Bericht „Hockenheimringlauf 2013“

Hockenheimringlauf 2013Am 1.11. ist nicht nur Allerheiligen, sondern seit mittlerweile 16 Jahren auch der Hockenheimringlauf, der – wie der Name bereits vermuten lässt – auf der bekannten Formel1-Rennstrecke stattfindet. Bei meinen bisherigen drei Teilnahmen (2007, 2010, 2011) sprang am Ende immer eine neue 10km-Bestzeit heraus. Daraus kann man sehr gut erkennen, dass die Strecke nicht nur auf vier Rädern schnell ist, sondern auch auf zwei Beinen. Meine Motivation hielt sich aufgrund eines 5-tägigen Magen-Darm-Infekts in der Woche zuvor jedoch sehr in Grenzen. Ich musste mich überraschen lassen, wie viel Energie wieder vorhanden war.

Vor dem Lauf
Da ich zwar in Baden-Württemberg wohne, jedoch in Hessen arbeite, musste ich für diesen Tag Urlaub nehmen. Dies hatte ich allerdings auch unabhängig von diesem Lauf vor. Dennoch ärgerlich, dass mir dieser Feiertag durch die Lappen geht.
Am Wettkampfmorgen überlegte ich mir noch, ob ich Jan Fitschens Läufermüsli „Start“ zu mir nehmen sollte. Ich entschied mich dagegen, da ich keine Experimente machen wollte. Jan wird das sicherlich verstehen. Den Test werde ich vor einer Tempoeinheit natürlich nachholen.
Ich entschied mich stattdessen für ein Brötchen mit ein wenig Nutella, damit ich nicht ins 11Uhr-Loch falle. Schließlich ist der Start um 10:20 Uhr und um 11 Uhr befinde ich mich auf dem Schlusskilometer. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt um einzubrechen. 😉
Bis zum Hockenheimring ist es von mir aus keine halbe Stunde und so hatte ich genügend Zeit, als ich mich um kurz nach neun auf den Weg machte. Bezüglich eines Parkplatzes musste ich mir auch keinen Kopf machen, da am Fahrerlager gigantisch viel Platz ist und man von Ordnern super eingewiesen wird.

Vor dem Start
Nachdem ich mein Auto parkte, ging ich sogleich zur Startnummernausgabe, die gut organisiert war. Mit der Startnummer in der Hand lief ich zurück zum Auto, denn ich musste mich noch umziehen. Dies hätte ich auch in einer Halle in der Boxengasse machen können, doch da war es mir zu kalt und es gab anscheinen auch keine Bänke. Hinzu kommt, dass ich meine Sachen eh im Auto lassen wollte.
Wie gewöhnlich wusste ich nicht, für welche Laufschuhe ich mich entscheiden soll. Das Wetter war trocken und somit wäre eigentlich der Asics Gel-Racer 9 infrage gekommen. Doch irgendwie hatte ich Lust den Mizuno Wave Sayonara mal im Wettkampf zu testen und so entschied ich mich spontan für ihn.
Dazu Strümpfe und Tights von CEP, oben ein enges Funktionsunterhemd von Nike und darüber ein Kurzarm-Shirt von Mizuno, sowie Armlinge von Skins. Als Uhr hatte ich dieses Mal die „TomTom Runner“ dabei, die ich im mal im Wettkampf testen wollte. Mein Wettkampf-Outfit stand im Gegensatz zu den Schuhen schon längst fest. Bei den Temperaturen für mich perfekt.
Dann machte ich mich auf den Weg zum Start. Da ich den etwas weiter entfernten zweiten Startpunkt nehmen wollte, nutzte ich den Weg zum Warmlaufen. Auf halber Strecke fiel mir dann plötzlich mit Entsetzen auf, dass ich meine Startnummer im Auto vergessen hatte. Schnell zurück, Nummer ans Shirt und hurtig zum ersten Startpunkt. Für den zweiten war es nun zu knapp. Schöner Mist. Vorteil des zweiten Startpunktes ist, dass man nicht durch die Sachskurve muss, sondern die Gerade nehmen kann. Naja, zumindest stand ich nun in zweiter, dritter Reihe.

Der Start
Hockenheimringlauf 2013 - Startpunkt 1 (weiter hinten 2)Der Mann am Mikrofon kündigt einen 10s-Countdown zum Startschuss an. Noch zwei Minuten. Eine Minute. Peng, Start! Hej, wo war der Countdown? Die Läufer um mich herum schauen sich verdutzt an, starten wie ich ihre Uhr und laufen los. Ich natürlich wie immer viiiel zu schnell. Egal, in der Sachskurve wird es von alleine etwas langsamer, wenn es sich ein wenig staut.

Der Lauf
Pustekuchen! Die Sachskurve verläuft problemloser, als gedacht. Dennoch wäre mir der zweite Startpunkt lieber gewesen. Aber das Thema ist nun gegessen. Nach vorne blicken. Und was sehe ich da? Die Läufer vom zweiten Startpunkt sind irgendwie etwas weiter vorne. Sind es generell die schnelleren Läufer oder ist das der Vorteil von der Geraden?
Die beiden Startfelder kommen zusammen und es geht zum ersten Mal auf die Zielgeraden, die danach noch zwei Mal zu durchlaufen ist. Es geht plötzlich etwas enger zu, da der Zielkanal gesperrt ist und das noch relativ dichte Läuferfeld links daran vorbei muss. Nun noch zwei Runden à 4,5 Kilometer.
Es läuft. Ich habe eine gute Gruppe erwischt. Schönes gleichmäßiges Tempo. Die Bedingungen sind gut. Vielleicht etwas kühl, aber noch angenehm. Trocken und kein Wind. Für letzteres ist die Strecke normalerweise anfällig, da sie weit offen ist und keinen Schutz bietet.
Zwischen Kilometer 3 und 4 geht mir plötzlich der Schnürsenkel auf. Das ist mir schon ewig nicht mehr passiert. Lag wohl am Stress vor dem Start, dass ich das nicht nochmal überprüft habe. Ich gehe schnell ein wenig auf die Seite, mache einen Knoten und laufe weiter. Ob das Zeit gekostet hat? Vielleicht 5 Sekunden. Dafür eventuell ein wenig Kraft, denn ich versuche schnell Anschluss an meine Gruppe zu finden.
Die 5km-Marke passiere ich nach 21:20. Das passt. Jetzt auf der zweiten Hälfte nicht einbrechen und es wird eine offizielle neue PB (da auf einer amtlich vermessenen Strecke). Es deutet sich aber bereits an, dass die 41:51 von Maxdorf nicht stimmen können. Auch wenn ich vor kurzem noch einen Infekt hatte, ich fühle mich bis jetzt sehr gut.
Es geht erneut auf die Zielgeraden und lächle für die Kamera, was mir aber auch nicht so schwer fällt. Immerhin bin ich gut unterwegs. Doch ich weiß, dass es gegen Ende hin nochmal hart werden wird. Mein Ziel ist eine 42:30 und hierfür müsste ich die zweiten 5 Kilometer genauso laufen und zum Schluss einen Zielsprint hinlegen. Noch ist das alles im Bereich des Möglichen.
Nun gilt es, sich an die richtigen Läufer zu hängen, um nicht versehentlich in eine Gruppe zu gelangen, die aus Kräftemangel das Tempo verschleppen. Mittlerweile habe ich hierfür aber ein sehr gutes Gespür entwickelt. Gelegentlich übernehme ich dabei die Führung, damit alle etwas davon haben und wir das Tempo bis zum Ziel halten können.
Ab Kilometer 8 wird es hart. Das Ziel ist in Sichtweite, aber vor mir liegen noch eine lange Gerade und die Sachskurve, bevor es auf die Zielgerade geht. Ein Frau und ein Mann ziehen das Tempo an, doch ich kann nicht ganz aufschließen. Will ich auch nicht, denn es ist mir noch etwas zu früh.
Kilometer 9 passiert, jetzt folgt die Sachskurve. Hinein läuft es gut, doch heraus gibt es einen minimalen Anstieg, der jetzt gegen Ende des Rennens deutlich mehr zu spüren ist. Egal, noch eine Kurve, dann geht es auf die Zielgerade. Ich erhöhe langsam mein Tempo.
Kaum habe ich den Scheitelpunkt der Kurve erreicht, gebe ich richtig Gas und setzte zum finalen Zielsprint an. Ich merke, wie sich mein doch recht leerer Magen zusammenzieht. Das wird übel. Meine Gesichtszüge entgleiten immer mehr, je näher es dem Ziel entgegengeht. Aber das ist bei mir normal. Bei der Jagd auf eine neue PB wird gelitten und um jede Sekunde gekämpft. Das muss so sein und das will ich auch so.
Vor mir das Ziel, aber nur ein geöffneter Zielkanal. Ich gebe alles und laufe dabei beinahe auf meinen Vordermann auf, der meint ins Ziel trudeln und dann gehen zu müssen. Ganz schlechte Idee, wenn andere Läufer nachkommen und keinen Platz zum Ausweichen haben. Ich mache ihn darauf aufmerksam. Einsicht gleich null.

Im Ziel
Wegen dieses Beinahe-Auffahrunfalls hatte ich doch glatt vergessen meine Uhr zu stoppen. Erst eine knappe Minute später fiel es mir auf. Ich wusste, es war eine Zeit knapp über 42:30 (offiziell 42:33). Ich war zufrieden, denn die Zeit entsprach meinem aktuellen Leistungsvermögen.
Mittlerweile war auch der zweite Zielkanal offen. Doch anscheinend viel zu spät, den es staute sich vor der Ziellinie. Verdammt ärgerlich für alle, die nachkamen. Außerdem gab es Probleme mit den Zeiten, die jedoch im Nachgang korrigiert wurden.

Nach dem Lauf
Ich ging zur Versorgungsstelle, holte mir einen Becher warmen Tee und ein Stück Banane. Danach lief ich zeitnah zum Auto zurück, um mich nicht zu erkälten. Frische Klamotten an und ab nach Hause unter die heiße Dusche. Danach war Frühstück angesagt. Mein Magen knurrte. Die Nutella-Brötchen waren dieses Mal besonders lecker. 🙂

Fazit
Der Hockenheimringlauf war mal wieder ein voller Erfolg. Eine neue offizielle PB, was will man mehr? Ok, der Infekt in der Woche zuvor hätte nicht sein müssen, aber ich glaube, so viel hat das nicht ausgemacht. Hm, die Sache mit dem offenen Schnürsenkel war unnötig, aber einen großen Zeitverlust hatte das nicht zur Folge (wenn überhaupt). Der Zieleinlauf war etwas doof, aber das kostete höchstens eine Sekunde (wenn überhaupt). Wenn alles optimal verlaufen wäre, hätte ich vielleicht 10-15 Sekunden schneller sein können. Haken dran. Dafür war es trocken und es gab keinen Wind. Daher bin ich absolut zufrieden und auch stolz auf meine neue Bestzeit. Eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 1:43. Das ist enorm. Wer weiß, vielleicht wird es ja irendwann doch noch was mit einer Sub40.

PS: Laut Veranstalter wird die Zeitmessung nächstes Jahr per Chip erfolgen. Bei einem Lauf dieser Größe absolut sinnvoll und die richtige Entscheidung.

Hockenheimringlauf 2013 - nach 1km noch frisch Hockenheimringlauf 2013 - nach 5km ist das Lächeln noch da Hockenheimringlauf 2013 - noch eine Runde Hockenheimringlauf 2013 - noch 1km, es wird hart Hockenheimringlauf 2013 - auf der Zielgeraden siegt der Schmerz über das Lächeln

9 Kommentare zu “Bericht „Hockenheimringlauf 2013“

  1. Din

    Glückwunsch zu dieser tollen Zeit! Klingt nach einem tollen Lauf. Gut, dass du trotz Infekt an den Tagen zuvor so gut durchgekommen bist.

    Ich möchte auch irgendwann mal auf einer Formel1 Strecke laufen. Das muss tierisch Spaß machen. Vielleicht ergibt es sich ja irgendwann mal.

  2. Ruben

    Glückwunsch!!! Und meine Güte lieber Christian, wie du derzeit von einer Bestzeit zur nächsten hechtest und das alles noch mit Job, Pendelei und Familie unter einen Hut bringst… Respekt! Ich vermute mal, dass 2014 die 41 fallen muss?

  3. Thomas

    Gratuliere zum guten Finish!

    Leider bin ich mit dem Thema offene Schnürsenkel gut vertraut 😳
    Deshalb ein Tipp, den mir mein Trainier gegeben hat. Einfach die Schleifen der Schnürsenkel, vorne in unter die querverlaufenden Schnürsenkel stopfen. Da öffnet sich nichts mehr und du ersparst dir einen schwer zu öffnenden Doppelknoten!

    Sport frei!
    Thomas

  4. Mara

    Glückwunsch auch von mir zu dieser super Zeit.
    In meinem letzten Lauf bin ich mal kurz auf den offenen Schnürsenkel getreten und dann hab ich einen Abflug gemacht. Zum Glück ist nichts weiter schlimmes passiert.
    Beim nächsten Lauf werde ich vermutlich mit Klebeband absichern.
    Lg Mara

  5. Florian Graser

    Glückwunsch zur PB!
    Ich stand im hinteren Startblock. Hier wurde auch angekündigt das es in 10 Sekunden los geht. Nach wesentlich mehr als 10 Sekunden ging es ohne das ich einen Startschuss gehört hatte plötzlich los. Ich vermute das verlief nicht ganz nach Plan. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass der hintere Startblock schneller da war. Konnte mich sofort an eine Gruppe aus dem vorderen Startblock hängen, die zu dem Zeitpunkt genau mein Tempo hatten, das hat gepasst!
    Konnte ebenfalls meine PB laufen. Die Strecke ist wirklich perfekt dazu geeignet um am ende der Sasion nochmal bei kühlen Temperaturen einen raus zu hauen!

    Viele Grüße aus Bürstadt

  6. Henrik

    Glückwunsch, 42:33 ist eine schöne Zeit. Wir hatten von der RUNNING Company 6 Läuferinnen und Läufer auf dem Ring. Das Feedback zur Zeitnahme (Zielkanal) war eindeutig, hier muss der Veranstalter dringend nachbessern.

  7. Brennr Autor des Beitrags

    @Laufhannes: Danke! Wie geschmiert nicht unbedingt, aber schon sehr gut. 😉

    @Din: Das Laufen auf einer Formel1-Strecke ist beim ersten Mal noch ganz spannend. Danach ist es eigentlich nur noch eine schnelle Strecke mit wenig Zuschauern (außer auf der Zielgeraden).

    @Ruben: Dankeschön! Gerade aufgrund diesen Umständen bin ich umso stolzer auf diese Zeit. Für nächstes Jahr habe ich jedoch etwas anderes vor. 🙄

    @Thomas: Normalerweise passiert mir das auch nicht. Nur dieses Mal war ich sehr spät am Start und hatte keine Zeit mehr, um alles zu kontrollieren. Aber ein guter Tipp. 🙂

    @Mara: Zum Glück bin ich nicht gestürzt. Aber Klebeband ist etwas übertrieben, oder? 😉

    @Florian Graser: Glückwunsch zur PB! Ich vermute dennoch, dass die ganz Schnellen fast alle im hinteren Block waren.

    @Henrik: Ja, war ärgerlich. Für mich ging es noch glimpflich aus. Andere hatten mehr Pech. Aber nächstes Jahr wird es eine Chip-Messung geben. Dann sollte alles klappen.

  8. Pepe

    Also wenn ich die Fahrzeit unserers „Dorfbusses“ so vergleiche, dann sind etwas mehr als 40 Minuten für einen „Nichtprofi“ sehr beachtlich. Für 3 Ortschaften (ungefähr 10 km) braucht der Bus nämlich knapp die Hälfte der Zeit – ok mit 3-4 kurzen Haltestops dazwischen, aber trotzdem.

    Dann drücke ich dir mal die Daumen für das nächste Rennen. Ich gehe mal davon aus, dass du da die 40 Minuten Marke unterbieten willst 😉

    Viele Grüße und viel Erfolg weiterhin,

    Pepe

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