Bericht „Mannheim Halbmarathon 2012“

666 - the beast strikes back!Am 12. Mai nahm ich am MLP Marathon Mannheim auf der halben Distanz teil. Ursprünglich hatte ich das Ziel, meine im Herbst 2011 aufgestellte Bestzeit zu bestätigen. Die Wadenprobleme ließen jedoch keine optimale Vorbereitung zu. Zwar verlief der Halbmarathon in Heidelberg erfreulicherweise gut, dennoch war ich bzgl. Mannheim nicht ganz so optimistisch. Unter anderem auch, weil es sich in den vergangenen Jahren nicht als gutes Pflaster herausstellte. Es begann mit einem alles andere als optimalem Marathondebüt 2008, gefolgt von einer krankheitsbedingten Absage 2009, Muskelproblemen 2010 und Kreislaufproblemen 2011. Doch dieses Jahr wollte ich der Veranstaltung die Zähne zeigen. Entsprechend wählte ich die Startnummer aus: 666 – the number of the beast! Allerdings versuchte der Fluch auch dieses Jahr bereits im Vorfeld wieder zuzuschlagen (siehe oben). Somit war der Kopf nicht ganz so frei und Zweifel kamen auf.

Zielzeit?
Vor dem Lauf fragte ich mich, was für eine Zeit möglich ist. Ich war der Meinung, dass dieser Lauf problematischer werden könnte, als der anspruchsvolle Heidelberg Halbmarathon. Wieso? Klar waren die Steigungen in Heidelberg hart. Doch sie taten der Wade gut. Und bergab machte ich langsam. Ich war eh nicht auf eine bestimmte Zeit aus, sondern wollte nur durchlaufen. Dass ich letztendlich deutlich unter zwei Stunden blieb, ist zwar schön, war aber nicht geplant. In Mannheim ist die Strecke jedoch flach, weshalb ich schneller laufen würde. Schneller laufen belastet aber mehr die Wade. Zwar hielt sie unter der Woche bei einem 10km-Tempolauf (4:52/km), doch wie es bei doppelter Strecke aussehen würde, wusste ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, welches Tempo ich laufen sollte. Mein Mindestziel war jedoch, unter 1:53:41 zu bleiben. Dies war seit meinem HM-Debüt 2007 bis letztes Jahr meine PB, welche ich drei Mal in Mannheim knacken wollte. Vergeblich. Mein Wunschziel war, unter 1:50 zu laufen. Traumziel, eine Sub1:45. Allerdings bezweifelte ich stark, dass dies derzeit möglich wäre. Die Ziele waren also klar, aber wie sollte ich den Lauf angehen? Ich entschied mich, auf mein Bauch- und Körpergefühl hören zu wollen.

Bambinilauf
Mein 6-jähriger Sohn nahm bereits zum vierten Mal am Bambinilauf (dieses Jahr in „KidsRun“ umbenannt) teil. Doch es war das letzte Mal, dass er auf die 400m-Strecke vom Rosengarten zur Kunsthalle durfte, denn nächstes Jahr muss er mit den größeren Kindern ganze 2,10975 Kilometer laufen. Diese Jahr liefen wir aber noch zusammen und meine Frau feuerte uns zusammen mit dem Jüngsten am Straßenrand an. Im Ziel gab es eine Medaille, sowie eine Tragetasche mit Wasserflasche und Obst. Bei der (kostenlosen) Anmeldung erhielt mein Sohn bereits ein T-Shirt. Insgesamt eine schöne Sache und dieses Mal blieben so viel ich weiß auch die Stürze von übermotivierten Kindern (oft verursacht durch übermotivierte Eltern) aus. So soll es sein.

Da der KidsRun um 17 Uhr war, mein Start jedoch erst um 18:30, verabschiedeten sich Frau und Kinder nach Hause. Sie wollten später an einem bestimmten Streckenabschnitt auf mich warten und mich anfeuern. Die Heimfahrt sollte sich allerdings als sehr poblematisch herausstellen. Da noch etliche Teinehmer einen Parkplatz suchten und manche Straßen gesperrt waren, musste meine Frau über eine Stunde warten. Nächstes Jahr wird sie die S-Bahn und Straßenbahn nutzen. Alles andere ist zu stressig. Für mich ist die Anreise mit dem Auto jedoch ideal, da das eine Parkhaus in unmittelbarer Nähe zum Start ist und ich mich da in aller Ruhe umziehen kann.

Vor dem Start
Ich zog mich um und brachte meine Startnummer an. Doch beim Schuh war ich mir nicht so sicher. Laufe ich mit dem Brooks Racer ST 5 oder mit dem Asics Gel DS-Trainer 16? Mit dem Brooks lief es ja zwei Wochen zuvor beim Heidelberg Halbmarathon richtig gut. Doch ich wusste, dass ich in Mannheim ein deutlich höheres Tempo laufen werde und somit (zumindest derzeit) mehr Dämpfung benötige. Daher fiel meine Wahl auf den Asics. Dies hätte ich mir vor zwei Monaten nicht träumen lassen, denn da verfluchte ich ihn noch als Fehlkauf. Tja, so schnell kann sich das ändern. Da ist es nicht schlecht, wenn man ein paar unterschiedliche Schuhe zur Auswahl hat.

Ich schaute auf die Uhr und erschrak. Es war bereits 18:15. Nur noch 15 Minuten bis zum Start! Ich nutzte den Weg zum Startbereich, um mich ein wenig warmzulaufen. Blöderweise verspürte ich dann auch noch einen Druck auf der Blase. Anstehen am Dixie war angesagt. Danach schnell zum Startbereich, der natürlich bereits total voll war. Ein Ordner öffnete aber ein Absperrgitter und ließ einige Läufer rein. Fand ich nett, denn ansonsten hätte ich ein Problem gehabt und hätte wohl von ganz hinten starten müssen. Aber dann wäre ich selbst schuld gewesen, wenn ich nicht rechtzeitig komme. Doch so ging ja noch alles gut und ich konnte aus dem Block A2 starten.

Der Start
Es ist eng in meinem Startblock. Doch ich stehe am Rand und kann so noch meine Wade ein wenig andehnen. Ich brauche das. Mein Forerunner hat volles Signal und dann geht es auch schon mit ein paar Minuten Verspätung los. Oder auch nicht. Irgendwie kommt dieses Jahr die Masse etwas schleppender in Bewegung. Liegt es vielleicht am neuen Teilnehmerrekord? Möglich. Bereits auf dem ersten Kilometer mache ich einige Läufer aus, die so weit vorne nichts verloren haben. Da noch alles dicht beeinander ist, gestaltet sich ein Überholen als äußerst schwierig. Zumindest laufe ich dadurch nicht Gefahr, den Lauf zu schnell anzugehen. Man kann sowas also auch positiv sehen.

Erst jetzt wird mir bewusst, wie gut die Bedingungen sind. Am Tag zuvor hatte es noch 30 Grad und es war verdammt schwül. Nun ist es nur noch halb so warm und nicht schwül. Zum Glück, denn letztes Jahr wurde mir das Wetter zum Verhängnis. Am Wetter kann es dieses Jahr also nicht scheitern und ich entscheide mich ein Tempo knapp unter 5 min/km zu laufen, was eine Zielzeit von Sub 1:45 bedeuten würde.

Es läuft gut. Einzig mein Rücken (vor allem der leidige rechte Lendenwirbelbereich) verkrampft ein wenig. Inzwischen weiß ich, dass sich dies negativ auf meinen Laufstil auswirkt und dadurch Zeit und Energie kostet. Ich versuche daher eine Schonhaltung zu vermeiden und relativ sauber zu laufen. Meine Wadenprobleme vergesse ich dabei irgendwie. Vielleicht ganz gut so.

Halbzeit
Ich halte konstant mein Tempo unter 5 min/km. Und das ohne Probleme. Lediglich die Wechselzonen der Staffelläufer nerven mich ein wenig. Da geht es doch zum Teil recht eng zu und man wird regelrecht ausgebremst. Das sollte man besser lösen. Bei Kilometer 9 sehe ich meine Frau mit den Kindern am Straßenrand. Das puscht mich so, dass ich unwissentlich das Tempo erhöhe. Ich bremse mich wieder ein und passiere bei 48:50 die 10km-Marke. Alles im Soll. Es läuft überraschend gut.

Der Abschnitt durch Seckenheim ist stimmungsmäßig super. Wie eigentlich jedes Jahr. Die Menschen feuern jeden Läufer begeistert an und ich klatsche dabei etliche Kinderhände ab. Dadurch wirkt die dieser Abschnitt sehr kurzweilig. Die lange Gerade vom Ortsausgang bis zum Fernmeldeturm dagegen nicht. Doch dieser ist eine gute Orientierung, denn dort einmal angekommen, ist es nicht mehr weit bis zum Ziel.

Ab Kilometer 17/18 spüre ich, wie meine Waden so langsam verkrampfen. Kann ich das Tempo noch bis ins Ziel halten? Falls ja, bleibe ich locker unter 1:45. Ich konzentriere mich auf meinen Laufstil und versuche ökonomisch zu laufen. Die Luft ist noch vorhanden, nur meine Beine werden so langsam müde. Es geht nun durch die Innenstadt und die Zahl der Zuschauer nimmt rapide zu. Bei Kilometer 19,5 läuft man nochmal vom Ziel weg. Wer die Strecke nicht kennt, ist vielleicht ein wenig irritiert. Dann kommt endlich die Marathonweiche. Ich biege ab und laufe wieder in Richtung Ziel.

Zielsprint
Noch etwas mehr als einen Kilometer. Ich erhöhe mein Tempo und bin voll konzentriert. Plötzlich höre ich, wie jemand meinen Namen ruft und mir zuwinkt. Es ist Hannes! Total überrascht, aber auch sehr erfreut winke ich ihm zurück, während er locker aus der Hüfte ein paar Fotos schießt. Es sind meines Wissens noch andere Blogger und Twitterer vor Ort, aber bei den Massen hätte ich nicht gedacht, dass ich einen davon tatsächlich sehe. Nun aber weiter in Richtung Ziel. Schließlich ist sogar eine Zeit unter 1:43 möglich. Hierfür muss ich aber mein Tempo noch weiter anziehen. Der Wasserturm liegt vor mir. Jetzt nur noch einen 400m-Bogen und dann bin ich im Ziel.

Ich beschleunige weiter und lasse noch ein paar Läufer hinter mir. Die letzte Kurve. Die Sub 1:43 ist im Sack! Voller Vorfreude auf den Zieleinlauf zeige ich den Fotografen, was mir dieser Lauf heute bedeutet. Mit einer 1:42:52 überquere ich überglücklich die Ziellinie. Ich habe es der Strecke endlich gezeigt. Eigentlich kein Wunder, bei der Startnummer. 666 – The beast strikes back! 😈

Im Ziel
Ich holte mir meine Medaille ab, trank zwei Becher und begab mich dann auch schon zum Ausgang. Ich war platt und wollte nach Hause. Gerne hätte ich noch bei Hannes vorbeigeschaut, aber das war mir dann etwas zu weit weg. Ich war verschwitzt und hatte keine Jacke. Außerdem wartete meine Familie zu Hause auf mich. Mein ältester Sohn wollte mit mir das Pokal-Endspiel anschauen. Da ich gleich nach Hause fuhr, konnten wir zumindest noch die volle zweite Halbzeit sehen. Auf dem Heimweg holte ich bei meinem Italiener eine Pizza ab und genoss diese beim Fußballspiel. Erst danach war duschen angesagt.

Fazit
Meine Teilnahme war ein voller Erfolg. Endlich lief alles glatt. Zwar war die Vorbereitung nicht ganz optimal, aber der Lauf an sich verlief super. Auch das Wetter spielte (im Gegensatz zum Vorjahr) mit. Ohne Wadenprobleme im Vorfeld wäre vielleicht sogar eine neue PB möglich gewesen. Aber das Leben ist nunmal kein Konjunktiv und ich weiß das erzielte Ergebnis zu schätzen. Ich konnte den Fluch besiegen. Das zählt. Somit steht einer Teilnahme im nächsten Jahr nichts im Wege.

Weitere Berichte

11 Kommentare zu “Bericht „Mannheim Halbmarathon 2012“

  1. Frank

    Hallo Christian,

    Glückwunsch zur Zielzeit, und insbesondere auch zu Deinem eisernen Willen, Deinen Rücken- und Wadenproblemen während des Laufes (und davor) so zu trotzen.

    Zudem wäre bei eine Startzeit um 18:30 Uhr mein Biorhytmus eher auf „Beine hoch und Bauch voll“ programmiert denn auf „Beine in die Hand nehmen“.

    Jedenfalls ist eine neue PB wohl nur noch eine Sache der (Ausheilung der) Wade.

    Viele Grüße
    Frank

  2. Supermario72

    Herzlichen Glückwunsch! Über 10 Minuten PB-Verbesserung – genial!

    Wenn der Kopf sich noch etwas von der Wade löst, dann ist da mit Sicherheit auch bald eine sub1:40 drin. Die hast Du allemal drauf!

    Grüße aus Köln!
    Mario

  3. Pierle

    Glückwunsch zu der tollen Zeit!
    Wenn du oben schreibst, dass du vor dem Lauf eine 1:45 für unmöglich gehalten hast und dann eine 1:43 läufst, darfst du doch mehr als zufrieden sein!

    Grüße aus dem Münsterland
    Carsten

  4. calceola

    zunächst las sich der Bericht als ob Du mit einer 2:30 Zeit reingekommen wärest…
    …das hat sich dann ja nicht bestätigt, gratulation, die Zeit läßt sich sehen und damit wird klar auch 1:3X wird gehen bzw. kommen.

  5. Michael

    Hallo Christian,

    schöner Bericht und schade, dass wir uns verpasst haben. Die Stimmung im Seckenheim hat mich auch sehr positiv überrascht, aber selbst auf der Endlosgeraden zwischen Seckenheim und Neuostheim standen echt viele Leute. Als dann kurz vor Ende auch noch die Twittersupporter mich anfeuerten, konnte ich auch noch einmal kräftig Gas geben. BEi mir hats auch nicht zur PB gereicht, aber ich komme nächstes Jahr wieder

  6. Björn

    Was man auf jeden Fall von Dir lernen kann: Nicht aufstecken und sich durchbeißen. Trotz aller Erschwernisse, die einem Verletzungen, die Pendlerei etc. bieten.

    Ein schöner Bericht, der die Stimmung gut beschreibt und Werbung macht für den Mannheimer (Halb-) Marathon.

  7. Brennr Autor des Beitrags

    @Frank: Die Rücken- und Wadenprobleme waren gar nicht sooo wild. War mehr eine Kopfsache. Hat sich aber zum Glück nicht negativ ausgewirkt. Die Startzeit ist schon so ne Sache. Für einen Wettkampf sehr ungewöhnlich. Allerdings laufe ich unter der Woche oft um diese Uhrzeit, was natürlich von Vorteil ist.

    @Supermario72: Eine neue PB bin ich bereits letzten Herbst gelaufen. Da sogar eine Sub 1:40. Dennoch bin ich mit der Sub 1:43 sehr zufrieden, da ich meine PB trotz Beschwerden halbwegs bestätigen konnte.

    @Pierle: Danke, das bin ich! 😀

    @calceola: Hab ich tatsächlich so pessimistisch geschrieben? Ich war aufgrund meiner Erfahrungen mit Mannheim etwas vorsichtig. Eine Sub 1:40 bin ich ja bereits gelaufen. Vielleicht nächstes Jahr auch mal in Mannheim. Mal sehen.

    @Michael: Schön, dass es gefallen hat. War es Dein erstes Mal in Mannheim? Nächstes Jahr hat der Lauf 10-jähriges Jubiläum. Bin gespannt, was die Veranstalter sich einfallen lassen.

    @Björn: Ich liebe Wettkämpfe und um daran teilnehmen zu können, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Erschwernissen zu trotzen. Allerdings wäre es ohne auch mal schön. Was die Veranstaltung betrifft, so bin ich schon von der besonderen Stimmung (Uhrzeit und Zuschauer) angetan. Ist zudem noch vor meiner Haustür. Vielleicht auch deswegen.

  8. Ruben

    Glückwunsch. Vor einiger Zeit hatte ich noch die Sorge, dass du derzeit zu übermotiviert bist durch deine Bestzeitenjagd und bald wieder die körperlichen Rückschläge kommen aber nun werde ich zum Glück eines besseren belehrt und kann mich deswegen umso mehr mit dir freuen! Ist ja der Hammer… da ist die 1:40 in greifbarer Nähe – und wenn dann noch die Vorbereitung ein wenig besser läuft, dann kann man ja nur noch gespannt sein was da noch kommt 🙂

  9. Chris

    Hallo Christian!
    Gratulation zu deiner Traumzeit! Du hast da ja wirklich gekämpft, was das Zeugs hält! Cool! Da freut man sich schon auf den nächsten Lauf – oder? :mrgreen:

  10. sandrapfitzer

    Glückwunsch zu dieser Zeit!

    Ich wollte dieses Jahr eigentlich auch am MLP teilnehmen, aber leider hat sich niemand gefunden, der mitmachen wollte.

    Alleine konnte ich mich leider nicht überwinden (was mich im Nachhinein ärgert!)

    VG

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