des rechten Oberschenkelstreckers noch immer. Das Gehen fiel mir dadurch etwas schwer. Ansonsten verspürte ich zwar entkräftete Beine, aber keinen richtigen Muskelkater. Die darauf folgende Woche ließ ich lauftechnisch etwas locker angehen. Regeneration war angesagt.

Pro:
+ Stimmung in Seckenheim
+ schöner Zieleinlauf
+ viele Versorgungsstellen
+ Bambinilauf (guter Startzeitpunkt)

Contra:
– kurzfristige Startzeitverschiebung
– schmaler Feldweg bei ca. Kilometer 9
– bei Kilometer 20 führt die Strecke am Ziel vorbei
– Versorgungsstellen nur auf einer Straßenseite

Fazit:
Nachdem ich mir ursprünglich für diesen Lauf eine neue Bestzeit vornahm, hätte ich eigentlich ein wenig enttäuscht sein müssen. Vor allem, weil ich mein Ziel so knapp verpasste. Doch unten diesen Umständen (Magen-Darm-Probleme, Muskelprobleme, wenig optimale Vorbereitung) war meine erreichte Zeit für mich persönlich super. Anfangs ärgerte ich mich sehr über den schmalen Feldweg-Abschnitt, da dieser doch einige Sekunden an Zeit kostete. Doch im Nachhinein weiß ich nicht, ob es tatsächlich daran lag. Zwar habe ich laut meiner Forerunner dort tatsächlich zwanzig Sekunden verloren, doch das Verpassen der Bestzeit daran festzumachen ist zu spekulativ. Blöd ist der Abschnitt allerdings allemal. Nichtsdestotrotz hat mir der Lauf echt Spaß gemacht, auch wenn es wieder zu einer kleinen Quälerei wurde. Und wenn ich bedenke, dass ich 2007 (als ich die 1:53’41“ lief) ganze acht Kilogramm weniger auf den Rippen hatte, dann ist meine Leistung vom Mannheim Halbmarathon 2010 umso höher einzuschätzen. Dennoch habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass dieses Jahr eine neue Bestzeit fallen muss. Und zwar in Karlsruhe, wo alles begann.

Bilder:


Videos:

7 Kommentare zu “Bericht „Mannheim Halbmarathon 2010“

  1. Henrik

    Der Ehrgeiz ist da, die Leidensfähigkeit ist da – das klappt ganz sicher in Karlsruhe mit der Bestzeit! Halte dir die Daumen. Ich persönlich finde solche Abendwettkämpfe klasse.

  2. Eddy

    Mann-oh-Mann, da hat sich das warten auf den Bericht aber wirklich gelohnt: großes Kompliment zu diesem ausführlichen Beitrag und den eindrucksvollen Bildern!! – Ach ja, und zu Deiner Leistung gratuliere ich Dir natürlich auch: ich finde, es ist große Klasse, wenn man einen HM unter 2 Stunden schafft – echt super!

  3. Andreas

    Schöner Bericht, Christian! Tolle Leistung: trotz Schmerzen so nah an der PB.
    Bei einigen Bildern steht Dir die Qual im Gesicht! Gute Besserung für den Oberschenkelstreckeransatz. Ich denke auch, dass Du es in Karlsruhe schaffst!

  4. RunningDan

    Wieder einmal ein toller Bericht und klasse Bilder vom Lauf aus Mannheim. Auch von meiner Seite Glückwünsche zu deiner Zeit. Einen Teil der Strecke bin ich auch schon gelaufen und die Gegend ist wirklich sehr schön. Viel Erfolg schon mal für Karlsruhe.
    Gruß, Daniel.

  5. Takel

    Auch ich gratuliere. Hatte auch schon mal „Verdauungsprobleme“ am Tag vorher, da hat mir das von Dir oben genannte Medikament auch geholfen 😆 Ansonsten hätte ich wohl abgesagt…

  6. MischoK

    Hallo,
    ich gratuliere Dir auch zur erfolgreichen Teilnahme. Ich finde die Leistung ganz schön beeindruckend. Ganz besonders, wenn man – so wie Du – sich da Schmerzen durchquälen muss.

    Bin schon ganz gespannt auf meinen ersten Halbmarathon. Da lautet die Devise für mich erstmal: Durchkommen! 🙂

  7. Hannes

    Wie bitte? Auch da fährt so ein dä… äh, toller Smart voraus? O.o

    Aber auch trotz des Autos, bei den Bedingungen kannst du mit dem Ergebnis wirklich zufrieden sein. Von daher auch jetzt im Nachhinein noch einmal von mir Glückwunsch dazu und danke für den schönen Bericht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: